Europa League

Völler: "Vielleicht schärft das vierte Gegentor die Sinne"

Leverkusens Geschäftsführer sieht Spiegelbild der jüngsten Partien

Völler: "Vielleicht schärft das vierte Gegentor die Sinne"

Noch relativ gelassen: Leverkusens Sport-Geschäftsführer Rudi Völler.

Noch relativ gelassen: Leverkusens Sport-Geschäftsführer Rudi Völler. imago images

Nach dem 2:2 gegen Mainz hatte Rudi Völler für das Europa-League-Spiel in Bern eine Reaktion erwartet. Doch die blieb bis zur Pause aus. "Das Spiel war ein Spiegelbild der letzten Wochen", urteilt der Sport-Geschäftsführer über das extreme Auf und Ab, das die Werkself in Bern innerhalb von 90 Minuten erlebte: 0:3-Rückstand zur Halbzeit. Dann eine Aufholjagd zum 3:3. Um die Partie dann doch noch durch einen Gegentreffer kurz vor Schluss zu verlieren.

Besonders die hohe Anzahl der Gegentreffer ist Völler ein Dorn im Auge. "In den letzten drei Spielen haben wir zehn Tore geschossen, das ist ja ein super Schnitt, aber wir haben halt auch acht reingekriegt. Das ist der Unterschied zur Hinrunde. Da waren wir kompakter und haben besser verteidigt", analysiert der 60-Jährige.

Bosz erreicht die Mannschaft

Der verbesserte Auftritt nach der Pause in Bern verleiht Völler dennoch eine gewisse Zuversicht. Zum einen, weil sich die Mannschaft steigerte. "In der zweiten Hälfte hat man unsere Qualität nach vorne gesehen. Da hätten wir das Spiel locker gewinnen können", sagt Völler.

Zum anderen, weil Peter Bosz in der Halbzeit auch die dafür notwendigen Maßnahmen in der Kabine traf. So erzielte der Niederländer mit der Einwechslung von Innenverteidiger Edmond Tapsoba zur zweiten Hälfte und der damit einhergehenden Umstellung vom 4-3-3 auf ein 3-4-3 den gewünschten Effekt.

Ein wichtiger Fingerzeig für Völler, dass Bosz ("Der Trainer ist sehr selbstkritisch") die Mannschaft erreicht. "Was der Trainer richtig gut gemacht hat: Er hat so gewechselt, dass wir weniger zugelassen haben. Und obwohl wir defensiver aufgestellt waren, haben wir vorne mehr Chancen gehabt. Das ist der Schlüssel für die nächsten Wochen: Wir müssen unsere offensive Qualität ausspielen, ohne defensiv so anfällig zu sein", fordert der Weltmeister von 1990.

Völler hofft auf heilenden Effekt

Dass Bayer die Partie trotz einer Aufholjagd verlor, sieht Völler nicht nur negativ. "Einerseits ärgere ich mich natürlich, dass wir dadurch verloren haben, aber vielleicht schärft das vierte Gegentor auch die Sinne", so der Geschäftsführer. Hätte ein Unentschieden nach einem 0:3 bei dem einen oder anderen Profi noch zu falschen Rückschlüssen führen können, so dürfte dies durch die späte Niederlage ausgeschlossen sein.

Der Warnschuss von Bern sollte seine Wirkung fürs Rückspiel nicht verfehlen. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", weiß Völler, "wir brauchen einen ganz normalen Sieg. Wir haben die Qualität, das zu schaffen." Das ist so, auch wenn sich Bayer derzeit mit "ganz normalen" Spielen schwertut.

Doch die Basis fürs Erreichen des Achtelfinales ist durch das knappe Ergebnis und die drei Auswärtstreffer trotz der erneuten Enttäuschung gelegt. Einen weiteren Ausrutscher im Rückspiel würde Völler aber sicherlich nicht so gelassen hinnehmen. Seine Ansage ist eindeutig: "Wichtig ist, dass wir weiterkommen. Am Donnerstag zählt's."

Stephan von Nocks