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NFL 2020: Vorschau NFC North: Packers, Vikings, Bears, Lions

NFL 2020: Wird es Rodgers' letztes Jahr in Green Bay?

Vorschau NFC North: Packers, Vikings, Bears, Lions

Showdowns in der NFC North: Mitchell Trubisky und Aaron Rodgers werden sich in der kommenden NFL-Saison wiedersehen.

Showdowns in der NFC North: Mitchell Trubisky und Aaron Rodgers werden sich in der kommenden NFL-Saison wiedersehen. imago images

Green Bay Packers (Vorjahresbilanz 13:3)

Überraschend war es allemal, dass die Käsestädter aus Green Bay in der abgelaufenen Regular Season am Ende mit einer 13:3-Siegesbilanz und damit als NFC-North-Champion einliefen - und am Ende sogar den Super Bowl im Visier hatten. Spätestens die klare Niederlage im NFC-Finale in San Francisco offenbarte dann allerdings knallhart die Schwächen, die die Packers auch während der Saison immer mal wieder angedeutet hatten: eine extrem schwache Laufverteidigung plus ein dünnes Wide-Receiver-Corps. Dazu gesellt sich in der kommenden Spielzeit auch noch ein Fragezeichen an der rechten Seite der Offensive Line, wo Aushängeschild Bryan Bulaga zu den Los Angeles Chargers abgedampft ist und eine nur schwer zu schließende Lücke hinterlassen hat.

Aaron Rodgers sucht Anspielstation Davante Adams.

Aaron Rodgers wird sich 2020 bei Pässen vor allem wieder auf Star-Receiver Davante Adams verlassen müssen. imago images

Doch nicht nur das: Weil im Draft entgegen vieler Expertenerwartungen - und auch der von Star-Quarterback Aaron Rodgers - kein neuer Top-Passempfänger an Land gezogen wurde und Neuzugang Devin Funchess (ehemals Panthers, Colts) wegen der Corona-Krise freiwillig auf die Saison verzichtet, sieht es hier weiterhin dünn aus. Abermals muss Davante Adams als einziger Star seine Klasse zeigen und möglichst verletzungsfrei bleiben, darüber hinaus werden große Leistungsexplosionen von Marquez Valdes-Scantling (schwaches 2020), dem Deutsch-Amerikaner Equanimeous St. Brown (verletzt ausgefallen 2020) oder Allen Lazard (einige gute Momente 2020) erhofft.

Außerdem soll Running Back Aaron Jones zusammen mit seinen Unterstützern Jamaal Williams sowie Rookie AJ Dillon erneut seine Klasse unter Beweis stellen, Abwehrreihen überrennen - und apropos: Der Pass Rush soll weiterhin brachial Eindruck machen mit Top-Athleten wie dem neuerdings bestens bezahlten Defensive Tackle Kenny Clark sowie den starken "Super Smith brothers" Za'Darius und Preston als Outside Linebacker.

Dann könnte es im zweiten Jahr unter dem jungen Head Coach Matt LaFleur (40) wieder etwas mit den Play-offs werden. Ob es eventuell auch das letzte Packers-Jahr von "Gunslinger" Aaron Rodgers wird, muss man sehen - begeistert war der 36-Jährige von der Draft-Verpflichtung Jordan Love (21) als langfristigem Nachfolger seiner selbst bekanntlich nicht. Nach dem Play-off-Aus 2019/20 sagte "A-Rod" aber auch: "Das Titelfenster ist für uns weiter offen. Und ich denke, wir werden als Team bald auf der richtigen Seite des Fensters stehen."

Minnesota Vikings (Vorjahresbilanz 10:6)

Im Jahr 2018 haben sich die Minnesota Vikings für teuer Geld die Dienste von Spielmacher Kirk Cousins (ehemals Washington) gesichert - und sich einen Angriff auf den Super Bowl versprochen. Doch weder im ersten (Play-offs verpasst) noch im letzten Jahr (Aus in den Divisional Play-offs in San Francisco) hat es bislang mit dem großen Wurf geklappt - trotz bester Veranlagungen, einem starken Kader um Head Coach Mike Zimmer und teils großer Auftritte. Was den Vikes dabei stets bitter zu stehen kam: Unbeständigkeit.

