2. Bundesliga

HSV-Coach Tim Walter: "Es schlummert so viel Energie in uns"

HSV geht ohne Kampfansage, aber mit viel Vertrauen ins Derby

Walter: "Es schlummert so viel Energie in uns"

Tim Walter jubelte zuletzt in Köln - freut sich der HSV-Coach auch nach dem Derby?

Tim Walter jubelte zuletzt in Köln - freut sich der HSV-Coach auch nach dem Derby? imago images/Norbert Schmidt

Frank Rost hatte 2010 als damaliger Keeper des HSV nach einem 1:1 im Bundesliga-Derby beim FC St. Pauli moniert, "dass wir uns mit Wattebäuschen beworfen haben" und damit zum Ausdruck bringen wollen, dass ihm bereits im Vorfeld zu wenig Emotionen ins Stadt-Duell gebracht worden waren. Die Hoffnungen auf ein Säbelrasseln erfüllte am Donnerstag auch Tim Walter nicht. Der HSV-Coach stellt die Entwicklung seines Teams in den Vordergrund. Und in Aussicht, dass sie gegen den Nachbarn auch sichtbar wird.

2:3 hatte der HSV das Hinspiel verloren - Lehren, sagt Walter, könne daraus keiner mehr ziehen. "Denn wir haben uns seitdem entwickelt und sind viel weiter." Der Pokalsieg in Köln soll ein Meilenstein auf dem Entwicklungstrip seiner verjüngten Mannschaft sein. "Wir haben gegen die Bundesliga-Mannschaft mit den intensivsten Läufen mithalten können, von der Bereitschaft und dem Willen her haben meine Jungs alles in sich."

Natürlich sind wir danach ein bisschen kaputt, aber es gilt etwas anderes in den Vordergrund zu stellen, nämlich das Erlebnis, das wir vor uns haben.

Tim Walter

Der 46-Jährige will keine Gedanken verschwenden an die jüngste Derby-Historie mit nunmehr fünf sieglosen Spielen (ein Remis, vier Niederlagen) und auch nicht an die intensiven Auswärtspartien über 90 Minuten in Dresden und 120 Minuten in Müngersdorf. "Natürlich sind wir danach ein bisschen kaputt, aber es gilt etwas anderes in den Vordergrund zu stellen, nämlich das Erlebnis, das wir vor uns haben. Wir freuen uns einfach nur auf den Freitag, weil wir so heiß sind, es schlummert so viel Energie in uns." Und deshalb tangiert ihn, zumindest nach außen hin, auch nicht, dass St. Pauli nicht nur als Stadtmeister firmiert, sondern auch in der Tabelle vorn ist: "Wir versuchen unseren Weg durchzugehen, bleiben nur bei uns und glauben an uns. Das ist das Entscheidende."

Walter misst der Statistik keine Bedeutung bei

Dass Timo Schultz ihn, seine Art von Fußball und die allgemeine Entwicklung des HSV am Donnerstagmorgen ausdrücklich gelobt hat, nimmt Walter mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. "Dafür kann ich nur vielen Dank sagen und die Komplimente zurück geben. St. Pauli steht nicht zu Unrecht oben, weil sie vieles sehr gut machen." Nach den von Rost zitierten Wattebäuschen freilich greift Walter nicht. "Für den Freitag ist das alles nicht entscheidend." Das ist zwar keine Kampfansage, aber immerhin ein dezenter Hinweis, dass er weder aus den jüngsten Derby-Ergebnissen noch aus der Tabellenkonstellation einen Vorteil für den Nachbarn ableitet. "Aus der Historie ist der HSV der große Verein, die letzten Derbys gingen an St. Pauli - aber was in der Vergangenheit war, ist nichts wert …" 

Sebastian Wolff