Handball

Handball-EM in Porto: Deutsche U 20 schielt sogar auf 2027

Riesiges Potenzial der Jahrgänge 2002 und jünger

Vor EM in Porto: Diese deutsche U 20 hat 2023 und sogar 2027 im Blick

Sie sollen in Porto Verantwortung übernehmen: Renars Uscins (li.) und Matthes Langhoff.

Sie sollen in Porto Verantwortung übernehmen: Renars Uscins (li.) und Matthes Langhoff. imago images (2)

Vom 7. bis zum 17. Juli spielen Europas Top-Talente der Jahrgänge 2002 und jünger in Porto um den kontinentalen Titel. Deutschland reist als U-19-Europameister des vergangenen Jahres an. Acht der 16 Spieler im Kader gehörten auch zu den EM-Helden von 2021.

Bei einem Vorbereitungsturnier in der Schweiz habe das DHB-Team allerdings erfahren, "dass wir uns für solche Titel nichts kaufen können", so Bundestrainer Heuberger bei einem Medientermin am Montag. Nach der Auftaktniederlage gegen Spanien (35:40) gewannen die deutschen Talente ihre Partien gegen Frankreich und die Schweiz, wodurch sie zumindest auf Rang zwei landeten.

"Nach einer langen Länderspielpause waren wir gegen Spanien schlecht gestartet, beim Sieg am Samstag gegen Frankreich sah das schon viel besser aus", gibt Heuberger zu: "Und gegen die Schweiz haben wir vor allem in der Abwehr stark gespielt." Seit Samstag weilt die deutsche U 20 zu einem Kurzlehrgang in Hennef, ehe die Reise nach Porto ansteht.

Auch wenn Heuberger "gerne noch ein paar Vorbereitungstage mehr" gehabt hätte, ist er "guten Mutes" mit Blick auf das anstehende Großevent. Zu den Favoriten will er seine Mannschaft (noch) nicht zählen. "Dänemark ist sicherlich sehr stark. Ich bin auch gespannt auf die Franzosen, ob sie mal ganz vorne landen können", prognostiziert der einstige Männer-Bundestrainer (2011 bis 2014): "Gastgeber Portugal zähle ich zu den Geheimfavoriten, sie haben immens aufgeholt in den letzten Jahren."

Der erste Step fürs DHB-Team: "In Portugal wollen wir ein Wörtchen bei der Medaillenvergabe mitsprechen, aber unser erstes Ziel bleibt das Erreichen der Hauptrunde." Dafür müssen in der Vorrunde die Aufgaben gegen Italien (7. Juli, 14.30 Uhr), Serbien (8. Juli, 14.30 Uhr) und Island (10. Juli, 17 Uhr) gelöst werden.

Problem Videomaterial - Vorbereitet auf die "Anwurfzone"

Für Heuberger und sein Trainerteam sei es schwierig gewesen, "an Videomaterial zu kommen". Die Italiener schätzt er aber als "sehr spielstarken" Gegner ein, der "oft den siebten Feldspieler" einsetzt. Eine Möglichkeit, eine Antwort darauf zu finden, sei die neue Anwurfzone - Teil der neuen Handball-Regeln seit 1. Juli. "Wir haben uns darauf schon vorbereitet", sagt Heuberger.

Von der U-19-EM im Vorjahr sind wir Verletzungspech gewohnt, hoffentlich kommt keiner mehr dazu.

Martin Heuberger

Auch der Respekt vor Serbien ("traditionell starke individuelle Ausbildung") und Island ("im Nachwuchsbereich die letzten Jahre auf Top-Niveau") ist groß. Doch die neu zusammengestellte U 20, acht Neue nach dem Titel 2021, ist hungrig - und hat die Zukunft im Blick. 2023 steigt schließlich in Deutschland die U-21-WM.

"Das ist ein absolutes Highlight für die Jungs", weiß Heuberger, der die erste U-21-WM in Deutschland überhaupt als "besondere Motivation und Herausforderung" für seine Spieler sieht. Gleichzeitig dürfte so manches Talent schon mit dem Gedanken einer Heim-WM 2027 spielen.

Leistungsträger Beneke bricht sich die Mittelhand

Mit Linkshänder Renars Uscins, im Sommer endgültig zur TSV Hannover-Burgdorf gewechselt, und Matthes Langhoff (Bundesliga-Erfahrung bei den Füchsen) sind zwei Eckpfeiler bereit, die Mannschaft in Porto anzuführen.

Das Duo wird noch mehr Verantwortung übernehmen müssen, da mit Torwart David Späth, bei der EM 2021 im All-Star-Team, und Niklas Heitkamp zwei Hoffnungsträger wegen Kreuzbandrissen langfristig ausfallen und Finn Nikolaus wegen Schulterproblemen geschont wird. Vor EM-Start traf es nun einen weiteren Leistungsträger: Im letzten Spiel in der Schweiz zog sich Füchse-Talent Max Beneke einen Mittelhandbruch zu und fällt für das Turnier in Portugal aus.

"Dieser Ausfall tut richtig weh, denn Max hatte sich richtig gut entwickelt", gesteht Heuberger: "Aber von der U-19-EM im Vorjahr sind wir Verletzungspech gewohnt, hoffentlich kommt keiner mehr dazu."

Das EM-Aufgebot der deutschen U 20:

Tor: Lasse Ludwig (Füchse Berlin / VfL Potsdam), Mats Grupe (Rhein-Neckar Löwen)

Feld: Nico Schöttle (SG Pforzheim/Eutingen), Matthes Langhoff (Füchse Berlin / VfL Potsdam), Christian Wilhelm (HC Empor Rostock), Oskar Neudeck (Frisch Auf Göppingen), Justus Fischer (TSV Hannover-Burgdorf), Maxim Orlov (Füchse Berlin / VfL Potsdam), Renars Uscins (SC Magdeburg / TSV Hannover-Burgdorf), Leon Ciudad-Benitez (THW Kiel / TSV Altenholz), Felix Eißing (SC Magdeburg), Stephan Seitz (TuS Fürstenfeldbruck / HC Erlangen), Tim Freihöfer (Füchse Berlin / VfL Potsdam), Sören Steinhaus (TSV Bayer Dormagen), Florian Kranzmann (TSV GWD Minden), Elias Scholtes (Rhein-Neckar Löwen)

Maximilian Schmidt

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