Motorsport

VW California Grand: Unterwegs im großen Bulli

Wohnmobil auf Crafter-Basis - Legales "Wildcampen" - Zweiliter-Turbodiesel mit 177 PS

VW California Grand: Unterwegs im großen Bulli

Großer Bruder: Während der kleinere California auf dem VW-"Bus" (T6.1) basiert, baut der California Grand auf dem Crafter auf.

Großer Bruder: Während der kleinere California auf dem VW-"Bus" (T6.1) basiert, baut der California Grand auf dem Crafter auf. ire

Unabhängigkeit ist das Schlagwort, das wir gleich am ersten Tag nach längerer Anfahrt nahe Aurich in Ostfriesland ausprobieren wollen. Verlockend klingt das Angebot für eine Nacht in Alleinlage an einem kleinen See: "Legales Wild-campen" ist dort angesagt. An der Tür des renovierten Bauernhofes begrüßt uns Vanessa, vor Ort unsere überaus nette und hilfsbereite Ansprechpartnerin und eine der Gastgeberinnen im Rahmen der Aktion "Califonia Dreaming im Hinterland". Sogleich führt sie uns zu einem idyllischen Platz direkt am Wasser auf ihrem privaten Grundstück, hat Brennholz fürs Lagerfeuer in einer Feuerschale bereitgelegt und ein paar Korbsessel fürs Ausspannen ans Ufer gestellt. Ein paar gute Tipps für uns Camper-Neulinge hat sie auch. In der Dämmerung bei einem Gläschen Wein beobachten wir später die Natur. Springende Karpfen im See, Störche auf der moorigen Wiese, ein Fuchs pirscht über die nahe Waldlichtung, Vogelschwärme über den Feldern und die untergehende Sonne mit außergewöhnlichem Abendrot.

Weitgehend autark

Mit dem Wohnmobil sind wir zwar weitgehend autark, haben unter anderem Strom aus der separaten Batterie, Heizung und Warmwasser (auch mit Gas zu betreiben), Küchenzeile, 70-Liter Kühl-/Gefrier-Kombination, einen großen Wassertank, sogar Nasszelle mit Dusche und Toilette an Bord. Aber froh sind wir am nächsten Morgen dennoch, dass wir mit Vanessas Gartenschlauch den Frischwassertank auffüllen können. Nur zwanzig Euro für den Stellplatz fallen an. Die für VW-Camper exklusive Aktion für deutschlandweit zehn einmalige Stellplätze in Alleinlage läuft noch bis November - fernab von überfüllten Campingplätzen. Für uns heißt es aber, wieder Abschied zu nehmen und unsere Tour an die Nordsee fortzusetzen.

VW Grand California

Kein Gelsenkirchener Barock: Das Interieur ist in modernem Weiß ausgestaltet. VWN

Innen ist unser WoMo kein bisschen spießig, moderne weiße Oberflächen dominieren. Im gut ausgestatteten California Grand 600 (die Zahl steht für die Außenlänge in Zentimetern) vermissen wir eigentlich nur wenig. Gut, am sogenannten Arbeitstisch vor den beiden schmalen Sitzen in der zweiten Reihe fühlen sich Erwachsene schon etwas beengt, aber die (serienmäßig) drehbaren Vordersitze können den Nachteil ausgleichen, wenn man nur zu zweit unterwegs ist. Bei schönem Wetter genießen wir sowieso die in der Hecktür sicher verstauten, klappbaren Campingstühle mit dem stabilen Tisch (Aufpreis: 530 Euro). Sie lassen sich im Handumdrehen draußen aufbauen, wenn gewünscht, unter der ausfahrbaren Markise (Aufpreis: 1083 Euro).

Hochbett als Option

Einen Tipp hätten wir allerdings für die etwas älteren unter den Wohnmobilisten: Im 600er liegt man quer zur Fahrtrichtung und so muss der eine nachts schon mal auf dem Weg zur Toilette über den anderen krabbeln. Das ist in dem um 80 Zentimeter längeren California 680 besser gelöst, hier wird längs geschlafen. Nebenbei gibt es auch einen Schrank zum Aufhängen von Kleidung. Optional (3046 Euro) im 600er: Hochbett vorn und Panoramadach.

Grand California

Praktische Lösung: Das Campingmobiliar ist platzsparend in der Heckklappe verstaut. VWN

Flott geht es über Landstraßen und Autobahnen weiter. Am Steuer des "Grand 600" gibt es keine Herausforderungen, nicht zuletzt ist im Fahrerhaus alles sehr übersichtlich angeordnet und die Achtgangautomatik macht ihre Sache bestens. Der zentrale Touchscreen steuert auch die wichtigsten Campingfunktionen. Fahrverhalten und Windgeräusche rangieren auf dem Niveau von Pkws, und unter der Motorhaube arbeitet ein kräftiger Zweiliter-Turbodiesel mit 130 kW/177 PS und durchzugsstarken 410 Newtonmetern Drehmoment. Mit dem TDI lässt sich der VW California 600 sogar recht sparsam bewegen, auf Landstraßen werden nur rund sieben Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer fällig, auf der Autobahn, zurückhaltend mit überwiegend 110 bis 120 km/h im dichten Verkehr mitgeschwommen, sind es etwas mehr als acht Liter. Die Norm nennt 8,3 l/100 km, 218 g/km sowie die Einstufung nach Euro 6d. Wenn es sein muss, läuft der 3,5-Tonner in der Spitze rund 160 km/h, dann freilich mit Kraftstoffaufschlag.

Ab 61.856 Euro

Wenn wir schon bei den Kosten sind: Der Grand California 600 kostet 61.856 Euro (inkl. MwSt.), der 680er rund 2.300 Euro mehr. Lobenswert ist zweifellos die große, von den Hannoveranern angebotene Anzahl an Assistenzsystemen, aber viele sind aufpreispflichtig. Ein gewiss nützliches Extra ist beispielsweise der Fahrradträger, für den VWN rund 600 Euro berechnet. Wem Komfort wichtig ist, gönnt sich vielleicht die Dach-Klimaanlage für 2391 Euro oder die SAT-Anlage für 2713 Euro. Umweltbewusste können auf die Solaranlage oben an der Front setzen, sie kostet 1958 Euro.

Ingo Reuss

VW Grand California: Der Crafter wird zum WoMo