Bundesliga

Vier Knackpunkte: Was Schalke in Darmstadt falsch machte

Youngster Kehrer sieht zweimal schlecht aus

Vier Knackpunkte: Was Schalke in Darmstadt falsch machte

Enttäuschung pur: Schalker Reaktionen nach dem späten 1:2 in Darmstadt.

Enttäuschung pur: Schalker Reaktionen nach dem späten 1:2 in Darmstadt. imago

Knackpunkt 1: Erste Chance, erstes Tor

"Mit dem ersten Angriff von Darmstadt haben wir einen Rückstand hinnehmen müssen. Danach sind wir hinterher gelaufen", sagte Weinzierl. Es hätte aber gar nicht fallen müssen. Das Tor resultierte letztlich aus einer Kette kleinerer Fehler - und eines größeren: Kehrers Kopfballabwehr war etwas zu kurz und landete genau bei Kamavuaka, der Richtung Gondorf köpfte. Der wiederum konnte direkt auf Heller weiterleiten, weil Badstuber einen Schritt zu weit weg stand. Kehrer stand bei diesem Abspiel gut einen Meter hinter der Viererkette und hob damit das Abseits auf. Schuldlos war Coke, der es danach mit Platte und Vrancic nicht mehr aufnehmen konnte.

Knackpunkt 2: Die Abschlussschwäche

Man konnte den Schalkern wahrlich nicht vorwerfen, dass sie sich keine Gelegenheiten erarbeiteten. Die Torschussstatistik (26:11) und zehn Großchancen belegen diesen Eindruck. Doch was machten sie daraus? Viel zu wenig, wie die Schalker später offen einräumten. "Uns hat der Killerinstinkt vor dem Tor gefehlt", sagte Weinzierl. "Wir haben uns zwar zahlreiche Möglichkeiten erarbeitet, aber wir müssen diese dann halt auch nutzen." Die gesamte Offensive musste sich diesen Vorwurf gefallen lassen, egal ob Avdijaj, Burgstaller, Caligiuri oder in einer Szene auch der auffällig unauffällige Goretzka. Dass mit dem starken Coke (75.) ein Defensivspieler den Bann brach, war bezeichnend. "Der größte Unterschied zwischen Darmstadt und uns war heute, dass sie ihre wenigen Chancen genutzt haben und wir zahlreiche Möglichkeiten haben liegengelassen", sagte der Spanier. "Fußball ist verrückt. Das ist eine herbe Enttäuschung für uns."

"Wenn man sagt, man hat schon bessere Tage gehabt, ist es leicht untertrieben."

Schalke-Manager Christian Heidel

Und dann war da ja noch die Sache mit dem Elfmeter. Burgstaller trat in der 58. Minute an, obwohl Geis noch auf dem Platz war. Warum der Österreicher das Leder flach in die Mitte schoss und nicht zumindest halbhoch, um eben jene Fußabwehr zu verhindern, wie sie Keeper Esser letztlich zeigte, bleibt unerklärlich. Mit Pech hatte das wenig zu tun.

Knackpunkt 3: Die Rote Karte

Ganze sechs Minuten nach dem 1:1 war Schalke nur noch zu zehnt. Und wieder war eine Fehlerkette dafür verantwortlich. Eigentlich war es eine beinahe statische Szene, als Holland auf der linken Seite ans Leder kam. Schöpf machte den Passweg die Linie entlang nicht zu, Kehrer erwartete ein kurzes Anspiel und war überrascht, als Schipplock plötzlich anzog. Hinzu kam, dass der Schalker Innenverteidiger außen stand und die Innenbahn freigab. Da Bentaleb in der Mitte gar nicht reagierte, wertete Referee Ittrich die Szene zu Recht als Notbremse. Schalkes Schwung nach dem Ausgleich war dahin.

Zeugen des Dramas: Schalkes Fans gingen nach der Pleite im wahrsten Sinne auf die Barrikaden.

Zeugen des Dramas: Schalkes Fans gingen nach der Pleite im wahrsten Sinne auf die Barrikaden. imago

Knackpunkt 4: Das Standardproblem

S04 bekam neun Ecken und zahlreiche Freistöße in Strafraumnähe zugesprochen. Häufig waren die Königsblauen nah dran am Torerfolg - doch wie es richtig geht, zeigte Darmstadt. "Das Gegentor in der Nachspielzeit", sagte Weinzierl, "tut besonders weh. Wenn man weiß, dass der Gegner bei Standards gefährlich ist, muss man es einfach besser machen." Oder solche Szenen einfach gar nicht zulassen: Dass Aogo den mit dem Rücken zum Tor stehenden Fedetskyy in der Nachspielzeit an der Außenlinie foulte? Ungeschickt. Dass Bentaleb den herantrabenden Heller nicht zustellte, obwohl er ihn deutlich kommen sah? Rätselhaft. So konnte der Darmstädter trotz seiner alles andere als gelungenen Ballannahme das Leder aus kurzer Distanz in die Mitte spielen. Wie Torschütze Gondorf letztlich an den Ball kam, war tatsächlich mehr als unglücklich für die Königsblauen. Sulu köpfte Aogo an, von Badstubers Oberschenkel sprang der Ball letztlich zum Darmstädter Torschützen (90.+3). Perfekt war sie, die Niederlage beim Schlusslicht.

Und für die hatten vor allem die Fans überhaupt kein Verständnis, gerade nach dem desaströsen Auftritt in Amsterdam hatten sie eine Reaktion erwartet. "Wenn man beim Tabellenletzten verliert, kann man das natürlich als Tiefpunkt empfinden", räumte Heidel ein, sagte aber auch: "Ich weiß nicht, was von der ganzen Dramaturgie noch hätte schiefgehen können." Letztlich müssen die Schalker sich aber an die eigene Nase fassen, dass sie ein derartiges "Drama" überhaupt zuließen.

Christoph Laskowski

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