Bundesliga

Vom Blogger zum Co-Trainer: René Marics ungewöhnlicher Weg

kicker-Serie, Teil 10: Borussia Mönchengladbach

Vom Blogger zum Co-Trainer: René Marics ungewöhnlicher Weg

Trainer-Flüsterer: René Maric (re.) mit Gladbachs Chefcoach Marco Rose.

Trainer-Flüsterer: René Maric (re.) mit Gladbachs Chefcoach Marco Rose. imago images

Seinen Traum, Profi-Fußballer zu werden, musste er ziemlich früh begraben. Ein Knochentumor, zwei Kreuzbandrisse, ein Becken- und ein Schlüsselbeinbruch: Nach mehreren schweren Verletzungen war Schluss mit dem aktiven Fußball für René Maric. Auf ganz ungewöhnlichem Weg landete er dann aber doch noch in der Bundesliga.

Die taktischen Feinheiten seines Lieblingssports hatten es ihm schon von jeher angetan. Maric bloggte seine Spielanalysen auf dem Portal Spielverlagerung.de, analysierte dabei aktuelle Partien und auch historische Spiele. Unter anderem beschäftigte er sich auch mit den Nachwuchsmannschaften von RB Salzburg und schickte seine Ergebnisse an den damaligen Coach, Marco Rose.

Maric arbeitete auch schon für Tuchel

Ein Fußball-Nerd? Ein Klugscheißer mit Ideen, die in der Praxis nie umzusetzen sind? Mitnichten. Nach einiger Zeit, so Maric, "war ich so dreist und habe gefragt, ob man nicht mal zusammenarbeiten könne". Rose war offensichtlich angetan von den analytischen Fähigkeiten des jungen Experten und holte ihn im Juli 2016 in sein Trainerteam in Salzburg. Offensichtlich zur Zufriedenheit aller Beteiligten: Im Sommer 2019 folgte der gemeinsame Schritt nach Mönchengladbach, wo Maric aktuell als Co-Trainer zum Stab der Fohlen gehört.

Vom Taktikblogger in die Bundesliga, ein ganz spezieller Weg. Schon mit 17 Jahren trainierte Maric eine Jugendmannschaft und beschäftigte sich quasi rund um die Uhr mit Fußball, schaute etliche Videos auf YouTube, schrieb lange Aufsätze über Taktik im Fußball und zählte zu den Mitgründern von Spielverlagerung.de. Später erstellte er unter anderem auch für Thomas Tuchel in dessen Mainzer Zeit Spielanalysen und Taktik- Expertisen; von ihm stammt auch ein ellenlanges Porträt über Erfolgstrainer Jupp Heynckes.

In Mönchengladbach unterstützt der 27-jährige gemeinsam mit den anderen Co-Trainern Frank Geideck und Alexander Zickler sowie Video-Analyst Philipp Schützendorf den Chef-Trainer Marco Rose. Unter anderem bei gemeinsamen taktischen Analysen, aber auch direkt am Spielfeldrand, wo Maric in der Regel mit einem Headset von den Tribünenspionen mit Informationen gefüttert wird, die er im passenden Moment an Chef Marco Rose weitergibt. "Darin", so Maric, "sind wir als Team mittlerweile ziemlich eingespielt."

Er kann beide Teams gleichzeitig analysieren.

Marco Rose über René Maric

Maric könne Spiele "sehr schnell lesen", lobte Rose mal den Kollegen, "und er kann beide Teams gleichzeitig analysieren". Enorm fleißig ist Vollbart-Träger Maric. Der studierte Psychologe arbeitet, so ist zu hören, auch mal mehr als 60 Stunden pro Woche, fühlt sich aber als Fußball-Fachmann sichtlich in seinem Element. Hätte das nicht geklappt im Profi-Bereich, "dann würde ich wahrscheinlich als Psychologe arbeiten und irgendwo eine Amateurmannschaft trainieren."

Die Realität aber: Er ist Teil des Trainerteams einer Bundesliga-Spitzenmannschaft, anerkannter Experte, intern enorm geschätzt. Vom Schreibtisch auf die Trainerbank, was für ein ungewöhnlicher Weg. Für Taktik-Blogs hat Maric mittlerweile keine Zeit mehr. Für Spielverlagerung schon. Dann nicht in der Theorie, sondern direkt auf dem Rasen.

(In einer Serie porträtieren wir besondere Spezialisten im Hintergrund der deutschen Profiklubs - vom Teambetreuer bis zur Yogatrainerin, vom Zeugwart bis zum Gastwirt)

Oliver Bitter

Die finanziellen Folgen der Krise - Klub für Klub