2. Bundesliga

HSV-Coach Walter hadert und vermisst den Mut

HSV-Coach hadert mit dem Jahreskehraus, ist generell aber "total happy"

Walter vermisst den Mut

"Wir haben gesehen, dass es vorangeht": Tim Walter ist grundsätzlich mit seiner Mannschaft zufrieden.

"Wir haben gesehen, dass es vorangeht": Tim Walter ist grundsätzlich mit seiner Mannschaft zufrieden. imago images/Michael Schwarz

Gespräche mit Tim Walter drehen sich über kurz oder lang häufig um ein Thema: Mut. Hamburgs Trainer fordert diesen von seinen Spielern in eigentlich allen Situationen ein und verteidigt sie im Misserfolgsfall auch gegen deutlich vernehmbares Murren von den Rängen. Samstagabend, nach dem 1:1 im Topspiel gegen Schalke hingegen murrte er selbst. Weil ihm ein Grundelement im Spiel seiner Mannschaft gefehlt hatte. "Wir hatten zu wenig Mut, haben zu viele lange Bälle gespielt." Und deshalb war der eine Punkt gegen den Bundesligaabsteiger fast das Maximum, obwohl der Schalker Ausgleichstreffer erst drei Minuten vor dem Ende fiel.

"Den Mutigen gehört die Welt", ist ein Leitspruch von Walter. Auf der Pressekonferenz um kurz vor Mitternacht hat ihn der 46-Jährige wieder angebracht. Und damit auch ausgedrückt: Ausgerechnet im Top-Spiel waren seine Spieler nicht in seiner Welt. Nicht immer effizient, aber jederzeit dominant und spektakulär mutete der HSV-Fußball in diesem ersten Halbjahr an, gegen Schalke hingegen taumelte seine Elf passiv dem Gegentor entgegen, setzte im Spiel mit dem Ball keine eigenen Akzente mehr. "Wir haben die Kontermöglichkeiten ganz, ganz schlecht ausgespielt, hätten in der zweiten Halbzeit einfach mutig bleiben müssen."

Doch nachdem der Mut von Keeper Marko Johansson zwei Mal in Übermut gegipfelt war, regierte Sicherheitsdenken. Und hielt Unsicherheit Einzug. Die Folge: Von Walters Fußball, der zuletzt nicht nur Unterhaltung, sondern auch Resultate beschert hatte, war zum Jahreskehraus so wenig zu sehen wie nie zuvor in dieser Spielzeit. Und genau daraus leitet er auch ab, dass seine physisch an sich so starke Elf am Ende kraftlos wirkte. "Wenn du es nicht schaffst, ausreichend Mut und Bereitschaft reinzulegen, dann wirst du irgendwann auch im Kopf müde."

Walter: "Wir haben gesehen, dass sich die Mannschaft entwickelt"

Die Unzufriedenheit über den fehlenden Mut seiner Profis war Walter am späten Samstagabend anzumerken, seine Grundstimmung indes trübt dieser letzte hinterlassene Eindruck des Jahres nicht. "Wir haben gesehen, dass es vorangeht, dass sich die Mannschaft entwickelt, dass die Mentalität gut ist. Ich bin total happy." Sein Rezept für die Restsaison ist es, die Entwicklungsprozesse vor den in der Vergangenheit gerade im zweiten Halbjahr immer lähmenden Aufstiegsdruck zu stellen. "Wir versuchen, bei uns zu bleiben", sagt Walter. Und das bedeutet bei ihm vor allem auch: mutig zu sein. Mutiger als im Verfolgerduell.

Sebastian Wolff