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NFL 2020: Vorschau AFC South: Texans, Titans, Colts, Jaguars

NFL 2020: Bringt Rivers Indianapolis zurück auf Kurs?

Vorschau AFC South: Texans, Titans, Colts, Jaguars

Deshaun Watson ist Quarterback bei den Houston Texans.

Muss sich womöglich wieder selbst um viel kümmern: Texans-Star Deshaun Watson. imago images

Houston Texans (Vorjahresbilanz 10:6)

Bill O'Brien hat per se schon nicht allzu viele Fans in NFL-Kreisen - und die vergangene Offseason war für seine Reputation nicht gerade förderlich. Als Head Coach und General Manager in Personalunion ist er quasi alleinverantwortlich für die Geschicke bei den Houston Texans und damit auch für den Abgang von DeAndre Hopkins: Mit seinem Star-Receiver hatte sich O'Brien überworfen. Die Folge: Einer der besten Passempfänger der NFL wurde für einen vergleichsweise niedrigen Preis nach Arizona getradet.

National Football League - Woche 1
Indianapolis Colts - Vereinsdaten
Indianapolis Colts

Gründungsdatum

23.01.1953

Vereinsfarben

Blau und weiß

Tennessee Titans - Vereinsdaten
Tennessee Titans

Gründungsdatum

01.01.1959

Vereinsfarben

blau, dunkelblau, silber, rot

Jacksonville Jaguars - Vereinsdaten
Jacksonville Jaguars

Gründungsdatum

30.11.1993

Vereinsfarben

Schwarz, dunkelgrün, gold

Houston Texans - Vereinsdaten
Houston Texans

Gründungsdatum

06.10.1999

Vereinsfarben

Dunkelblau, rot, weiß

Indianapolis Colts - Termine
Tennessee Titans - Termine
Jacksonville Jaguars - Termine
Houston Texans - Termine

Dass der Verlust von Hopkins eine große Schwächung für die Texans sein wird, steht außer Frage. Gemeinsam mit Quarterback Deshaun Watson, seit kurzem bestens bezahlt und langfristig gebunden, war er in der Vergangenheit quasi die gesamte Offense der Texans gewesen, das kongeniale Zusammenspiel der beiden Ausnahmeprofis hatte Houston im vergangenen Jahr bis in die Divisional Play-offs getragen. So ganz auf sich allein gestellt wird Watson trotz des herben Verlusts aber nicht sein: In Brandin Cooks (zuletzt LA Rams) und Randall Cobb (zuletzt Dallas) holte Houston gleich zwei profilierte Receiver, die die Hopkins-Lücke gemeinsam mit dem hoch veranlagten, aber auch häufig verletzten Will Fuller sowie Vorjahres-Neuzugang Kenny Stills schließen sollen. Zudem kam im Zuge des Hopkins-Trades in David Johnson ein Running Back, der auch für seine Receiving-Qualitäten bekannt ist. Die Offensive der Texans ist also auch ohne Hopkins immer noch stark bestückt.

Die Probleme lagen hingegen im vergangenen Jahr schon in der Defense. Superstar Justin James "J.J." Watt kann zwar auch mit 31 Jahren noch in jedem Spiel den Unterschied machen, doch seine Verletzungshistorie wirft Fragen auf. Drei der vergangenen vier Saisons konnte der Pass Rusher verletzungsbedingt nicht zu Ende spielen. Um ihn herum hat sich vergleichsweise wenig verändert, die wacklige Stamm-Defense des Vorjahres ist in wesentlichen Teilen zusammengeblieben. Watson wird also viel wieder selbst schultern müssen, um die Texans erneut in die Play-offs zu führen. Die Qualität dazu hat er fraglos. Aber leichter ist es ohne Hopkins sicher nicht geworden.

Tennessee Titans (Vorjahresbilanz 9:7)

Das Überraschungsteam des Vorjahres ritt nach dem Quarterback-Tausch von Marcus Mariota zu Ryan Tannehill Mitte 2019 auf einer Euphoriewelle von Sieg zu Sieg, schaltete in den Play-offs völlig unerwartet zuerst die Patriots und dann die Ravens aus und scheiterte erst im Conference Final am späteren Champion aus Kansas City. Heilsbringer Tannehill erhielt daraufhin einen langfristigen Vertrag und wird auch 2020 für die Titans auflaufen - genauso wie Running Back Derrick Henry, der mit seinen kaum zu stoppenden Läufen zur großen Attraktion der Play-offs wurde.

Running Back Derrick Henry und Quarterback Ryan Tannehill spielen weiterhin bei den Tennessee Titans zusammen.

Ein kongeniales Duo: Running Back Derrick Henry und Quarterback Ryan Tannehill spielen weiter für Tennessee. imago images

Allerdings müssen Tannehill und Henry in der kommenden Saison auf einen wichtigen Faktor für ihren letztjährigen Erfolg verzichten: Right Tackle Jack Conklin verließ das Team in Richtung Cleveland und hinterlässt eine Lücke, die wohl First-Round-Draftpick Isaiah Wilson stopfen soll. Hoffnung auf eine Wiederholung des offensiven Laufes macht außerdem Receiver AJ Brown, der vor allem gegen Ende seiner Rookie-Saison groß aufspielte und in seiner zweiten NFL-Saison sein Potenzial noch weiter entfalten könnte.

