Bundesliga

Warum der BVB die Lizenz bekam

Dortmund: Die DFL diskutiert heftig über Verschärfung des Verfahrens

Warum der BVB die Lizenz bekam

Lizenzerteilung mit Bauchschmerzen: Die DFL-Spitze mit Strutz, Hackmann und Straub (v.l.).

Lizenzerteilung mit Bauchschmerzen: Die DFL-Spitze mit Strutz, Hackmann und Straub (v.l.). Kicker

Nach der sechsstündigen Tagung bekamen alle 36 Profiklubs die Lizenz für die Saison 2004/05 erteilt. Mit großen Bauchschmerzen - vor allem wegen Borussia Dortmund.

Sehr vorsichtig teilte Ligapräsident Werner Hackmann anschließend mit: "Unser Verfahren ist auch weiter eher restriktiv, doch es hat sich als wirksamer Schutz vor wirtschaftlichen Ausfällen bestens bewährt. Der Vorstand und die DFL werden auch weiterhin mit wachsamen Augen die Entwicklung im wirtschaftlichen Bereich, insbesondere bei der Fremdfinanzierung, verfolgen."

Der mit hohen Auflagen verbundenen Lizenzerteilung für Dortmund waren heftige Diskussionen voraus gegangen. Die hauptamtlichen Mitarbeiter der DFL hatten empfohlen, Dortmund die Lizenz nicht zu erteilen. Obwohl das Ausmaß der Neuverschuldung im Geschäftsjahr 2003/04 per 30. Juni 2004 von schließlich 67,7 Millionen auf insgesamt nun 118,9 Millionen Euro während des am 31. März begonnen Lizenzierungsverfahren noch nicht bis ins Detail bekannt war. Der Vorstand der Liga folgte dieser Empfehlung nicht. Mit dem Argument, dass bei der Vergabe der Lizenz allein die Liquidität entscheidend ist und die Vermögenssituation nach den Bestimmungen nicht bewertet werden darf.

Eine Lizenzverweigerung hätte zu einem Gang vor ein ordentliches Gericht geführt. Und die Liga voraussichtlich viel Geld gekostet. "Das Urteil wäre auf der Grundlage unserer Bestimmungen zugunsten von Borussia Dortmund ausgefallen. Es wäre sicherlich ein interessantes Urteil geworden. Jeder hätte dann gewusst, dass nicht die Höhe der Verbindlichkeiten entscheidend für die Lizenzvergabe ist, sondern die Frage, ob der Verein ausreichend liquide Mittel vorweist, um die Saison bis zum letzten Spieltag bestreiten zu können", so ein Vorstandsmitglied gegenüber dem kicker.

Direkt nach der Lizenzerteilung für Dortmund meldeten sich mehrere Juristen bei Eintracht Frankfurt. Die Frankfurter wären als Drittletzter der vergangenen Saison bei einer Lizenzverweigerung für Dortmund erstklassig geblieben. Eintracht-Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen aber winkte ab, sagte im Freundeskreis: "Ich gehe nicht in einen Zwei- Fronten-Krieg gegen China und die USA."

Nach der jüngsten Entwicklung in Dortmund aber wird nun auch im Ligaverband heftig darüber diskutiert, das Lizenzierungsverfahren zu verschärfen. "Wir müssen überlegen, ob wir unsere Prüfungskriterien, soweit rechtlich möglich, auch auf die Vermögensverhältnisse der Klubs auszuweiten haben", sagt Wilfried Straub, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung. Dazu ist die Liga nach Übernahme der Zielsetzung des UEFA-Clublizenzierungsverfahrens fast schon verpflichtet, hat sie doch in ihre eigene Lizenzierungsordnung in einer Präambel aufgenommen: "Ziel des Verfahrens ist es, die finanzielle Solidität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Klubs zu verbessern." Dem steht vor allem das zunehmende Engagement von Finanzjongleuren im Profifußball diametral entgegen.

Das sieht auch DFL-Finanzchef Christian Müller so: "Wenn Zukunfts-Verschuldungen benutzt werden, um bestehende Kredite billiger zu machen, ist das zu akzeptieren. Aber wenn die Gelder genommen werden, um Transfers zu tätigen, um einen Konkurrenten zu schwächen, ist das nicht akzeptabel. Da schrillen alle Alarmglocken." Ein deutlicher Warnschuss auch in Richtung Schalke 04, das nach Aufnahme der 86-Millionen-Euro-Schechter-Anleihe vor dieser Saison mit Ailton und Krstajic teure Transfers getätigt hat.


Die wichtigsten Fragen zur Situation in Dortmund:

Warum wurde der Borussia die Lizenz überhaupt erteilt?

Die Vermögenssituation nach den aktuellen Bestimmungen bei der Lizenzvergabe keine Rolle. Entscheidend ist nur, ob der Verein nachweist, dass er den Spielbetrieb über die Saison durchhalten kann.

Warum wurden dem 1. FC Kaiserslautern in der vergangenen Saison drei Punkte und Eintracht Frankfurt in der Saison 1999/2000 zwei Punkte abgezogen?

Kaiserslautern hatte im Lizenzierungsverfahren nicht alle Nebenverträge gezeigt, die Frankfurter hatten gegen die Auflagen verstoßen.

Können normale Vereinsmitglieder in Dortmund überhaupt noch mitbestimmen?

BVB-Mitglieder wählen den Präsidenten. Ein Vorschlagsrecht besitzen sie nicht. Vorschlagen darf allein der Wahlausschuss, bestehend aus Wirtschafts- und Ältestenrat. Der Wirtschaftsrat wiederum wird vom Vorstand vorgeschlagen.

In welchem Rahmen ist die Übernahme des Vereins durch Außenstehende möglich?

Der Kommanditgesellschaft auf Aktien ist die Geschäftsführung der GmbH vorgeschaltet, und die gehört zu 100 % dem BVB. Durchgriff auf die Geschäftsführung hat also nur der Verein - theoretisch. Direkter Zugriff von außerhalb ist nicht möglich. Indirekter schon, wie das Beispiel Florian Homm beweist.

Kann Florian Homm in Zukunft entscheiden, ob Tomas Rosicky verkauft oder Bert van Marwijk entlassen wird?

Direkt nicht, nur wenn Homm Druck auf die Geschäftsführung ausüben würde. Ex-Schatzmeister Werner Wirsing will deshalb per Antrag unbedingt verhindern, dass Homm (oder dessen Beauftragte) Sitze im Beirat erhalten.

Rainer Franzke/Thomas Hennecke