2. Bundesliga

Walter kämpft gegen den Schlendrian

HSV: Gnadenlose Direktheit als Stilmittel

Walter kämpft gegen den Schlendrian

HSV-Coach Tim Walter ist ein Mann klarer Worte.

HSV-Coach Tim Walter ist ein Mann klarer Worte. imago images/Christian Schroedter

Tim Walter ist nicht grundsätzlich bekannt dafür, dass Dinge ungewollt oder unbedacht aus ihm herausplatzen. Hamburgs Trainer hat sehr genaue Vorstellungen davon, was er will. Und auch einen konkreten Fahrplan, wie er ans Ziel zu kommen gedenkt. Seine harsche Kritik nach dem unnötig knappen 2:1-Pokalsieg in Braunschweig ist deshalb als klarer Fingerzeig an seine Profis zu verstehen: Nachlässigkeiten sind verboten.

Auf der Pressekonferenz im Inneren des Eintracht-Stadions hatte der 45-Jährige am Sonntagabend etwas mildere Worte gewählt als unmittelbar zuvor am Sky-Mikrofon („So ein Tor wie wir es kassiert haben, ist eine Frechheit, wenn ein Einwurf über mich geworfen wird und ich nicht in Position komme, habe ich meinen Beruf verfehlt“), die Botschaft aber bleibt unverändert. "Wir hatten nach unserer 1:0-Führung nicht die Bereitschaft, das Optimum herauszuholen. Aber wir müssen diese Bereitschaft über 90 Minuten haben."

Auch Walter hat im dritten Pflichtspiel ein Phänomen bemerkt, an dem der HSV seit Jahren mit verschiedensten Kadern krankt und an dem etliche Trainer gescheitert sind. Naturgemäß konnte er noch nicht in wenigen Wochen beheben, was seinen Vorgängern über Jahre nicht gelungen ist. Das Ansinnen, Einzelne aus der Komfortzone zu holen aber ist offensichtlich. Und die Direktheit, mit der er die Probleme in Braunschweig ansprach, ist sein Mittel.

Walter gibt sich überzeugt, ans Ziel zu kommen. An die Spieler, verrät er, habe er diese deutlichen Worte bereits in der Halbzeitpause gerichtet und findet: "Die Reaktion danach war gut." Der frühere Münchner Nachwuchstrainer sagt: "Je länger wir zusammen sind, desto mehr entwickelt die Mannschaft Mentalität. Wenn wir die absolute Bereitschaft über 90 Minuten haben, ist es schwer gegen uns zu spielen." Wenn diese fehlt, ist der HSV selbst gegen einen insgesamt eher biederen Drittligisten verwundbar. Im Ligaalltag sowieso. Das ist ablesbar an den Saisonverläufen der zurückliegenden drei Jahre.

Sebastian Wolff

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