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"War nicht weit weg vom Karriereende": Wie Pohjanpalo nun Venedig begeistert

Tore am Fließband, Bier nach Auswechslung, Vertrag bis 2027

"War nicht weit weg vom Karriereende": Wie Pohjanpalo nun Venedig begeistert

Viererpack, Bier, Daumen hoch: Joel Pohjanpahlo vom FC Venedig.

Viererpack, Bier, Daumen hoch: Joel Pohjanpahlo vom FC Venedig. IMAGO/LaPresse

Im Spiel gegen SPAL Ferreira läuft die 81. Minute als Joel Pohjanpalo zur Auswechslung gebeten wird. Der ehemalige Bundesliga-Stürmer hat, wieder einmal, seine Arbeit getan. Der FC Venedig führt auch dank zweier Pohjanpalo-Assists mit 2:1 und der Finne geht locker an den Fans vorbei in Richtung Bank. So weit, so normal. 

Plötzlich wird ihm ein Bier gereicht. Der Stürmer überlegt nicht lange, greift zu, und erfüllt, mit Kaltgetränk in der Hand, seelenruhig Selfie-Wünsche, die von den Rängen auf ihn einprasseln. So geschehen im Februar 2023 in der italienischen Serie B. Videos von der kuriosen Szene gingen im Internet viral, Pohjanpalo festigte seinen Status als Publikumsliebling. Auch als der Finne wenige Wochen später beim 5:0-Sieg gegen den FC Modena vierfach traf, gönnte er sich ein Bier. Am Saisonende standen 19 Tore und sieben Vorlagen. Das reichte für Platz acht und die Play-offs um die Serie A, in denen Venedig allerdings früh an Cagliari scheiterte.

GUTER SAISONSTART DES FC VENEDIG

Für Pohjanpalo war es dennoch eine erfolgreiche Saison. Denn neben seiner starken Ausbeute hatte er sich zum Publikumsliebling und Aushilfskapitän gemausert.  Zur aktuellen Saison wurde ihm das Amt schließlich komplett übertragen. Sein ursprünglich bis zum Sommer 2025 datierter Vertrag wirkte nach dem Vorjahr regelrecht überholt. So verwundert es nicht, dass der beste Torjäger im Kader nun ein neues Arbeitspapier bis zum Sommer 2027 unterschrieben hat.

"Wenn ein Verein dir die Verantwortung der Kapitänsbinde überträgt und dich als einen Schlüsselspieler auf dem Spielfeld ansieht, muss man meiner Meinung nach Dankbarkeit und Loyalität zeigen", wird der Finne auf der Vereinshomepage zitiert. "Ich bin hier mit der Mannschaft und den Fans sehr zufrieden, und es ist die beste Entscheidung, hier zu bleiben."

Geplanter Leverkusen-Wechsel scheiterte in letzter Sekunde an einer Verletzung

Bei diesen Worten liegt der Schluss nahe, dass sich bei dem 29-Jährigen das Ende eines längeren Karriere-Irrweges anbahnt. Den hatten aber nicht zwingend seine Leistungen, sondern vor allem hartnäckiges Verletzungspech bedingt. Das hatte ihm schon 2012 seinen geplanten Wechsel zu Bayer Leverkusen verbaut, wie er neun Jahre später im Interview mit Vereinsmedien von Union Berlin erzählte. "Sportdirektor Michael Reschke und Chefscout Jonas Boldt waren schon auf dem Weg nach Finnland. Im letzten Training kam eine Flanke von rechts. Ich habe sie verwertet und mir beim Aufkommen den rechten Fuß gebrochen. Dann war der Vertrag futsch."

Zum Glück für Pohjanpalo verlor ihn die Werkself nicht aus den Augen. "Ein halbes Jahr später hat dann alles geklappt." Im September 2013 kehrte der Stürmer im Alter von 18 Jahren HJK Helsinki schließlich den Rücken, um das Abenteuer Deutschland zu wagen. Leverkusen hatte ihn aus- und direkt an Zweitligist VfR Aalen weiterverliehen. Allerdings hatte die Werkself eine von Juli 2014 bis 2018 gültige Kaufoption.

