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Vermarkterwechsel beim DFB: Koch raus, Infront rein

Verband arbeitet wieder mit Vermarkter zusammen

Vermarkterwechsel beim DFB: Koch raus, Infront rein

Im Zentrum einiger Verwerfungen: Rainer Koch (li.) und Bernd Neuendorf.

Im Zentrum einiger Verwerfungen: Rainer Koch (li.) und Bernd Neuendorf. UEFA via Getty Images

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) steckt voller Überraschungen. Die neueste Wendung in der nicht gerade geruhsamen, jüngeren Verbandsgeschichte aber bietet eine ganz besondere Pointe.

Heimlich, still und leise hat der DFB zur Saison 2022/23 die Zusammenarbeit mit Infront wieder aufgenommen. Das bestätigt die Medienabteilung auf Anfrage: "Nach einer öffentlichen Ausschreibung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat das Schweizer Vermarktungsunternehmen Infront den Zuschlag als technischer Dienstleister Bandenwerbung erhalten. Infront ist künftig für die Bereitstellung und Bedienung von LED-Bandenwerbung bei DFB-Pokal- und Länderspielen zuständig. Die Inhalte zur Bespielung der Banden stellt auch künftig der DFB gemeinsam mit seinen Partnern." Infront und der DFB, war da nicht etwas?

Rückblick ins Jahr 2019: Der DFB erhält einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten bei der Bandenwerbung. Deshalb holt die Verbandsspitze um den damaligen Interimspräsidenten Dr. Rainer Koch, Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius und Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge die umstrittene Ermittlungsfirma Esecon in den Verband.

Am Ende dieser Aufklärung steht ein Vergleich mit Infront. Bei dem Vermarkter soll damals ein Manager ein System ausgetüftelt haben, um durch Sekundenklau bei der Bandenwerbung zusätzliche Mittel zu erwirtschaften und diese in die eigene Tasche umzuleiten. Infront räumte dies ein, stellte dem Verband sogar Ergebnisse einer eigenen Ermittlung zur Verfügung. Verurteilt ist der Beschuldigte noch nicht, was auch an mehrfachen Personalwechseln bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Thurgau liegen könnte. Doch die Esecon-Ermittler wollen noch mehr Schmutz seitens Infront gefunden haben.

Trennung und Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehung

Gestützt darauf, kündigte der DFB den noch laufenden Vertrag mit dem Vermarkter im Juni 2020. Infront widersprach der Wirksamkeit dieser Kündigung und warf Esecon seinerseits "abstruse Verdächtigungen", "unseriöse Informationsquellen" und die Verwendung "nachweislich gefälschter Dokumente" vor. Am Ende verglich man sich im September 2020.

Koch rechtfertigte das Vorgehen im ZDF-Sportstudio so: Der Verband habe 1,7 Millionen Euro investiert und mehr als das Zehnfache herausgeholt. Das wären 17 Millionen Euro, mindestens. Andere sprechen von einem Nullsummenspiel. Die SZ schrieb sogar von 28 Millionen Euro, die der DFB hätte nachbezahlen müssen.

Nun ist es im Wirtschaftsleben nichts völlig Unnormales, dass auf eine Trennung irgendwann die Wiederaufnahme einer Geschäftsbeziehung folgt. Wie bei Infront und dem DFB, zumal die neue Kooperation keine klassische Vermarktungspartnerschaft darstellt. Es handelt sich lediglich um eine Dienstleistung, Bereitstellung und Bedienung der LED-Bandentechnologie also um einen vergleichsweise "kleinen" Vertrag. Doch der öffentlich mit viel zerschlagenem Porzellan ausgetragene Streit ist ja nur ein Aspekt in dieser Geschichte.

Komplott gegen Ex-Präsident Keller?

Denn, so zumindest stellen es Koch, Curtius und Osnabrügge dar, bei der Trennung von Infront soll ja auch Kurt Diekmann seine Finger im Spiel gehabt haben. Der Medienberater habe den Prozess kommunikativ begleitet. Das satte Honorar: 360.000 Euro. Der ehemalige DFB-Präsident Fritz Keller dagegen vermutete hinter dem Diekmann-Mandat ein Komplott gegen sich. Darüber hinaus haben verschiedene Medien aus E-Mails zitiert, die Diekmann mit dem Sturz von Keller-Vorgänger Reinhard Grindel in Verbindung bringen.

Die Affäre Diekmann hat den Verband mächtig durcheinandergewürfelt. Keller weg, mit seinem Büroleiter Samy Hamama verglich man sich, günstig soll das für den DFB nicht gewesen sein. Die Ethikkommission zerschlug sich selbst oder wurde zerschlagen, je nach Lesart. Ulrich Ruf, einst Vorsitzender des Prüfungsausschusses, trat nicht mehr zur Wahl an mit Verweis auf "bedenkliche und ernüchternde Erfahrungen im Zusammenhang mit der Causa Diekmann". Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main ermittelt wegen des Verdachts der Untreue in der Sache, die Rede ist von einem Scheinvertrag. Die Beschuldigten haben die Vorwürfe zurückgewiesen, es gilt die Unschuldsvermutung.

Die DFB-Trikots von 1934 bis heute

Doch vor dem Hintergrund der erdrutschartigen Folgen, die die Sache auslöste, wirkt die neuerliche Zusammenarbeit des DFB mit Infront zumindest erstaunlich. Wann der Vertrag geschlossen wurde, teilt man nicht mit. Doch dass die Schweizer seit Beginn der Saison 2022/23 die LED-Bandentechnologie stellen, erweckt den Eindruck: Koch, Osnabrügge und Curtius raus, Infront rein.

Koch verlor eine Kampfabstimmung beim DFB-Bundestag im März gegen Prof. Dr. Silke Sinning, gehört seither nicht mehr dem Präsidium an, nur noch als Vertreter des Süddeutschen Fußballverbandes dem Vorstand. Osnabrügge trat nicht mehr an. Mit Curtius einigte man sich im Mai 2021 auf ein Ende der Zusammenarbeit.

Benni Hofmann

Bernd Neuendorf ist die Nummer 14: Die bisherigen DFB-Präsidenten