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Viele Enttäuschungen und ein Lichtblick: Österreichs Länderspieljahr im Rückspiegel

Solide EM, verpatzte WM-Qualifikation

Viele Enttäuschungen und ein Lichtblick: Österreichs Länderspieljahr im Rückspiegel

Österreich beendete das Länderspieljahr 2021 mit zwei Siegen in Folge.

Österreich beendete das Länderspieljahr 2021 mit zwei Siegen in Folge. GEPA Pictures

Sieben Siege, zwei Unentschieden, sieben Niederlagen. So liest sich die nüchterne Bilanz der österreichischen Nationalmannschaft am Ende des Länderspieljahres 2021. Erstmals seit 2016 schloss das ÖFB-Team somit ein Jahr mit keiner positiven Ausbeute ab. Trotz der durchwachsenen Bilanz wird Franco Foda im März bei den WM-Play-offs an der Seitenlinie stehen. Denn die Minimalziele wurden auch heuer erreicht - ein Rückblick.

WM-Qualifikation

Nach einem soliden WM-Qualifikations-Start mit einem 2:2-Unentschieden in Schottland sowie einem 3:1-Heimsieg über die Färöer folgte am Ende des Lehrgangs im März der erste große Dämpfer. Gegen Dänemark, das vor Beginn der Qualifikation als Österreichs größter Gegner auf Gruppenplatz eins ausgemacht worden war, setzte es in Wien eine herbe 0:4-Pleite. Innerhalb von 15 Minuten schlug es im Tor von Alexander Schlager viermal ein, selbst gelang Österreich kein einziger Schuss auf das Tor der Dänen.

"Wir wollten mutig Fußball spielen, aber es ist komplett das Gegenteil passiert", fasste David Alaba den insbesondere in der zweiten Halbzeit inferioren Auftritt seiner Mannschaft zusammen. Diesen Satz konnte man durchaus als Kritik an Foda verstehen, der damalige Präsident Leo Windtner stärkte dem Deutschen jedoch den Rücken: "Eine Teamchef-Diskussion ist komplett unangebracht zu diesem Zeitpunkt. Der Teamchef hat die Qualifikation für die Euro geschafft, daher werden wir auch mit ihm in die EM gehen."

Österreich zeigt bei EM auf

In dieser gelang Österreich nach zwei sieglosen Vorbereitungsspielen (0:1 in England, 0:0 gegen die Slowakei,) mit einem 3:1-Erfolg über Nordmazedonien der vermeintliche Befreiungsschlag. Auf den Pflichtsieg - dem ersten in der rot-weiß-roten EM-Geschichte - gegen den Debütanten folgte jedoch der nächste Dämpfer: Alaba und Co. unterlagen den Niederlanden in Amsterdam aufgrund eines mutlosen Auftritts mit 0:2. "Gegen eine solche Mannschaft war das einfach zu wenig", befand Martin Hinteregger. Somit musste Österreich in einem vermeintlichen Entscheidungsspiel gegen die Ukraine bestehen.

Vermeintlich deshalb, weil sich letztlich beide Mannschaften für das Achtelfinale qualifizierten. Dieser Umstand soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Österreich gegen die Ukraine eine starke Leistung zeigte und sich dank des 1:0 hochverdient zum ersten Mal für ein EM-Achtelfinale qualifizierte. "Eindrucksvoll und fantastisch", fand Foda die Darbietung seiner Mannschaft - und dennoch rechnete sich für die Runde der letzten 16 wohl kaum jemand etwas aus. Denn mit Italien wartete ein Gegner, der zuvor in 30 Spielen ungeschlagen geblieben war.

Das ÖFB-Team bekam dies in der ersten Halbzeit auch zu spüren, zu Beginn der zweiten Hälfte konnten sich Fodas Mannen aber immer öfter befreien. Nach 65 Minuten sorgte Marko Arnautovic per Kopf dann sogar für die 1:0-Führung. Dachte man. Aufgrund einer Abseitsstellung wurde der Treffer aberkannt. "Wir haben schon oft genug diskutiert wegen dieser VAR-Geschichte. (...) Das hat mit Fußball nichts zu tun", meinte der 32-Jährige im Anschluss an die Partie. Der Frust saß tief bei den Österreichern, gewann der spätere Champion Italien schließlich mit 2:1 nach Verlängerung.

