Motorsport

VW ID. Buzz: Der Elektro-Bulli kommt im Herbst

Personen- und Cargo-Variante - Siebensitzer geplant - Vorverkauf ab Mai

VW ID. Buzz: Der Elektro-Bulli kommt im Herbst

Volkswagen ID. Buzz: Elektrischer Familienfreund.

Volkswagen ID. Buzz: Elektrischer Familienfreund. VWN

Schon schlau, diese Schachzüge: Mit dem Dieselskandal hat sich Volkswagen anno 2015 in die Rolle des Schmuddelkinds unter den Automobilherstellern manövriert. Um das beschädigte Image wieder reinzuwaschen, verordnete Konzernchef Herbert Diess frühzeitiger und entschiedener als andere die Zeitenwende hin zur Elektromobilität. Die gibt jetzt - Imagepolitur nächster Schritt - einem der wichtigsten Sympathieträger des Hauses die Gelegenheit zur Wiederkehr. Unübersehbar zitiert der vollelektrische ID.Buzz den kultigen Bulli, und auch wenn dessen ikonisches Design einer Futurisierung unterzogen wurde, sieht das Ergebnis doch viel mehr nach T1 als nach T6.1 beziehungsweise Multivan T7 aus - großes Markenlogo, V-förmige Haube, optionale Zweifarblackierung.

T1 als Vorbild

VW T1

Das Vorbild: Gut erhaltene Exemplare des T1-Bulli werden heute zu Höchstpreisen gehandelt. VWN

Es ist aber nicht nur sein Retro-Charme, der den in den 1950er und 1960er-Jahren gebauten T1 als Vorbild für einen elektrischen Nachfolger qualifiziert hat. Dass der VW-Bus über Generationen hinweg zum Kultobjekt geworden ist, lag schließlich auch an seinem unschlagbar praktischen Konzept. Das greift der Buzz auf: "Beim T1 sitze ich quasi auf der Vorderachse - kein vorderer Überhang", sagt Designchef Jozef Kaban. "Bei aller Sicherheitsrelevanz und Technik hat auch der ID.Buzz super kurze Überhänge". Dies, die klaren Formen und der lange Radstand bieten buchstäblich raumgreifende Vorteile, zudem erleichtern die typischen Schiebetüren den Zustieg.

Mit 4,71 Metern Länge ist der Buzz knapp 20 Zentimeter kürzer als der T6.1. Die als Personentransporteur gedachte Bus-Variante nimmt im loungeartigen Innenraum fünf Personen auf, später soll ein Siebensitzer mit langem Radstand folgen. Ins Gepäckabteil passen 1121 Liter, durch Umklappen der - im Übrigen um 15 Zentimeter längs verschiebbaren - zweiten Sitzreihe lässt sich das auf bis zu 2205 Liter erweitern. Die Cargo-Version wiederum bietet nur in erster Reihe zwei oder drei Sitzplätze, die durch eine feste Trennwand vom 3,9 Quadratmeter großen Frachtraum abgetrennt werden, der wiederum zwei Europaletten mit Ladung aufnehmen kann. Allerdings ist das zulässige Gesamtgewicht von drei Tonnen zu beachten, was bedeutet, dass nur verhältnismäßig bescheidene 650 Kilogramm zugeladen werden dürfen.

VW ID. Buzz

Innenleben: So sieht es im Cockpit des neuen Großraum-Stromers aus. VWN

Auch wenn der in Hannover gebaute ID.Buzz unter dem Dach von Volkswagens Nutzfahrzeugsparte firmiert, stammt seine technische Basis doch aus dem Pkw-Bereich. Den Modularen Elektro-Baukasten (MEB) nutzen bereits bekannte Konzernstromer wie VW ID.3 und ID.4, Skoda Enyaq, Cupra Born oder Audi Q4 e-tron. Auch das sachliche Cockpitlayout mit verhältnismäßig kleinem Fahrerdisplay und bis zu zwölf Zoll großem Infotainment-Touchscreen kennt man so ähnlich von den genannten Modellen, der Automatik-Wahlhebel wurde allerdings als Lenkstockhebel umgesetzt, und das komplette Interieur zeigt sich vegan und somit lederfrei, zudem werden vielerorts Recyclate verarbeitet.