Auch Quarterback Cousins musste hier oft mit Kritik leben, trotz einer weitaus besseren letzten im Vergleich zu seiner ersten Saison. Vielleicht startet der 32-Jährige aber dieses Mal direkt von Anfang an mit seiner Truppe stark durch - besonders auch wegen der Coronavirus-Pandemie, die zunächst leere bis kaum gefüllte Stadion nach sich ziehen wird. Der Spielmacher kann sich den American Football schließlich sehr gut "ohne Glanz und Gloria", ohne die große Show, vorstellen.

Dalvin Cook (links) und Quarterback Kirk Cousins sollen die Vikings zum Erfolg führen.

Ein Gespann, das die Minnesota Vikings weit bringen soll: Running Back Dalvin Cook und Quarterback Kirk Cousins. imago images

Allerdings wirkt der Roster auf den ersten Blick nicht mehr ganz so stark wie in den letzten beiden Jahren. Verstärkt junge Athleten müssen nun in Rollen hineinwachsen, die Größen wie Wide Receiver Stefon Diggs (Bills), Edge Rusher Everson Griffen (Cowboys), Safety Andrew Sendejo (Browns) oder Cornerback Xavier Rhodes (Colts) hinterlassen.

Dennoch sind noch Waffen vorhanden, allen voran Running Back Dalvin Cook, der bei voller Fitness alles in Grund und Boden laufen kann - darüber hinaus aber auch die beiden erfahrenen Linebacker Anthony Barr und Eric Kendricks sowie Safety Harrison Smith. Außerdem versteht sich Spielmacher Cousins bestens mit Passempfänger Adam Thielen sowie mit Tight End Kyle Rudolph. Trainer Zimmer ist in jedem Fall nicht angst und bange, er freut sich über das frische, junge Blut im Team - wie er gegenüber "Minneapolis Star-Tribune" zugegeben hat: "Die NFL ist ein Spiel der jungen Männer. Das motiviert uns Trainer außerdem, wenn wir so viele Freshmen auf das Spiel vorbereiten sollen."

Chicago Bears (Vorjahresbilanz 8:8)

Großer Erfolg bei Football-Teams geht im Grunde vor allem über starke Quarterbacks - und hier haben die Bears laut Kritikern seit vielen Jahren ein Problem. Allen voran Ex-Spielmacher Jay Cutler und Nachfolger Mitchell Trubisky (seit 2017 im Team) brachten nie das, was sich die Bosse gemeinhin von ihnen versprochen hatten - Trubisky hat immerhin noch das Vertrauen. Schwer vorstellbar allerdings, dass der bei Ruhe solide wie sicher werfende Spielmacher all seine Schwächen in ein paar Monaten abgestellt hat. Er hat schlicht Probleme, das gesamte Feld zu überblicken, klare Freiräume unter Druck zu erkennen - und nicht einfach nur vor Sacks davonzulaufen, sondern gegnerische Blitz Packages auch in gefährliche Offensivaktionen umzuwandeln. 29 Interceptions, 13 Fumbles und 93 kassiertes Sacks in drei NFL-Jahren sprechen hier eine deutliche Spache. Demgegenüber stehen immerhin 8554 verbuchte Yards sowie 48 Touchdown-Pässe.

Mitchell Trubisky ist Quarterback bei den Chicago Bears.

Blüht er unter Druck von Neuzugang Nick Foles auf - oder muss er sein Amt 2020 abtreten? Mitchell Trubisky muss liefern. imago images

Klar ist aber auch: Sollte Trubisky früh in der neuen Spielzeit straucheln, dürfte schnell auf einen bestens bekannten Neuzugang umgeschwenkt werden - Nick Foles. Der Super-Bowl-Sieger von 2018 ist nach seiner samt Verletzung unglücklich verlaufenen Station bei den Jaguars in den amerikanischen Norden gekommen. Manch ein Fan aus der "Windy City" würde sich vielleicht sogar direkt einen Tausch hin zum in Philadelphia noch immer gefeierten Mann wünschen.

Doch nicht nur Trubisky allein macht Sorgen, auch die gesamte Offense - in der es oftmals beim Pass nur über Allen Robinson ging (98 Catches, 1147 Yards, sieben Touchdowns). Und auch 2020 wird der Wide Receiver womöglich stets die erste Wahl sein, was es für Abwehrreihen natürlich vorhersehbar macht.

