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Wagner: "Sonst muss ich noch selbst mitspielen"

Unterhaching rätselt über Verletztenquote

Wagner: "Sonst muss ich noch selbst mitspielen"

Sieht in den personellen Ausfällen auch Chancen für andere Spieler: Trainer Sandro Wagner.

Sieht in den personellen Ausfällen auch Chancen für andere Spieler: Trainer Sandro Wagner. IMAGO/foto2press

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Auf zwischenzeitlich zehn Spieler ist die Verletztenliste der SpVgg Unterhaching angewachsen. Darauf stehen Namen von routinierten Spielern wie zum Beispiel der von Kapitän Josef Welzmüller, der beim Heimspiel am Freitag gegen Ansbach (3:1) wegen einer muskulären Verletzung im Oberschenkel bereits nach sieben Minuten das Feld verlassen müssen. Welzmüller erweitert das Hachinger Lazarett rund um die Langzeitverletzten Dominik Stahl Stephan Hain und auch Manuel Stiefler, der sich am Montag im Spiel bei Türkgücü München (3:0) am Kopf verletzt hatte und von Sanitätern abtransportiert wurde. Eine Diagnose steht hier noch aus. Die Verletzungsmisere hinterlässt derzeit Ratlosigkeit bei den Hachinger Verantwortlichen. "Es ist echt krass, was aktuell los ist bei uns", meint SpVgg-Cheftrainer Sandro Wagner.

Der ehemalige deutsche Nationalspieler (5 Tore in 8 Partien) sucht sich in Sachen Belastungssteuerung Rat bei seinem langjährigen FC-Bayern-München-II- Trainer Hermann Gerland. "Er sagt immer: Erst belasten und dann steuern. Irgendwie fällt mir aber die Steuerung weg", erzählt Wagner von seinem Dialog mit Trainer-Urgestein Gerland. In Zusammenarbeit mit der medizinischen Abteilung der SpVgg habe man im Hachinger Trainerstab bei den vielen Verletzten noch kein eindeutiges Muster erkannt.

"Wir hinterfragen uns alle"

Hinsichtlich der Ursachenforschung für die Problematik sei man laut Wagner auch deshalb nicht entscheidend weitergekommen. "Wir hinterfragen uns alle. Wir fahren eine hohe Taktung und wollen die Spieler auf Dauer fit bekommen. Der ein oder andere hat noch Anpassungsprobleme bei diesem Tempo im Training und im Spiel. Das ist ärgerlich", meint Wagner.

Dem 34-Jährigen zufolge hätten diejenigen Spieler in seinem Kader mit den hohen Trainingsintensitäten und -umfängen am meisten zu kämpfen, die in der jüngsten Vergangenheit aufgrund von Verletzungspausen nicht viel Fußball spielen konnten. "Das sind nun die Nachwehen der letzten zwei bis drei Jahre. Es tut weh, aber das ist wieder eine Chance für die anderen, die reingekommen sind", sagt Wagner.

Einer davon ist Niclas Anspach. Dem 22-jährigen Offensivspieler gelangen in den vergangenen beiden Partien drei Tore. Das Hachinger Eigengewächs legte zuletzt ein erstaunliches Comeback nach einer vorausgegangenen Verletzungspause von über einem Jahr hin. Anspach, der 2020 lediglich einmal ein halbes Jahr an den damaligen Hachinger Kooperationspartner TSV 1860 Rosenheim ausgeliehen wurde, spielt seit 2016 im Unterhachinger Sportpark. Er gehörte schon zu Drittligazeiten zu den Stammkräften, bevor er sich im August 2021 einen Kreuzbandriss zuzog. Eine Schambeinverletzung verzögerte sein Comeback dann noch einmal. "Ich ziehe den Hut vor ihm, wie er zurückgekommen ist", meint Wagner über seinen Schützling.

Angesichts der Hachinger Verletzungsmisere kommt die Rückkehr des siebenfachen Drittliga-Torschützen gerade recht. Anspach unterstützt dabei kräftig, die in den jüngsten Spielen leicht sinkende Effektivität bei der Chancenverwertung rund um die beiden Toptorjäger Mathias Fetsch (6 Treffer) und Patrick Hobsch (7) wieder etwas aufzupolieren. "Er hilft uns ungemein dabei, aus dem Mittelfeld mehr Torgefahr zu erzeugen. Ich hätte ihn schon gerne viel früher zurückgehabt", meint Wagner.

Viel Profierfahrung

Insgesamt besitzen die Hachinger allerdings immer noch einen Kader, der dem Anspruch eines Favoriten gerecht wird. Gegen Ansbach stand zuletzt ein Dutzend an Spielern im Kader, das in den ersten drei Ligen Profierfahrungen gesammelt hat. Allerdings werden durch die Verletzungen die Optionen für Wagner weniger. Insbesondere in Spielen gegen die direkte Konkurrenz im Meisterschaftsrennen könnte dies ausschlaggebend sein.

Sollte das Verletzungsproblem dennoch weiterhin anhalten und sich weitere personelle Engpässe auftun, hat Wagner auch schon einen ganz speziellen Notfallplan parat. "Wir versuchen es abzustellen. Ansonsten muss ich doch irgendwann noch selbst mitspielen", scherzt der ehemalige Bundesligastürmer (44 Tore in 180 Partien) mit einem Augenzwinkern.

Robert M. Frank

Die Trainer in der Regionalliga Bayern