Bundesliga

Völler: "Wir können noch versuchen, vor Dortmund zu kommen"

Leverkusens Geschäftsführer schreibt die Königsklasse ab

Völler: "Wir können noch versuchen, vor Dortmund zu kommen"

Rudi Völler, hier als Gast im 'aktuellen sportstudio des ZDF', rechnet nicht mehr mit einer Qualifikation Bayers für die kommende Champions League.

Rudi Völler, hier als Gast im 'aktuellen sportstudio des ZDF', rechnet nicht mehr mit einer Qualifikation Bayers für die kommende Champions League. imago images

Der Tag nach der niveauarmen Nullnummer in Sinsheim ist für Rudi Völler ein bedeutend angenehmerer. Schließlich "feiert" Leverkusens Geschäftsführer am Dienstag seinen 61. Geburtstag. Wobei, pandemiebedingt, auch dies wie am Vorabend die Partie bei 1899 Hoffenheim keine Sause wird. "Ich werde am Abend auf der Couch sitzen, die Bayern in Paris schauen und Pizza bestellen", erklärt Völler, "mehr geht halt nicht."

Das Rückspiel im Viertelfinale der Champions League verspricht zumindest einen deutlich höheren Unterhaltungswert als der Leverkusener Auftritt am Vorabend. "Ich hätte gerne 1:0 gewonnen, dann wäre es ein schönerer Geburtstag geworden", sagt Völler am Tag nach den 90 quälenden Minuten, in denen Bayer zwar defensiv überzeugte, aber offensiv erneut enttäuschte. Dementsprechend fällt das Fazit des Geschäftsführers aus: "Ein bisschen kompakter sind wir schon. Wir waren näher dran - Hoffenheim hatte ja gar keine Torchance - aber ein bisschen mehr geht nach vorne schon." Denn die Offensivleistung der Werkself ließ auch im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer Hannes Wolf fast alles zu wünschen übrig.

Wie beim 2:1-Sieg gegen Schalke kam Bayer auf insgesamt drei Torchancen. Ein ernüchternder Wert, der auch durch insgesamt nur zwei Möglichkeiten für die Gegner in diesen 180 Minuten nur bedingt ausgeglichen wird. "Wir waren defensiv extrem stabil über das ganze Spiel, haben fast nichts zugelassen. Und in der Offensive wollen wir natürlich ein bisschen mehr entwickeln. Aber vier Punkte aus zwei Spielen ist komplett in Ordnung", analysierte Wolf. Von einem fußballerischen Befreiungsschlag ist Bayer nach dem Trainerwechsel aber noch meilenweit entfernt.

Ob Wolfs viel zu stark kontrollierte Offensive auf Dauer Erfolg verspricht? So wird dem Gegner zwar bei Leverkusener Spielaufbau mit drei Innenverteidigern, zwei Sechsern und mit Linksverteidiger Wendell auf dem linken Flügel ein Maximum an Restverteidigung für den Fall eines Ballverlustes entgegensetzt und kaum eine Konterchance zugelassen, doch umgekehrt wirkt das Angriffsspiel bieder und harmlos. Eben ganz und gar nicht Bayer-like.

Völler: "Alles auf einmal ist schwierig"

"Alles auf einmal ist schwierig", verteidigt Völler die harmlose Darbietung, nach der Wolf einzig fünf, sechs aussichtsreiche Ballgewinne, die aber mangels Präzision nicht in Torchancen mündeten, sowie "ordentliche Ballbesitzphasen" für seine Mannschaft verbuchen konnte. Auf die frühen Ballgewinne bezogen, nannte der Trainer den Ansatzpunkt für eine Verbesserung des Offensivspiels: "Die Momente, die wir haben, müssen wir klar ausspielen, ohne das Andere zu verlieren." Das Andere ist die defensive Stabilität. Selbst herausgespielte Chancen fehlten fast völlig.

Dass der Punkt zu wenig für Bayers Ambitionen war, wie Profis wie Nadiem Amiri oder Sven Bender mit Blick auf Qualifikation für die Champions League eingestanden, wollte Wolf nicht so sehen: "Das große Ziel ist ja, europäisch zu spielen. Da haben wir alle Chancen. Damit wir noch unter die ersten Vier kommen, müssen wir eine perfekte Serie spielen." Und selbst diese würde bei nun neun Zählern Rückstand auf Frankfurt wohl nichts nutzen.

Völler glaubt nicht mehr an Rang 4: "Frankfurt und Wolfsburg sind schon sehr stabil"

Das glaubt auch Völler, der an seinem 61. Geburtstag die Königsklasse abschreibt. "Man kann immer versuchen alles erreichen zu wollen", sagt der Weltmeister von 1990 zum Thema Platz 4, "aber man darf die Realität nicht aus den Augen verlieren. Frankfurt und Wolfsburg sind schon sehr stabil. Wir können noch versuchen, vor Dortmund zu kommen."

Der BVB nimmt derzeit den 5. Platz ein. Mit weiteren so uninspirierten Auftritten wie in Sinsheim muss Bayer ohnehin den Blick auf die auf Rang 7 und 8 lauernden Mannschaften aus Gladbach und von Union Berlin richten. Die Großen der Branche kann Bayer, so wie Völler am Dienstagabend, nur noch am Bildschirm verfolgen.

Stephan von Nocks

Bilder zur Partie TSG Hoffenheim - Bayer 04 Leverkusen