Immerhin hat sich Chicago auf der Position des Tight Ends namhaft verstärkt. Ob allerdings der in den letzten Jahren nicht immer zuverlässige Jimmy Graham im hohen Alter von 33 Jahren noch einmal wie in alten Tagen vor allem nah der Endzone explodieren kann, bleibt abzuwarten. Graham selbst geht immerhin selbstbewusst voran: "Ich habe viel zu beweisen." Und auch die gewohnt besondere Bears-Rivalität zu seinem vormaligen Aufenthaltsort Green Bay hat der Routinier schon verinnerlicht: "Nichts gegen die Packers, ich hatte eine starke Saison inklusive der Play-offs zuletzt mit ihnen. Aber mit diesem Team ist alles anders, sie kümmern sich nur um den Super Bowl. Diese Energie spürt man die ganze Zeit."

Und diese Energie soll auch erneut die vom früheren Colts-Trainer Chuck Pagano betreute Defense wieder aufleben lassen - schließlich sind Stars wie Defensive Tackle Akiem Hicks, Outside Linebacker Khalil Mack, Cornerback Kyle Fuller oder Safety Eddie Jackson 2019 hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben. Platz 26 in der NFL in Sachen Interceptions und Rang 27 in Sachen Sack Percentage sind klare Rückfälle nach Platz 1 und Rang 9 2018. Und dann muss der zu den Las Vegas Raiders abgewanderte Cornerback Prince Amukamara auch noch ersetzt werden.

Detroit Lions (Vorjahresbilanz 3:12:1)

Nur magere drei Siege und ein Unentschieden, dazu ganz zwölf Niederlagen: Die 2019er Bilanz der Lions klingt nach bekannten und allseits gewohnten Resultaten der Lions, die seit 2016 nun schon auf ein Play-off-Ticket warten. Doch Vorsicht, der Schein trügt! Denn Detroit war in der letzten Regular Season alles andere als Laufkundschaft, war in vielen Spielen sogar über längere Zeiträume das bessere Team - und hatte es oft nur verpasst, den so wichtigen Deckel draufzumachen. Außerdem brachen im Laufe der Spielzeit wichtige Säulen weg, allen voran Star-Quarterback Matthew Stafford, der bereits nach acht Partien eine 136-Regular-Season-Games-Serie beenden musste. Der Grund: Frakturen in der oberen Brustwirbelsäule.

Matt Patricia und Matthew Stafford sollen die Detroit Lions 2020/21 in die Play-offs führen.

Große Erwartungshaltung: Matt Patricia und Matthew Stafford sollen die Detroit Lions 2020/21 in die Play-offs führen. imago images

Sind alle fit, kann die Lions-Offense um Receiver wie Kenny Golladay, Marvin Jones, Speedster Marvin Hall sowie den hocherfahrenen Danny Amendola natürlich wieder überzeugen - auch weil Sophomore Tight End T.J. Hockenson über eine hohe Veranlagung verfügt, die er in seiner Rookie-Saison nur aufblitzen ließ. Im Umkehrschluss muss die Defense im dritten Head-Coach-Jahr von Matt Patricia nur endlich den nächsten Evolutionsschritt machen. Dabei soll Neuzugang und Ex-Patriot Jamie Collins (Linebacker) genauso helfen wie Defensive End Trey Flowers (gutes erstes Jahr in Detroit 2019), sowie die Cornerbacks Desmond Trufant (ehemals Falcons) und Jeff Okudah (dritter Pick im 2020er-Draft) - zumal auf dieser Position Leistungsträger Darius Slay (Eagles) weggefallen ist.

Alles in "Motor City" steht allerdings unter Hochspannung, schließlich wird die Ford-Familie bei ihren großen Investments der letzten Jahre so langsam ungeduldig - was auch damit zusammenhängt, dass Quarterback Stafford genauso wie General Manager Bob Quinn und Trainer Patricia mindestens bis 2022 noch unter Vertrag stehen. Die inzwischen 94-jährige Martha Firestone Ford, die ihr Erbe inzwischen zwar an ihre Nachfahren (vier Kinder, 14 Enkelkinder, zwei Urenkel), genauer gesagt an Tochter Sheila Ford Hamp abgetreten hat, allerdings immer noch viel zu sagen hat, meinte schließlich Ende 2019 vielsagend: "Wir erwarten, dass wir 2020 ein Play-off-Anwärter sind ... das haben wir sowohl Bob als auch Matt explizit mitgeteilt." Sonst droht aller Voraussicht nach ein Umbau, wie es ihn die Stadt Detroit selbst nach dem großen Einbruch der Autoindustrie in der Vergangenheit miterlebt hat.

mag