2. Bundesliga

2. Liga: Vier Defensivspieler im Sturm und die Gründe dafür

Taktische Experimente bei mehreren Klubs

Vier Defensivspieler im Sturm und die Gründe dafür

Nur ein Experiment oder mehr? Die Zweitliga-Aushilfsstürmer Jannis Heuer (li.) und Thomas Keller.

Nur ein Experiment oder mehr? Die Zweitliga-Aushilfsstürmer Jannis Heuer (li.) und Thomas Keller. imago images

Alt ist die Rückrunde in der 2. Liga noch nicht, dafür aber schon reich an taktischen Experimenten. Gemeint ist nicht etwa der kürzlich misslungene Schalker Plan mit Stürmer Marius Bülter als Rechtsverteidiger. Auch in die andere Richtung wurde an den vergangenen beiden Spieltagen ausprobiert:

22. Spieltag: Thomas Keller (FC Ingolstadt)

Der aktuellste Fall stammt aus Oberbayern. Ingolstadts Angreifer Valmir Sulejmani spürte beim Warmmachen vor der Partie gegen Sandhausen (0:0) "ein ungutes Gefühl", also musste FCI-Trainer Rüdiger Rehm reagieren. Er entschied sich nicht für die offensichtlichste Variante mit Fatih Kaya, auch nicht für Arian Llugiqi aus der zweiten Mannschaft. Im Zweiersturm startete neben Dennis Eckert Ayensa stattdessen Thomas Keller. Das Eigengewächs verteidigt normalerweise im Zentrum, manchmal auch im defensiven Mittelfeld.

Zur Halbzeit revidierte Rehm seine Entscheidung, nachdem sich Sulejmani besser gefühlt hatte. Keller blieb in der Kabine. Mit weniger Torschüssen und Ballkontakten als Keller machte es der gelernte Stürmer Sulejmani allerdings kaum besser als der Vertreter in der Not ...

21. Spieltag: Jannis Heuer (SC Paderborn)

Sven Michel kurzfristig weg, Dennis Srbeny seit Saisonbeginn im Formtief: Also probierte SCP-Trainer Lukas Kwasniok im Test gegen Bielefeld (2:0) Ende Januar seinen Innen- bzw. Rechtsverteidiger-Reservisten Jannis Heuer aus - und war zufrieden: Mit seiner hohen Grundschnelligkeit verbuchte Heuer einige gelungene Aktionen.

In der 2. Liga gegen St. Pauli erhielt der Neuzugang von Wolfsburg II kurz darauf auch im Ernstfall das Vertrauen. 65 Minuten lang stürmte tatsächlich Abwehrmann Heuer, während namhafte Kollegen wie Kai Pröger sowie Felix Platte von draußen zuschauten. Beim 2:2-Remis schwamm er letztendlich aber eher mit, vergab eine gute Chance.

In der folgenden Woche durften dann zwar wieder Srbeny und Pröger in vorderster Reihe ran - allerdings mit überschaubarem Erfolg. Dass Kwasniok sein Experiment mit Heuer wiederholt? Alles andere als ausgeschlossen.

12. Spieltag: Bashkim Ajdini (SV Sandhausen)

Mit Bashkim Ajdini taucht in dieser kurzen Liste ein weiterer Rechtsverteidiger auf. Gegen Dynamo Dresden startete er mindestens eine, eher zwei Positionen weiter vorne als gewohnt. Zwar gewann der SVS mit 1:0, Ajdini (kicker-Note 4,5) konnte sich jedoch nicht nachdrücklich als Außenstürmer empfehlen. Er schoss einmal aufs Tor, gewann nur ein Viertel seiner Zweikämpfe und brachte etwas mehr als die Hälfte seiner Pässe an den Mann.

Trainer Alois Schwartz setzte Ajdini fortan wieder defensiver ein. Schließlich ist der 29-Jährige mit bisher 14 Toren in über 200 Profispielen ohnehin nicht gerade als Torjäger bekannt.

3. Spieltag: Felix Agu (Werder Bremen)

Ähnlich wie Ajdini bekleidete einmal auch Felix Agu etwas überraschend den Außenstürmerposten im 4-3-3-System. Normalerweise rechts hinten beheimatet, wurde er von Markus Anfang am 3. Spieltag gegen Paderborn auf der spiegelverkehrten Seite offensiv ausprobiert. Neben der damaligen Personalnot wohl die Idee: Agu könnte von links nach innen ziehen und mit dem starken rechten Fuß in Abschlusssituationen kommen. In der Realität klappte das selten, genauer gesagt reichte es zu einem Torschuss. Auch die kicker-Note 4,5 und das Endergebnis (1:4) sprechen eine klare Sprache.

Nach einer Hälfte hatte Anfang genug gesehen und beorderte seinen Aushilfsstürmer nach hinten. Weil Agu durchspielen durfte, begegnete er in den letzten sechs Minuten Jannis Heuer. Der Paderborner wurde in diesem Fall aber als Rechtsverteidiger eingewechselt ...

pab

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