Die ÖFB-Noten zum 4:1-Sieg gegen die Republik Moldau

"Das in Worte zu fassen, ist im Moment gerade wirklich nicht einfach. Wir können stolz auf uns sein, auch Österreich kann stolz auf uns sein. Letzten Endes wurden wir für diese Leistung, diese komplette Endrunde nicht belohnt", sagte etwa Alaba. Foda war für seine Spieler voll des Lobes: "Wir haben toll gespielt, selbst nach dem 0:2 nie aufgegeben und nach dem 1:2 noch Chancen gehabt. Man hat gesehen, die Mannschaft hat an sich geglaubt, ganz Österreich kann auf dieses Nationalteam sehr stolz sein." 

Keine Frage: Das Spiel gegen Italien war für ganz Fußball-Österreich ein Lichtblick. Unter dem Strich blieb letztlich aber das Aus im Achtelfinale. Ein Ergebnis, das Österreich in Anbetracht der nicht allzu schweren Gruppe und der hohen Kaderqualität fast schon erreichen musste. 

Dennoch schienen die Diskussionen um Foda fürs Erste erledigt zu sein. Dass dieser Umstand nur von kurzer Dauer war, ist auf einen katastrophalen Lehrgang im September zurückzuführen: Zwar gewann Österreich in Moldau trotz einer glanzlosen Leistung noch mit 2:0, bei den Niederlagen in Israel (2:5) und zuhause gegen Schottland (0:1) offenbarte das Team jedoch Schwächen, die man nach der guten Europameisterschaft nicht mehr für möglich gehalten hatte. In Tel Aviv agierte Österreich in der Defensive teils vogelwild, drei Tage darauf ließ in Wien vor allem die Offensive sämtliche Wünsche offen.

Kein Torschuss gegen Dänemark

Im Oktober folgte daraufhin ein 2:0-Pflichtsieg auf den Färöer, ehe Österreich in Dänemark mit 0:1 verlor. Liest sich das Ergebnis noch einigermaßen akzeptabel, so lässt ein Blick auf die Statistik tieferblicken: Erneut gelang der ÖFB-Elf kein einziger Abschluss. Fazit: In 180 Minuten verzeichnete Österreich gegen die Dänen keinen Schuss auf das Tor von Kasper Schmeichel. Angesichts dieser Zahl überrascht auch ein Blick auf die Abschlusstabelle der Gruppe F nicht unbedingt. Nach zehn Spieltagen fehlten Österreich elf Punkte auf die Skandinavier.

Die beiden Heimsiege gegen Israel (4:2) und Moldau (4:1) sorgten zumindest für einen halbwegs versöhnlichen Abschluss der WM-Qualifikation, die Österreich hinter Dänemark, Schottland und Israel nur auf Platz vier beendete. Somit wurde das historisch schlechteste Abschneiden der ÖFB-Geschichte eingestellt. Anschließend sprach Neo-Präsident Gerhard Mitteltich Foda dennoch das Vertrauen aus: "Wir werden das Play-off sicher mit Franco Foda als Teamchef machen." Für dieses konnte sich Österreich über die Nations League qualifizieren.

Was bleibt also von diesem Länderspieljahr 2021? Wenig Fisch, kaum Fleisch. Auf eine solide Europameisterschaft mit einem Highlight-Match gegen Italien folgte ein äußerst schwacher Lehrgang im September, der als Hauptgrund für den vierten Platz in der Qualifikation auszumachen ist. Da mit dem EM-Achtelfinale sowie dem Erreichen der WM-Play-offs jedoch die Minimalvorgaben erfüllt wurden, wird Foda auch das kommende Jahr als Teamchef begehen. Weniger dürften die Diskussionen um den Deutschen aber nicht werden. Denn klar ist auch: In spielerischer Hinsicht muss sich das österreichische Nationalteam etwas einfallen lassen. Beim Spiel gegen Moldau kamen nur 1.800 Zuschauer ins Stadion.

nf