Tennis

French Open: Musetti, Badosa, Zidansek, Davidovich Fokina drehen auf

Wer außer den Siegern zu den Gewinnern gehört

Vier Aufsteiger der French Open 2021

Sie überzeugten als Ungesetzte: Alejandro Davidovich Fokina, Paula Badosa, Lorenzo Musetti und Tamara Zidansek (v. li.).

Sie überzeugten als Ungesetzte: Alejandro Davidovich Fokina, Paula Badosa, Lorenzo Musetti und Tamara Zidansek (v. li.). Getty Images

Ungesetzt und mit einem ganz besonderen Fähigkeitenprofil schlug Barbora Krejcikova aus Tschechien die gesamte Konkurrenz. In ihrem Schatten aber spielten sich noch weitere bis dato eher wenig bekannte Namen in den Fokus.

Alejandro Davidovich Fokina (22)

Erst bei Alexander Zverev im Viertelfinale war Endstation: Davidovich Fokina steht für Spektakel, unfassbare Willensstärke und hin und wieder unerklärliche Aussetzer. Keinen Ball gibt er verloren. Sein Drittrundenmatch gegen Casper Ruud (7:5 im Fünften) gehörte zu den spannendsten des gesamten Turniers. Dass er sich auf Sand wohlfühlt, hatte der Spanier zuvor schon in Monte Carlo, Estoril und Rom bewiesen. Wenn er sein Temperament in den Griff bekommt und es gleichzeitig gewinnbringend einsetzt, kann er auch für die Elite regelmäßig zum Stolperstein werden.

Paula Badosa (23)

Die großgewachsene Spanierin reiste mit gewaltigem Rückenwind nach Paris: Halbfinale in Charleston, Halbfinale in Madrid, Sieg in Belgrad - allesamt auf Sand. Da verwunderte es wenig, dass viele Blicke auf sie gerichtet wurden. Der extrem knifflige Drittrundensieg über Ana Bogdan (2:6, 7:6, 6:4) kostete Energie, die ihr beim ebenso knappen Nervenspiel gegen Tamara Zidansek (6:8 im Dritten) dann fehlte. Auffällig: Mit dem Rücken zur Wand befreite sich Badosa mit kraftvollem Spiel immer wieder aus Notlagen und spielte ihr bestes Tennis. Nun folgt die Rasensaison, in der sie bisher noch gar keine Erfolge vorzuweisen hat.

Lorenzo Musetti (19)

Der junge Italiener beherrscht das vollständige Repertoire an Schlägen. Er ist technisch brillant, streut Überraschungen in die Ballwechsel ein und wirkt dabei so unbekümmert, als ginge ihn das alles herzlich wenig an. Schon in den Vormonaten hatte Musetti immer wieder kleine Ausrufezeichen gesetzt und Top-Spieler wie Schwartzman und Dimitrov geschlagen. Wie er nun aber durch das Feld der French Open pflügte und einen soliden Gegner nach dem anderen rausnahm - Goffin, Nishioka, Cecchinato -, beeindruckte. Der Höhepunkt sollte aber erst im Achtelfinale warten, als Musetti den Weltranglistenersten Novak Djokovic zwei Sätze lang dominierte, in den Tie-Breaks der Ruhigere und Mutigere war. Mit etwas mehr Erfahrung und körperlicher Härte mag er einen solchen Vorsprung zukünftig auch ins Ziel bringen. Mit seiner Aufgabe im Entscheidungssatz - trotz keiner echten Verletzung, wie er selbst zugab - machte sich Musetti nicht nur Freunde.

Tamara Zidansek (23)

Ihr lautstarker Staff legt sich mit allem und jedem an, Zidansek vermag diese Energie aber offenbar positiv zu nutzen. Als erste Slowenin erreichte sie das Halbfinale von Roland Garros. Ihre Statistiken des Turniers beeindruckten so sehr, dass man sich manches Mal wundern musste, weshalb die Matches so knapp ausgingen. In den entscheidenden Momenten ließ sie, vorher gerade einmal 85. der Welt, ihre Kontrahentinnen regelmäßig zurück ins Spiel kommen. Setzt sie ihre mächtige Vorhand aber konzentriert ein, hat kaum jemand etwas entgegenzusetzen, auch nicht die Top-Ten-Spielerin Bianca Andreescu in der 2. Runde (7:9 im Dritten) oder eben Paula Badosa (siehe oben).

pab