In der Defense hingegen müssen die Titans den Verlust der beiden D-Line-Routiniers Jurrell Casey (nach Denver) und Cameron Wake (Free Agent) verkraften. Kurz vor Saisonstart schloss das Franchise diese Baustelle mit der Verpflichtung von Defensive End Jadeveon Clowney (zuletzt Seattle) - ein Signing, das die Titans-Defense auf Anhieb deutlich stärker machen sollte. Damit die Titans ihren Lauf aus dem Vorjahr wiederholen, müsste dennoch schon sehr vieles richtig laufen. Alleine der Kampf um das Play-off-Ticket wird in einer ausgeglichenen Division kein leichter.

Indianapolis Colts (Vorjahresbilanz 7:9)

Von einem Tag auf den anderen war alles anders. Vor gut einem Jahr galt Indianapolis noch als heißer Super-Bowl-Anwärter - dann kam der große Paukenschlag: Das überraschende Karriereende von Quarterback Andrew Luck machte alle Ambitionen der Colts zunichte, am Ende waren mit Ersatzmann Jacoby Brissett nicht einmal die Play-offs in Reichweite. Nun soll anders werden, die Colts gehen in der kommenden Saison All-In - alles auf Philip Rivers.

Philip Rivers spielt ab der kommenden NFL-Saison 2020/21 für die Indianapolis Colts.

Ein neuer Colt für die Colts: Philip Rivers. imago images

Der mittlerweile 38 Jahre alte Spielmacher hat es trotz seiner unbestrittenen Qualität in 15 Jahren mit den Chargers nie in den Super Bowl geschafft. Nun hat er einen Einjahresvertrag bei den Colts unterschrieben und unternimmt seinen vielleicht letzten Anlauf auf den großen Wurf in Indianapolis. Sein letztes Jahr in Los Angeles war sicher nicht sein bestes, doch da litt Rivers auch unter einer schwachen O-Line. In Indianapolis dürfte er da nun quasi ins Quarterback-Paradies kommen: Die Colts haben eine der stärksten Lines der NFL um All-Pro-Guard Quenton Nelson und in Head Coach Frank Reich einen Trainer, der als Quarterback-Flüsterer gilt.

Auch in die Defense hat Indianapolis ordentlich investiert und sich per Trade die Dienste von DeForest Buckner (zuvor San Francisco) gesichert. Der D-Liner verstärkt die Colts auf einer Position, die zuvor als Schwäche der Defensive galt. Buckner wird nun gemeinsam mit Star-Linebacker Darius Leonard eine ansonsten recht durchschnittliche Defense tragen müssen. Fragezeichen stehen außerdem hinter dem Receiving Corps, wo hinter T.Y. Hilton hauptsächlich unerfahrene Spieler im Roster stehen. Für die Spitze könnte dieser Kader wohl ein wenig zu dünn besetzt sein. Wenn Rivers hinter der starken O-Line zu alter Stärke findet, sind die Play-offs jedoch drin.

Jacksonville Jaguars (Vorjahresbilanz 6:10)

Der bekannteste Schnurrbart der NFL ist noch nicht abrasiert, "Minshew Mania" darf weiterrollen. Die Jaguars legten sich früh fest: Gardner Minshew wird 2020 der Starting Quarterback sein. In der Vorsaison war der junge Spielmacher als Rookie quasi aus dem Nichts auf dem Radar erschienen und durch seine lässige Aura, seine kuriosen Outfits vor Spielen sowie einige spektakuläre Plays in kürzester Zeit Kult geworden. Ob der 24-Jährige langfristig den Signal Caller in Jacksonville geben kann, muss er in dieser Saison unter Beweis stellen - und das unter denkbar schlechten Bedingungen.

Gardner Minshew ist Spielmacher der Jaguars.

Coole Jaguars-Socke: Quarterback Gardner Minshew. imago images

Denn das Team um ihn herum befindet sich in einem kompletten Umbruch. Von der alles überragenden Defense, die die Jags 2018 noch um ein Haar bis in den Super Bowl getragen hätte, ist fast kein Leistungsträger mehr übrig. Bereits während der vergangenen Saison verschwand Star-Cornerback Jalen Ramsey nach Los Angeles, in der Free Agency gingen auch Defensive End Calais Campbell (jetzt Baltimore) und Cornerback A.J. Bouye (jetzt Denver). Nur kurz vor Saisonstart trennte sich Jacksonville dann auch noch von den beiden vielleicht einzigen verbliebenen Spielern im Kader, die allerhöchstes NFL-Niveau verkörpern: Running Back Leonard Fournette wurde entlassen, Pass Rusher Yannick Ngakoue nach Minnesota getradet. Ein klares Statement der Verantwortlichen: Ein Neuaufbau soll her, große Ambitionen für diese Saison gibt es wohl nicht.

2020 an den Start geht nun ein Team, das zwar über einige aufstrebende Talente wie Wide Receiver D.J. Chark, Pass Rusher Josh Allen oder eben Minshew verfügt - alles in allem aber über eine vergleichsweise überschaubare Qualität. Auch Head Coach Doug Marrone sitzt auf dem vielzitierten "Hot Seat", gilt unter Buchmachern als heißer Anwärter auf die erste Trainerentlassung der Saison. Gut möglich also, dass die Jags im kommenden April einen der ersten Picks im Draft haben. Bei Quarterback-Talenten wie Clemsons Trevor Lawrence auf dem Board könnte "Minshew Mania" dann ein jähes Ende finden.

mib

Die Head Coaches und Coordinators der 32 NFL-Teams