Regionalliga

Eichstätts Coach Markus Mattes: "Eichstätts Aufbau ist auch mein Baby"

Coach des Regionalligisten im kicker-Interview

VfB-Trainer Mattes: "Eichstätts Aufbau ist auch mein Baby"

Eichstätts Trainer Markus Mattes verlängerte im Februar seinen Vertrag beim VfB.

Eichstätts Trainer Markus Mattes verlängerte im Februar seinen Vertrag beim VfB. imago images

Herr Mattes, der deutsche Amateurfußball wurde auf unbestimmte Zeit stillgelegt. Wie beunruhigend ist die Lage beim VfB Eichstätt?
Die größte Problematik, wie bei ziemlich allen Regionalligavereinen, besteht im finanziellen Bereich. Die fehlenden Einnahmen gehen an die Substanz.

Falls es so kommt: Wie schlimm wäre ein Saisonabbruch für Ihren Klub?
Ehrlich gesagt wäre ein Saisonabbruch aus unserer Sicht die deutlich beste von vielen schlechten Optionen. Sportlich sind wir im gesicherten Mittelfeld, somit würde uns ein Abbruch nicht wirklich schaden.

VfB Eichstätt - Vereinsdaten
VfB Eichstätt
Trainersteckbrief Mattes
Mattes

Mattes Markus

Spielersteckbrief Steinhöfer
Steinhöfer

Steinhöfer Markus

Spielersteckbrief Träsch
Träsch

Träsch Christian

Spielersteckbrief Schelle
Schelle

Schelle Marcel

Wie halten sich Ihre Spieler, die keine Profis sind, finanziell über Wasser?
Der Verein hat alle Zahlungen ausgesetzt. Der Vorteil des Amateurstatus ist, dass viele Spieler ihr Einkommen aus Ihrem Hauptjob beziehen und zumindest der Lebensunterhalt gesichert ist. Der Nachteil ist, dass der VfB somit keine Möglichkeit hat, über Kurzarbeitergeld die Auswirkungen etwas abzufedern. Richtig hart trifft es unsere Schüler und Studenten.

Hat die aktuelle Problematik auch Auswirkungen auf die Kaderplanung?
Es macht alle Planungen extrem schwierig, solange niemand weiß, wann und wie es weitergeht, hängt man diesbezüglich mehr oder weniger in der Luft. Auch Etatplanungen sind fast nicht möglich.

Ihnen werden magische Kräfte, Glück beim Perlentauchen in unteren Spielklassen und eine gewisse Staubsaugerverkäufermentalität nachgesagt. Sind diese drei Faktoren das Geheimnis Ihres Scoutings?
Als Staubsaugerverkäufer wäre ich wohl nicht überlebensfähig (lacht). Klar braucht man beim Scouting auch etwas Glück, ich denke ein gewisses Gespür für Menschen und vor allem für Charaktere gehört dazu. Aber der entscheidende Punkt ist zu erkennen, ob ein Spieler aus niedrigeren Klassen das entsprechende Entwicklungspotenzial hat oder eben nicht.

Marcel Schelle

Mittelfeldspieler Marcel Schelle wechselte im Winter aus Lübeck zurück zum VfB. imago images

Der große Coup dieses Winters war die Rückholaktion von Marcel Schelle vom VfB Lübeck. Mit welchen Argumenten haben Sie ihm ein zweites Mal Eichstätt ans Herz gelegt?
Über Marcels Rückkehr freuen wir uns natürlich. Er hat sich in Eichstätt einfach wohl gefühlt und auch sehr erfolgreich gespielt. Manchmal macht es Sinn, erstmal zur gewohnten Basis zurückzukehren, um dann den nächsten Schritt in Angriff nehmen zu können.

Dass nicht jeder dicke Fisch im Netz zappelt beweist die Personalie Christian Träsch. Was hat denn gefehlt, um diesen Ex-Profi wie im letzten Jahr Markus Steinhöfer, für das grün-weiße Trikot zu begeistern?
Träschi wollte den Zeitpunkt für das Ende seiner Profikarriere einfach selbst bestimmen und hat mit Al Wasl in Dubai natürlich nochmal die Möglichkeit gesehen, eine tolle Lebenserfahrung für sich und seine Familie zu sammeln. Steini hatte zum damaligen Zeitpunkt für sich bereits eine Entscheidung getroffen und wollte zurück zu seiner Familie nach Weißenburg, für uns war das damals natürlich ein absoluter Glücksfall.

Immerhin ist es Ihnen bereits gelungen, etliche Leistungsträger wie Jonas Fries, Julian Kügel, Sebastian Graßl, Dominik Wolfsteiner und Torjäger Fabian Eberle über den 30. Juni 2020 hinaus zu binden. Ein Schachzug, der Gold wert sein könnte, oder sehen Sie das anders?
Es freut uns sehr, dass bereits viele unserer Jungs zugesagt haben und den Weg weiter mitgehen wollen. Gerade in der aktuellen Situation wäre ein ähnlicher Umbruch wie vor dieser Saison schier nicht zu bewältigen. Entsprechend geben uns die vielen Verlängerungen natürlich eine gewisse Sicherheit für die nähere sportliche Zukunft.

Eichstätt steht auf Platz 6. Zeigt das, dass der XXL-Umbruch im Sommer ganz gut gelungen ist?
Absolut. Wenn man bedenkt dass wir mit Özhitay, Zant, Haas und Steinhöfer fast unseren kompletten Abwehrverbund und sehr viel individuelle Qualität verloren haben, stehen wir mit den zweitwenigsten Gegentoren der Liga im Moment wirklich hervorragend da. Rein sportlich ist die aktuelle Leistung wohl sogar noch höher einzuschätzen, als die sensationelle Amateurmeisterschaft der vergangenen Saison.

Sie haben ja kürzlich ebenfalls Ihren Vertrag in Eichstätt verlängert. Was sprach dafür?
Zugegeben war die Entscheidung diesmal nicht ganz so einfach. Es lag doch die ein oder andere interessante Anfrage vor. Schlussendlich sehe ich das, was wir in den letzten Jahren hier alles aufgebaut haben. Dieser Aufbau ist auch mein "Baby". Am Ende waren auch die entsprechenden Signale aus der Mannschaft ausschlaggebend für meine Entscheidung.

Das Interview mit Markus Mattes können Sie auch in der aktuellen Donnerstagsausgabe des kicker lesen. Alle Ausgaben des kicker lesen Sie direkt bei Erscheinen bequem digital als eMagazine - aktuell für nur 99 Cent pro Woche.

Interview: Bernd König