Bundesliga

Bayer-Geschäftsführer Rudi Völler: "Das können nicht mal die eigenen Fans gutheißen"

Leverkusens Geschäftsführer über Wolf, Bosz und die CL-Reform

Völler: "Das können nicht mal die eigenen Fans gutheißen"

Geißelt einige Punkte der CL-Reform: Leverkusens Geschäftsführer Sport Rudi Völler.

Geißelt einige Punkte der CL-Reform: Leverkusens Geschäftsführer Sport Rudi Völler. Getty Images

Am Samstagabend saß ein sichtlich entspannter Geschäftsführer im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF und ließ die vergangenen kritischen Wochen von Bayer Leverkusen Revue passieren. Wenige Stunden zuvor hatte die Werkself den FC Schalke mit 2:1 besiegt.

Rudi Völler über ...

… das 2:1 gegen Schalke: "Das war natürlich Erleichterung pur. Du kannst nicht viel gewinnen gegen Schalke. Jeder erwartet einen klaren Sieg, weil die mit zehn Punkten hinten drinstehen. Aber klar ist doch, dass die auch besser sind und deswegen war es heute auch kompliziert."

… über das Trainerdebüt von Hannes Wolf: "Er hat wieder ein positives Denken reingebracht, das ist ja schwierig nach einer langen Durststrecke. Die Spieler können wieder an sich glauben, zuletzt hat das Feuer und die Leichtigkeit gefehlt. Das war heute in Ansätzen wieder da, aber da muss noch mehr kommen. Wir warten jetzt bis Saisonende ab und schauen, wie es zusammen mit Peter Hermann läuft. Er hat auf jeden Fall die Chance, weiterzumachen."

Völler: "Da haben wir nicht mehr an die Wende geglaubt"

… über das Aus von Trainer Peter Bosz: "Ich habe gesagt, dass das eine Niederlage für uns alle ist bei Bayer. Das gilt aber nicht nur für uns, sondern auch für andere Bundesligisten, die ihre Trainer jedes Jahr beurlauben müssen. Wir haben schöne Zeiten mit ihm erlebt, aber es waren zuletzt viele schlechte Spiele und schlechte Ergebnisse dabei. Nach Gladbach (1:0, d. Red.) haben wir auf die Wende gehofft, aber dann kamen zwei richtig schlechte Spiele gegen Bielefeld (1:2, d. Red.) und bei Hertha (0:3, d. Red.). Da haben wir nicht mehr an die Wende geglaubt. Nach dem 1:2 gegen Bayern (13. Spieltag, d. Red.) sind wir auch mit Verletzungspech und Torwartwechseln in einen Strudel reingekommen, was uns so nicht passieren darf. Wir hatten ja nicht nur in der Liga Probleme, sondern auch im Pokal gegen Essen verloren und sind gegen Bern ausgeschieden. Bei allem Respekt vor diesem Klub, aber in zwei Spielen kann man den schon schlagen. Die Spiele nach dem Sieg in Gladbach waren - ich will nicht sagen lustlos, aber das Feuer hat gefehlt. Dann steht der Klub über allem, ob mir das gefällt oder nicht.

… über die Niederlage der DFB-Auswahl gegen Nordmazedonien: "Das war natürlich ärgerlich. Sie haben sich durch die Partien gegen Island (3:0, d. Red.) und Rumänien (1:0, d. Red.) gerade erst freigespielt. Auch die Verkündung von Löws Abschied hat da mit reingespielt. Dann kommt dieses Spiel gegen den Underdog und dann ist das Theater bei der Nationalmannschaft natürlich groß."

… über Löw und die EM: Er hat sich das schon verdient, dass er jetzt noch eine EM spielt und ich denke, die Mannschaft ist gut genug, um auch eine gute EM zu spielen. Er weiß natürlich, dass er nach der WM 2018 (Aus in der Vorrunde, d. Red.) unter Druck steht.

… über Löws mögliche Nachfolger: Es sind immer dieselben Verdächtigen, die da genannt werden. Sie sind alle gut. Klopp geht nicht, Flick geht nicht - sie haben beide ja noch einen Vertrag. Und Ralf Rangnick oder Lothar Matthäus - mit ihm habe ich vor kurzem erst zu seinem 60. Geburtstag telefoniert, da haben wir auch kurz darüber gesprochen. Warum soll er sich das nicht zutrauen? Aber die anderen Genannten können das auch. Oliver Bierhoff und Fritz Keller machen das schon.

… über das Mittelstürmer-Problem des DFB: Man will schon noch den echten Neuner haben, aber diese Problematik gibt es ja schon länger, dass wir keinen Knipser oder den echten Stoßstürmer haben. Aber ich glaube dennoch, dass wir gute Stürmer haben. Timo Werner hat ja auch schon gute Spiele gezeigt."

… über die höheren Ablösesummen für Trainer: "Solche Summen wie bei Marco Roses Wechsel von Gladbach nach Dortmund (fünf Millionen Euro, d. Red.) sind normaler geworden. Gute Trainer sind gefragt und wichtig. Aber ich denke schon, dass es gewisse Obergrenzen geben wird bei den Trainerablösen. Solche Summen wie die fünf Millionen Euro haben wir in Leverkusen aber nicht zurückgelegt."

Das ist eine unglaubliche Ungerechtigkeit und das hat dann auch nichts mehr mit Fairplay zu tun.

Rudi Völler über Teile der geplanten Champions-League-Reform

… über die anstehende Reform der Champions League ab 2024: "Ich finde den jetzigen Modus am besten. Leider wird das anders, aber man muss einen Kompromiss eingehen mit den großen Klubs. Aber was ich total schlecht finde, ist, wenn die Champions League von 32 auf 36 Teams aufgestockt wird und die vier Klubs kommen über einen Koeffizienten rein, der mit dem Abschneiden in der aktuellen Saison nichts zu tun hat. Das ist eine unglaubliche Ungerechtigkeit und das hat dann auch nichts mehr mit Fairplay zu tun. Wenn man das Leistungsprinzip aussetzt, dann ist das das Schlimmste, was dem Fußball passieren kann. Und die UEFA und der DFB mit Rainer Koch (sitzt in der entscheidenden Exekutivkommission der UEFA, d. Red.) täten gut daran, hier ein Zeichen zu setzen. Man kann alles verändern, das ist Geschmackssache, aber wenn ein oder zwei Mannschaften reinrutschen, weil sie acht Jahre vorher die Champions League gewonnen haben, das können doch nicht mal die eigenen Fans solcher Vereine gutheißen.

bst

Bilder zur Partie Bayer 04 Leverkusen - FC Schalke 04