Regionalliga

Viktor Maier: Fußballer zwischen zwei Welten

Meppens Mittelfeldmann spielt für Kirgistan

Viktor Maier: Fußballer zwischen zwei Welten

Regionalliga- und Nationalspieler: Meppens Viktor Maier.

Regionalliga- und Nationalspieler: Meppens Viktor Maier. imago

Die Nationalmannschaftskarriere von Viktor Maier im Trikot von Kirgisistan beginnt vor einigen Monaten auf kuriose Art und Weise: Ein Scout des Verbandes, der auf Platz 157 der FIFA-Weltrangliste zwischen Indien und Malta liegt, kontaktiert ihn auf Facebook. "Er schrieb, der neue Trainer habe mich per Video beobachten lassen und wolle mich ins Trainingslager nach Dubai einladen", erinnert sich Maier.

Für den 25-Jährigen steht fest: Diese Chance will er, der Kirgisistan schon im Alter von zehn Monaten verließ und mit seinen Eltern nach Osnabrück auswanderte, unbedingt nutzen. Eine etwas andere Sichtweise hat da Christian Neidhart, der Maier in Meppen trainiert. Er gönnt seiner Nummer neun die Länderspiele, warnt aber: "Die Reisestrapazen sind nicht zu unterschätzen, Viktor wird durch die Reisen aus seinem Rhythmus gerissen." Zudem weiß Neidhart nur zu gut, dass sein dynamischer Rechtsaußen durch die Länderspiele auch in das Blickfeld anderer Vereine gerät. "Viktor steht jetzt mehr im Fokus, er wird als Nationalspieler wahrgenommen und daran gemessen", sagt Neidhart. Ganz schön viel Trubel um einen Spieler, der mit dem Traum von der großen Karriere eigentlich abgeschlossen hatte.

Viktor steht jetzt mehr im Fokus, er wird als Nationalspieler wahrgenommen und daran gemessen.

Meppens Trainer Christian Neidhart über Viktor Maier

Aber der Reihe nach: Lange Zeit ging die Karriere von Viktor Maier nur in eine Richtung - steil bergauf, Schritt für Schritt Richtung Profikarriere. Vom Osnabrücker Stadtteilverein Blau-Weiß Schinkel geht es in die Jugend des VfL Osnabrück und von dort mit sechzehn Jahren ins Internat des Hamburger SV. Ein großer Schritt für Maier, der sich als "absoluten Familienmenschen" bezeichnet. Zum ersten Mal ist er von der Familie und den Freunden in Osnabrück getrennt. Maier hat Heimweh, Aufgeben aber kommt nicht in Frage. Der Einsatz lohnt sich, er darf mit siebzehn Jahren erstmals bei den Profis des Bundesliga-Dinos mittrainieren, gehört zum Kader der deutschen U17-Nationalmannschaft. Alles sieht danach aus, als würde er den Sprung zum Profi schaffen - wenn da nicht diese Knieprobleme wären.

Probleme mit der Patellasehne stehen großer Karriere im Weg

"Ich bin zu schnell gewachsen, hatte durch die hohe Belastung ständig Probleme mit der Patellasehne. In dieser Zeit habe ich nie ohne Schmerzen spielen können", sagt Maier heute, gut acht Jahre später. Bis 2011 steht Maier beim Hamburger SV unter Vertrag, wenn er fit ist, spielt er in der U23 in der Regionalliga. Fit aber ist er selten, das Knie streikt, die große Karriere rückt in weite Ferne.

Bis er im Januar 2014 über die Stationen Sportfreunde Lotte, VfL Osnabrück II und TSV Havelse den Weg ins Emsland findet. Beim SV Meppen, einem ehemaligen Zweitligisten, findet Maier sein sportliches Glück. Auch die Knieprobleme gehören der Vergangenheit an, Maier hat auf eigene Kosten einen Physiotherapeuten engagiert - das Knie hält. Und so ist er plötzlich wieder da, der Traum von der großen Karriere. Maier fliegt Anfang Mai nach Kirgisistan, 14 Stunden Flug hin, 14 Stunden zurück, bleibt zwei Tage vor Ort und regelt den Papierkram. Im Eilverfahren Nationalspieler: Noch im selben Monat reist er ins Trainingslager nach Dubai, lernt Nationaltrainer Aleksandr Krestinin und seine Mitspieler, zu denen mit Viktor Lux (Nürnberg II), Sergej Evljuskin (Hessen Kassel) und Edgar Bernhardt (zuletzt Widzew Lodz) weitere in Deutschland aufgewachsene Kirgisen gehören, kennen.

Nationalmannschaftsdebüt gegen Bangladesch im Juni

Anfang Juni feiert er gegen Bangladesch sein Debüt, steht dabei genauso wie wenige Tage später bei der knappen 1:2-Niederlage gegen Australien in der Startelf. "Das war Wahnsinn, die Euphorie der Leute kannte hinterher keine Grenzen", erzählt Maier, der von seinen Eltern, Großeltern und seiner Freundin begleitet wurde. Für die Familie eine Reise in die Vergangenheit: "Das war schon sehr emotional. Meine Eltern waren erstmals nach 25 Jahren wieder dort, das war ein Gänsehautmoment", sagt Maier.

Den Trubel um seine Person scheint Maier gut zu verkraften. Zwar habe es in letzter Zeit Anfragen ausländischer Vereine gegeben, ein Wechsel aber sei derzeit kein Thema. "Ich fühle mich wohl hier, habe meinen Vertrag gerade erst verlängert", sagt Maier, der ab Oktober in Lingen Wirtschaftsingenieurwesen studieren wird. Christian Neidhart wird das gerne hören - auch wenn für Maier schon Anfang September das nächste Länderspiel in Jordanien ansteht.

Tim Beyer