Antrieb auf die Hinterachse

In Europa kommen ID. Buzz und ID. Buzz Cargo mit einer 77 kWh-Batterie auf den Markt, den Antrieb übernimmt ein 150 kW/204 PS starker Elektromotor, der die Hinterachse antreibt. Über die Reichweite macht VW bislang noch keine Angaben, 400 bis 450 Kilometer dürften aber realistisch sein.

Wechselstrom aus Wallboxen und öffentlichen Ladepunkten zieht der neue Stromer mit den üblichen 11 kW, die Gleichstrom-Schnellladesäule wird mit bis zu 170 kW angezapft. In einer halben Stunde, so heißt es, sei die Batterie so von fünf auf 80 Prozent geladen. Interessant sind zwei Funktionen: Zum einen "Plug & Charge", was bei Tesla-Fahrern schon lange zum Alltag gehört - an der Ladesäule braucht es weder eine App noch eine RFID-Karte, das Fahrzeug identifiziert sich einfach über den Ladestecker. Zum anderen beherrscht der Buzz das bidirektionale Laden, kann Strom also nicht nur beziehen, sondern auch abgeben, ans Hausnetz beispielsweise oder an elektrische Verbraucher wie E-Bikes und sogar andere E-Autos.

VW ID. Buzz Cargo

Für Gewerbekunden: Die "Cargo"-Variante des Buzz. VWN

Zu den Infotainment- und Konnektivitätskompetenzen gehören Over-the-Air-Updates sowie zahlreiche Online-Dienste, das Arsenal der Fahrassistenten umfasst eine Memory-Funktion für automatisiertes Einparken auf einer vorher abgespeicherten Strecke sowie den "Travel Assist mit Schwarmdaten", er macht teilautomatisiertes Fahren über den gesamten Geschwindigkeitsbereich und einen assistierten Spurwechsel auf der Autobahn möglich. Apropos automatisiert: Ab 2025 soll der ID. Buzz als autonomer Shuttle im Rahmen des Mobilitätsdienstes MOIA eingesetzt werden.

Was der elektrische Bulli kosten wird, ist noch nicht bekannt, als wahrscheinlich wird ein Einstiegspreis um die 60.000 Euro gehandelt, von dem dann noch der reduzierte Umweltbonus (knapp 8000 Euro brutto) abgezogen werden kann.

Verstromte Großformate

Die Großformate unter den Autos stellen zunehmend auf Elektro um. Vom VW T6.1 hat Tuner Abt eine elektrische Variante entwickelt, auch die Mercedes V-Klasse steht, in Gestalt des EQV, mit E-Antrieb bereit. Und die Raum-Riesen aus dem Stellantis-Konzern gibt es nur noch elektrisch - den Opel Zafira Life ebenso wie seine französischen Schwestermodelle Citroën Spacetourer und Peugeot Traveller. Auch das japanische Pendant Toyota Proace Verso fährt auf Wunsch mit Strom. Was hinsichtlich Größe und Gewicht dieser Fahrzeuge zunächst wenig sinnstiftend scheint, ist für die Hersteller jedoch nahezu unumgänglich. "Es geht um den CO2-Flottengrenzwert", sagt Opels Deutschland-Chef Andreas Marx.

Elektrische Nostalgiker

Retro-Design ist bei Zafira & Co. indes nicht angesagt. Andernorts dienen klassich-ikonische Vorbilder aber als buchstäbliche Vehikel der Elektromobilität: Fiat praktiziert das Verfahren sehr erfolgreich mit dem 500E, und bei Renault werden R5 und R4 eine elektrische Wiedergeburt feiern.

Ulla Ellmer

VW ID. Buzz: Elektro-Bulli in zwei Varianten