Die zog Bayer im Sommer 2014, um Pohjanpalo dann gleich wieder ins Unterhaus an Fortuna Düsseldorf zu verleihen. Nach 13 Toren in zwei Jahren plante ihn Leverkusen 2016 schließlich für seinen Kader ein. Der Aufstieg liest sich ebenso märchenhaft wie kurios. Denn Pohjanpalo durfte nur wegen dünner Personaldecke mit ins Trainingslager. Weil sich rund um den Saisonstart seine Sturmkonkurrenten Chicharito und Kevin Volland Hand beziehungsweise Finger brachen, winkten Pohjanpalo plötzlich sogar Einsatzminuten. Und die wusste er zu nutzen.

Auf den furiosen Start in Leverkusen folgt jahrelanges Verletzungspech

Gleich im ersten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (1:2) traf er nach Einwechslung zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Endgültig auf sich aufmerksam machte er dann mit einem Hattrick beim 3:1 gegen den Hamburger SV, für den er eine Woche später, wieder als Joker, gerade einmal 15 Minuten gebraucht hatte. Übrigens nicht der schnellste Dreierpack seiner Karriere, wie aus einem Interview mit der "Bild" 2014 hervorgeht: "In meinem zweiten Spiel in der finnischen Premier League habe ich mit 17 Jahren drei Tore in 2 Minuten und 42 Sekunden erzielt. Das war angeblich sogar der schnellste Hattrick der Welt - verrückt."

Drei oder mehr Joker-Tore: Alcacer einer von Elf

Gelegenheiten, um diesen Rekord zu brechen, sollte Pohjanpalo nach dem HSV-Spiel aber erstmal keine bekommen. Nur drei Wochen später zog er sich im Training einen Mittelfußbruch zu und fiel fast zwei Monate aus. Seitdem füllte sich die Krankenakte stetig. Am härtesten traf es den finnischen Nationalspieler jedoch im August 2018, als ihn eine Sprunggelenksverletzung inklusive Trainingsrückstand über eineinhalb Jahre außer Gefecht setzte. "Ich war nicht weit weg vom Karriereende", sagte er im März 2019. So war es ihm bei Bayer Leverkusen trotz vielversprechender Ansätze nahezu unmöglich, nachhaltig Fuß zu fassen. In dreieinhalb Jahren stand er für die Rheinländer in gerade einmal 28 Pflichtspielen auf dem Rasen.

Auch eine Leihe zu Union Berlin im September 2020 brachte keine Besserung, da Pohjanpalo erneut unter Sprunggelenksproblemen litt. Die Köpenicker verzichteten am Saisonende auf ihre Kaufoption und der Finne kehrte Deutschland den Rücken. Wieder per Leihe wechselte er zum türkischen Erstligisten Rizespor - und von da an ging es wieder aufwärts.

Pohjanpalo bleibt im Ausland verletzungsfrei und trifft zuverlässig

Denn Pohjanpalo blieb erstmals seit der Saison 2014/15 von schwereren Verletzungen verschont. So spielte er sich im Rize-Sturm fest und zeigte prompt, was eigentlich in ihm steckt. Mit 16 Toren wurde er viertbester Schütze der Liga, konnte den Abstieg aber auch nicht verhindern. So kehrte er zurück zu Bayer 04 Leverkusen, von wo aus er sich im Sommer 2022 schließlich fest dem italienischen Zweitligisten FC Venedig anschloss.

Und dort scheint der Finne nun endgültig angekommen zu sein. In den vergangenen Jahren hatte es ihn kaum länger als eine Saison bei einem Verein gehalten. Das soll nun der Vergangenheit angehören. Mit der Vertragsverlängerung bis 2027 hat er dahingehend einen großen Schritt getan. In der Liga hat er bis dato viermal durchgespielt, aber erst einmal getroffen. Die nächste Gelegenheit kommt aber schon am Freitag (20:30 Uhr) im Heimspiel gegen Spezia Calcio. Und wer weiß, vielleicht greift er nach getaner Arbeit dann auch wieder zum Bier.

kon

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