2. Bundesliga

Walters Willensschulung wirkt

HSV hat Platz 3 nach Aufholjagd in eigener Hand

Walters Willensschulung wirkt

Haben in Sachen Platz drei alles in der eigenen Hand: Tim Walter und der HSV.

Haben in Sachen Platz drei alles in der eigenen Hand: Tim Walter und der HSV. IMAGO/KBS-Picture

Dass es am kommenden Sonntag in Rostock für Walter und die Seinen zum Showdown kommt, ist das Resultat einer bemerkenswerten Aufholjagd, die ebenso zur Werbung in eigener Sache dient, wie der Vortrag gegen Hannover. Neun Punkte betrug der Rückstand auf den Relegationsrang nach dem 1:2 gegen Paderborn am 28. Spieltag, immer noch sieben waren es nach einem 0:1 in Kiel. Vier Siege seitdem sind der Nachweis, dass der HSV nach der im vergangenen Juli begonnenen Walterschen Willensschulung eben doch in der entscheidenden Phase einer Saison da sein kann. Und dies selbst dann, wenn schon alles verloren scheint. Oder gelang die Serie, weil schon alles verloren schien?

Gegen 96 war den Hamburgern nach dem Gegentreffer anzumerken, dass sie etwas zu verlieren hatten, dass sie gelegentlich wackelten. Aber sie fielen nicht und wurden vom Publikum durch die kritischen Phasen mit Hingabe und Leidenschaft getragen. Für Walter ist diese entstandene Symbiose zwischen Anhang und Aufgebot ein ganz gewichtiges Argument. Denn der Trainer konstatiert völlig zu Recht: "Wie die Leute uns hier pushen, das ist ein Spiegelbild. Wir sind überzeugt von uns, mutig und leidenschaftlich und genau das wollen die Fans sehen. Es macht brutal Spaß und ist die pure Freude, wie meine Jungs sich reinhauen und wie sehr die Leute es honorieren." Diese Verbindung nach Jahren voller Enttäuschungen wieder hergestellt zu haben, ist tatsächlich jetzt schon ein großer Sieg des Trainers.

Wir nehmen die Energie in die gesamte nächste Woche mit.

Kapitän Sebastian Schonlau

Gebetsmühlenartig hatte Walter in den zurückliegenden Wochen und Monaten darauf verwiesen, dass es vor allem um die Entwicklung gehe. Nach dem 33. Spieltag, den der HSV mindestens als Dritter abschließt, blickt er auch auf die Tabelle und sagt: "Wir wollen jetzt auch das nächste Spiel gewinnen und den Schritt in die andere Liga machen." Dass Klub und Kader nun plötzlich wieder etwas zu verlieren und damit eine Situation haben, an der sie in den Vorjahren gescheitert sind, blenden die Protagonisten aus. "Es war unglaublich, wie uns die Zuschauer gegen Hannover gepusht haben", sagt Doppel-Torschütze Robert Glatzel, "genau diese Energie müssen wir mit nach Rostock nehmen." Darauf setzt auch Kapitän Sebastian Schonlau: "Wir nehmen die Energie in die gesamte nächste Woche mit."

Widerstandsfähigkeit und Energie statt Zweifel waren entscheidend für eine imposante Aufholjagd. Exakt diese Zutaten sollen nun auch dafür sorgen, dass die Klettertour nicht abrupt und vorzeitig vor dem Ziel endet.

Sebastian Wolff