2. Bundesliga

Hamburger SV: Walter - Mutig oder übermütig?

HSV-Coach verzichtete nach Schonlau-Rot auf einen Verteidiger

Walter: Mutig oder übermütig?

Wollte er zu viel? HSV-Trainer Tim Walter.

Wollte er zu viel? HSV-Trainer Tim Walter. IMAGO/Nordphoto

"Bascho", sagt Walter über Schonlau, "stellt sich nicht glücklich an, aber wir können es auch vorher schon besser lösen." Und auch danach? Der frühere Stuttgarter nahm tatsächlich das, was nach der korrekten Entscheidung von Schiedsrichter Deniz Aytekin noch übrig war, er beließ es bei einer Dreierkette: Mario Vuskovic, in der Entstehung von Schonlaus Notbremse Verlierer im Kopfballduell gegen Igor Matanovic, verteidigte zentral, die Außenverteidiger Moritz Heyer und Miro Muheim wurden zum rechten und linken Innenverteidiger.

"Wussten: Wenn wir die Kontrolle verlieren, wird es hier schwierig"

Walters Erklärung: "Wir haben versucht, mit Dreien zu verteidigen, um die Kontrolle zu behalten. Weil wir wussten, wenn wir die Kontrolle verlieren, wird es hier schwierig." Innenverteidiger Jonas David hat sich zwar im Anschluss an die Dezimierung kurz warmgemacht, kam aber nicht. Die Idee, keine Offensivkraft zu opfern, um St. Pauli auch in Unterzahl mit einem Plus an Ballbesitz zu beherrschen, ging bis zur Pause tatsächlich auf, danach wurde der Druck größer.

Weil St. Pauli umstellte und die Außenverteidiger vorschob, der HSV aber bei seiner Dreierkette blieb. "Wir haben auch mit zehn Mann unser Spiel durchgezogen", sagt Walter. Eine Aussage, die nur auf die Phase bis zum Halbzeitpfiff zutrifft. Hätte er also umstellen und auf einen zusätzlichen Verteidiger setzen müssen?

Die Lücken wurden zu groß - "Haben bis zuletzt versucht, Fußball zu spielen"

Walter verteidigt seine Herangehensweise auch mit Blick auf den Dammbruch nach dem ersten Gegentreffer durch Eric Smith nach 61 Minuten. "Dass wir das Tor dann nach einem Eckball per Kopf bekommen, ist natürlich extrem ärgerlich." Weil ein Standard eben auch in Unterzahl zu verteidigen ist, das erste Tor also nicht fiel, weil der numerisch dezimierte HSV ausgespielt wurde.

Dennoch war auffällig, dass die Lücken größer und häufiger wurden, dass die Wege für Bakery Jatta und Ransford Königsdörffer auf den Flügeln zu weit wurden und sie jeglicher Offensivkraft beraubten. Walter sagt: "Meine Jungs haben bis zuletzt versucht, unseren Fußball zu spielen und ein Tor zu erzielen." In erster Linie Tore zu verhindern - St. Pauli etwa hatte zu Beginn auf das Stilmittel Fünferkette gesetzt - war nicht vorgesehen.

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Sebastian Wolff

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