2. Bundesliga

Hamburger SV: Tim Walter geht ohne Angst ins Jubiläumsspiel

Trainer sitzt ausgerechnet in Kiel zum 50. Mal auf der HSV-Bank

Walter - ohne Angst ins Jubiläumsspiel

Walter sitzt in Kiel zum 50. Mal auf der HSV-Bank.

Walter sitzt in Kiel zum 50. Mal auf der HSV-Bank. IMAGO/MIS

Dort haben sowohl der Coach als auch die Hamburger eine besondere Historie. Walter erhielt an der Förde 2019 die Chance auf den Einstieg in den Profibereich, hat aus dem einen Jahr "noch viele Freunde dort. Ich bin gern in Kiel." Das gilt für seinen HSV nur bedingt. Seit dem Abstieg 2018 gelang gegen die Störche noch kein Sieg, die Frage auf der Pressekonferenz am Mittwoch lag folglich auf der Hand: Ist Holstein ein Angstgegner? Für Walter kam sie wie auf Bestellung, um demonstrativ das rüberzubringen, was er vom ersten Tag an ausstrahlen will in Hamburg. Er zog die Augenbrauen hoch und wiederholte die Frage: "Wie Angst?" Dann machte er eine kurze Pause, lächelte angriffslustig und wiederholte sein Credo: "Wer mich kennt, der weiß, dass ich vor niemandem Angst habe. Statistiken sind das eine, das was auf dem Platz passiert, das andere."

Wir müssen versuchen, in unserem Spiel noch besser zu sein, noch konsequenter zu sein in dem was wir tun."

Tim Walter

Und auf dem Platz ist der HSV, ausgerechnet seit dem letzten Gastspiel in Kiel, überaus erfolgreich. Acht Pflichtspielsiege sind seit dem 0:1 im April in der Fremde notiert, und für den Trainer ist relativ klar, welche Serie am Freitagabend reißen und welche ausgebaut werden soll. "Wir haben eine große Gier, besser zu werden, die Gier, Spiele zu gewinnen." Und er ist überzeugt, die richtigen Mittel parat zu haben.

Beim letzten Duell hatte sich Holstein, entgegen der eigentlichen Philosophie, überaus tief postiert, und Walter sagt: "Es gibt zwei Möglichkeiten, um gegen uns möglicherweise Chancen zu haben: Hoch pressen oder ganz tief stehen." Er weiß, dass er damit keine Neuigkeiten preisgibt, bleibt aber dennoch voll und ganz überzeugt von seinem Stil und kündigt an: "Wir müssen versuchen, in unserem Spiel noch besser zu sein, noch konsequenter zu sein in dem was wir tun."

Walters Vorhaben, die im Vorjahr angeeigneten Fähigkeiten in seiner zweiten Saison zu verfeinern, hat in der Arbeit gegen den Ball in dieser noch jungen Saison schon hervorragend funktioniert. Erst drei Gegentore sind ein formidables Zeugnis für leidenschaftliche und konsequente Defensivarbeit. Wirklich unzufrieden zeigt er sich auch trotz erst neun erzielter Treffer auch mit der Offensivarbeit nicht, legt aber den Finger in die Wunde: "Es mangelt nicht an Chancen, eher an der Konsequenz."

Personelle Qual der Wahl

Für diese könnte in Kiel auch Ransford Königsdörffer wieder sorgen. Der 20-Jährige, frisch für Ghanas Nationalteam nominiert, hat seine Rotsperre verbüßt und der Coach sagt: "Ransi ist immer eine Option, deswegen ist er hier, seine Entwicklung ist gut." Des Trainers Auswahlmöglichkeiten indes auch: Auf den Flügeln haben zuletzt Jean-Luc Dompé und Bakery Jatta für sich geworben, in der Mitte führt kein Weg an Robert Glatzel vorbei.

Auch im Zentrum ist der Konkurrenzkampf groß: Laszlo Benes deutete zuletzt bei jedem seiner Jokereinsätze an, dass er seine Startschwierigkeiten überwunden hat, Sonny Kittel aber steht unverändert hoch im Kurs bei Walter und Ludovit Reis ist längst unverzichtbar. "Ich bin froh über diese Auswahl", sagt der angehende Jubilar, lächelt zufrieden und wirkt dabei als denke er: Wovor solle er Angst haben?

Sebastian Wolff

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