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EM-Aus: Scheiterte Frankreich an der eigenen Überheblichkeit?

Deschamps ringt um Erklärung - und nimmt Mbappé in Schutz

"Von so weit oben abgestürzt": Scheiterte Frankreich an der eigenen Überheblichkeit?

Der Frust sitzt tief: Kylian Mbappé machte sich nach seinem verschossenen Elfmeter auf den direkten Weg in die Kabine.

Der Frust sitzt tief: Kylian Mbappé machte sich nach seinem verschossenen Elfmeter auf den direkten Weg in die Kabine. Getty Images

"Von so weit oben abgestürzt" titelte die französische Sportzeitung "L'Equipe" wenige Minuten nach Abpfiff. Eine Überschrift, die in der Nacht von Montag auf Dienstag gleich in mehrerlei Hinsicht passend erschien. Als amtierender Weltmeister und Top-Favorit angereist hat sich die Equipe Tricolore nun schon im Achtelfinale verabschiedet.

Aber auch im Verlauf des denkwürdigen Spiels gegen die Schweiz waren die Franzosen von Wolke sieben heruntergefallen und auf dem harten Boden der Tatsachen aufgeschlagen. Als Paul Pogba mit seinem herrlichen Treffer zum 3:1 die gesamte Qualität dieses Kaders in einen Schuss packte, führte er ein kleines Tänzchen auf. Es signalisierte: Viertelfinale gebucht - wohl auch dem Gegner.

Nach dem 3:1 haben wir Schwäche gezeigt.

Didier Deschamps

"Wir haben gemerkt, dass Frankreich eine Phase hatte, in der sie ein bisschen überheblich waren", merkte der Schweizer Matchwinner Yann Sommer nach Abpfiff an. Nach dem glänzenden Zwischenspurt Mitte des zweiten Durchgangs schien tatsächlich keiner in Blau so wirklich noch damit zu rechnen, dass das Weiterkommen noch ernsthaft in Gefahr sei. "Nach dem 3:1 haben wir Schwäche gezeigt, das ist untypisch für uns", sagte Nationaltrainer Didier Deschamps beim Fernsehsender "TF1". Und Torhüter Hugo Lloris ergänzte: "Das müssen wir uns auf die Fahne schreiben. In der Vergangenheit wussten wir, wie man die Spiele zu Ende bringt."

An diesem Abend in Bukarest aber eben nicht. Dabei hatte die erste Hälfte bereits genug Anlass zur Sorge gegeben. Im ungewohnten 3-3-2-2-System hatten sich die Franzosen in den ersten 45 Minuten keine einzige echte Torchance erarbeitet, Deschamps musste seinen taktischen Kniff zur Pause korrigieren und auf Viererkette umstellen. "Wir waren total enttäuscht darüber, was wir geleistet hatten", erklärte Abwehrchef Raphael Varane die Stimmung in der Halbzeitpause. "In der Kabine haben wir viel geredet." Nach dem Ausscheiden zeichnete der Innenverteidiger dann ein ganz anderes Bild: "In der Kabine wird es jetzt sehr ruhig sein."

Mbappé ist "unglaublich traurig" - Deschamps verteidigt seinen Star

Zur Symbolfigur des überraschenden Scheiterns wurde schließlich Kylian Mbappé. "Er ist unglaublich traurig", sagte Deschamps bei "TF1" über seinen Star, "aber niemand kann sauer auf ihn sein, er hat die Verantwortung beim fünften Elfmeter übernommen."

Dass er den aber nicht im Tor unterbrachte, war ein wenig sinnbildlich für seine Leistung während des gesamten Turniers. Kein einziger Treffer war ihm gelungen, obwohl er im EM-Verlauf satte 14 Schüsse aus dem Spiel heraus abgegeben hatte - mehr als jeder andere Spieler ohne Torerfolg bei diesem Turnier. Schließlich saß auch der 15. Schuss nicht. Der wichtigste.

mib