2. Bundesliga

Tim Walters doppelter Spaßfaktor beim Hamburger SV

Trainer erfreut sich an seiner Elf und einem Privatkonzert

Walters doppelter Spaßfaktor beim HSV

Hat nach dem Auftakt allen Grund zur Freude: HSV-Trainer Tim Walter (re.).

Hat nach dem Auftakt allen Grund zur Freude: HSV-Trainer Tim Walter (re.). imago images/MIS

Dass die Lieder der Hamburger Kultband "Abschlach" in der HSV-Kabine regelmäßig laufen und die Profis auf Geheiß ihres Trainers auch die Songtexte kennen müssen, hatte Tim Walter bereits vor der Abfahrt nach Gelsenkirchen verraten. Am Tag nach dem gelungenen Saisonstart waren zwei Bandmitglieder zu einem TV-Dreh beim Auslaufen im Volkspark und gaben dem neuen Coach direkt ein inoffizielles Privatkonzert, sangen für ihn den neuesten Hit "Wir sind der HSV". Walter verneigte sich – auch mit Worten. "Das ist überragend. Die Jungs machen so Spaß, das ist der Hammer." Und die Episode vom Samstag ist ein weiteres Anzeichen, dass der 45-Jährige gut angekommen ist in Hamburg.

Walter hat sich während der fast eineinhalbjährigen Zeit ohne Job intensiv mit sich und auch dem HSV beschäftigt, er weiß, dass an der Elbe schon viele Cheftrainer gut angekommen und dann doch nicht lange geblieben sind. Er denkt deshalb gar nicht daran, das 3:1 vom Freitagabend über zu bewerten. "Für viele waren wir mutig", sagt er, "aber für mich war es noch nicht mutig genug."

Spielersteckbrief Heyer
Heyer

Heyer Moritz

Spielersteckbrief Rohr
Rohr

Rohr Maximilian

Trainersteckbrief Walter
Walter

Walter Tim

Rohr und Heyer - vielseitige Joker

Der frühere Stuttgarter wünscht sich zum Beispiel noch mehr Konsequenz bei der Besetzung von für viele ungewohnten Räumen. Den aus der Regionalliga-Elf beförderten gelernten Innenverteidiger Maximilian Rohr wechselte er auf Schalke ebenso als Achter ein wie Moritz Heyer, der eher Innenverteidiger oder Sechser, zur Not auch Außenverteidiger ist. "Wir machen im Training Spielformen", erklärt der Coach, "da sehe ich ja, wer sich auf welcher Position wohl fühlt. Beide sind sehr vielseitig." Und beide hatten nicht nur wegen der Co-Produktion des 2:1 entscheidenden Anteil am Sieg des HSV.

Fehlschuss als Startschuss

Walter fordert viel – und fördert diejenigen, die sich auf seine Idee einlassen. "Es geht um Vertrauen, das ist die Basis von allem. Ich vertraue den Jungs, sie vertrauen sich." Und sie sind auch durch Nackenschläge nicht mehr so ohne weiteres aus der Bahn zu werfen wie in der Vergangenheit. Die Rückschläge durch das frühe Gegentor und den verschossenen Elfmeter von Robert Glatzel wertet Walter in der Nachbetrachtung sogar "als Startschuss. Die Reaktion der Jungs war, noch mehr zu tun, noch mutiger zu sein."

Es geht um Vertrauen, das ist die Basis von allem.

Tim Walter

Genau nach diesem Motto soll es weitergehen. Selbstzufriedenheit nach einem erfolgreichen Schritt, ein weiteres Manko des HSV in den Vorjahren, will Walter nicht zulassen, sieht aber ausdrücklich auch keine Anzeichen dafür. "Ich habe nicht die Befürchtung, dass wir nachlassen. Denn der Charakter der Jungs ist gut, und sie haben Spaß daran, wie wir arbeiten. Sie merken, dass es mehr Spaß macht, wenn wir mit dem Ball laufen als dem Ball hinterher." Genauso soll es weiterlaufen. Damit der Spaßfaktor in Hamburg nicht nur beim neuen Trainer hoch bleibt.

Sebastian Wolff

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