Amateure

VfB Linz: Ein Bezirksligist darf vom DFB-Pokal träumen

Größter Underdog beim "Finaltag der Amateure"

VfB Linz: Ein Bezirksligist darf vom DFB-Pokal träumen

Klappt der große Wurf? Wenn der VfB Linz auch gegen Rot-Weiß Koblenz einen Sieg bejubelt, steht der Bezirksligist im DFB-Pokal.

Klappt der große Wurf? Wenn der VfB Linz auch gegen Rot-Weiß Koblenz einen Sieg bejubelt, steht der Bezirksligist im DFB-Pokal. CREATIV / Heinz-Werner Lamberz

2020 hätte groß gefeiert werden sollen, denn der VfB Linz wurde 100 Jahre alt. Der Markplatz war gebucht und regional bekannte Bands gaben ihre Zusage. Doch Corona ließ diese Feierlichkeiten in der im nördlichen Rheinland-Pfalz gelegenen "bunten Stadt am Rhein" ins Wasser fallen.

"Jetzt gibt es dafür zumindest eine kleine Entschädigung", sagt Abteilungsleiter Björn Nietzard und meint damit das Qualifikationsspiel für den DFB-Pokal am Samstag im Stadion Oberwerth in Koblenz. Dorthin wurde der VfB gelost und darf sich mit Regionalligist Rot-Weiß Koblenz duellieren. Für Linz das größte Spiel der Vereinsgeschichte, nachdem der Klub im Landespokal bisher "nur" dem einen oder anderen Oberligisten ein Bein stellen konnte. Aber ein Pflichtspiel gegen einen Regionalligisten, das ist eine ganz andere Kategorie. "Eine einmalige Chance", so bezeichnet Nietzard dieses Qualifikationsspiel für seinen VfB.

Seit anderthalb Wochen ist auch sportlich alles auf den großen Tag ausgerichtet. Von der örtlichen Kommune gab es eine Sondergenehmigung für komplettes Mannschaftstraining, vor jeder Einheit wird der komplette Kader durchgetestet. Und der ist bereit: "Am Willen wird es definitiv nicht scheitern, jeder ist 120 Prozent heiß", unterstreicht Nietzard, der Koblenz' Spielpraxis zwar generell als Vorteil sieht, gleichzeitig aber auch feststellt: "Die haben 39 Spiele in der Saison hinter sich, hatten viele englische Wochen."

Der junge Linzer Kader - laut Nietzard mit einem Durchschnittsalter von 22,5 Jahren - habe sich auch über den langen Corona-Winter fitgehalten und Trainer Behar Prenku, der lange Zeit im Jugendbereich tätig war und jetzt vor seiner größten Aufgabe im Herrenbereich steht - hat sich schon eine Taktik zurechtgelegt, wie man den Regionalligisten packen kann. Verraten wird die natürlich nicht.

Die Liveübertragung im "SWR" ist zusätzliche Motivation, denn in Corona-Zeiten ist nur über diesem Weg ein großes Publikum möglich. Vor Ort, im Stadion Oberwerth in Koblenz, sind nur 100 Zuschauer zugelassen. Die 50 Linzer Tickets waren schnell verteilt, der Vorstand fährt mit und auch einige Angehörige der Spieler. Leicht vorstellbar, dass in "Nicht-Corona-Zeiten" ein oder mehrere Busse die gut 40 Kilometer von Linz nach Koblenz angetreten hätten. Das ist aber nicht möglich, genauso wie ein großes Public Viewing im Sportheim. "Vielleicht treffen sich irgendwo drei, vier Leute zum Grillen und schauen dort das Spiel, aber mehr wäre in diesen Zeiten unverantwortlich", sagt Nietzard, im Hauptberuf Feuerwehrmann.

Unser Konzept ist, mit jungen Spielern aus der Region zu arbeiten. Dieses Konzept trägt sportlich immer mehr Früchte.

Björn Nietzard, Abteilungsleiter beim VfB Linz

Doch trotz der pandemiebedingten Restriktionen ist der Samstag Gold wert für den Verein. Sowohl was die Wahrnehmung bei Sponsoren anbelangt als auch bei potenziellen Neuzugängen. "Wir waren da aber bisher auch schon gut aufgestellt", so Nietzard, der betont, dass sein Verein jetzt keine verrückten Dinge machen wird: "Unser Konzept ist, mit jungen Spielern aus der Region zu arbeiten. Dieses Konzept trägt sportlich immer mehr Früchte und soll uns in näherer Zukunft in die Rheinlandliga (6. Liga, d. Red.) führen. Wir sind da sehr bodenständig."

Genauso geerdet geht man auch den "Finaltag der Amateure" an. Gedanken an den DFB-Pokal, der bei einem Sieg über Koblenz erreicht wäre? Noch nicht, erstmal zähle nur der Samstag, so Nietzard. Doch ein wenig geträumt werden darf: "Unser 1. Vorstand ist Mönchengladbach-Fan. Und freilich würden sich hier alle freuen, wenn in der ersten Runde der 1. FC Köln zu Gast wäre", verrät Nietzard, denn Köln-Müngersdorf ist von Linz auch nur rund eine Autostunde entfernt. Freilich wäre in diesem Fall die eigene Sportanlage etwas zu klein, ein Umzug nach Bonn oder Koblenz stünde im Raum. Doch erstmal zählt der Samstag.

Mit Rot-Weiß Koblenz hat der VfB übrigens noch eine kleine Rechnung offen: Vor Saisonbeginn verlor Linz ein Testspiel gegen den Regionalligisten mit 1:5. Das soll diesmal aus Linzer Sicht natürlich anders laufen, denn auch im Hinblick auf die TV-Übertragung sagt Nietzard: "Da willst du natürlich nicht untergehen." Auf den VfB Linz wird am Samstag schließlich besonders geschaut werden, denn er ist der einzige richtige Amateurvertreter zwischen all den Dritt- und Regionalligisten.

Stefan Wölfel

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