Bundesliga

Vergebliche Appelle: Bochum stellt Trainer Reis frei

Butscher übernimmt interimsweise

Vergebliche Appelle: Bochum stellt Trainer Reis frei

Sechster Spieltag, sechste Niederlage: Thomas Reis am Samstag auf Schalke.

Sechster Spieltag, sechste Niederlage: Thomas Reis am Samstag auf Schalke. IMAGO/Laci Perenyi

Am Ende nützten auch die vielen Appelle nichts mehr. Thomas Reis hatte nach der 1:3-Niederlage auf Schalke am Samstag in Richtung Klubführung erklärt, "gerne weitermachen" zu wollen ("Man kann es auch mit mir machen"), Stürmer Simon Zoller ein Plädoyer für den Trainer gehalten. Doch am Montag wurde es offiziell: Nach fast exakt drei Jahren trennt sich der VfL Bochum von Reis. Auch Co-Trainer Markus Gellhaus muss gehen.

"Dass uns diese Entscheidung nicht leichtfällt, dürfte allen klar sein", sagt der neue Sport-Geschäftsführer Patrick Fabian. "Thomas Reis hat eine Verbindung zu Verein und Stadt, die über die erfolgreichen vergangenen drei Jahre hinausreicht." Aber: "Wir müssen dringend Lösungen finden, die sportlich sehr schwierige Situation zu verbessern und zugleich Themen, die darauf negativen Einfluss haben, auszublenden."

Butscher übernimmt zum zweiten Mal als Interimstrainer

Der VfL ist - auch durch viele Verletzungen in der Defensive gebeutelt - erst als dritte Mannschaft der Bundesliga-Geschichte mit sechs Niederlagen in die Saison gestartet (wie Fortuna Düsseldorf 1991/92 und Mainz 05 2020/21). Zudem schien die Harmonie zwischen Reis und den Klub-Oberen verflogen zu sein. Die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung waren nach dem Zögern des 48-Jährigen vertagt worden

Fabian: "Richtig ist, dass es vor der Saison Bestrebungen gab, die gemeinsame Arbeit fortzusetzen. Da die Vertragsverhandlungen immer häufiger die öffentliche Wahrnehmung beeinflussten, haben wir uns gemeinsam mit dem Trainer dazu entschieden, diese zu vertagen und es anschließend so kommuniziert. Ziel dieser Maßnahme war auch, den Fokus auf den Sport zu richten und somit Ruhe einkehren zu lassen."

Interimsweise übernimmt U-19-Trainer Heiko Butscher, der von 2005 bis 2007 sowie von 2013 bis 2015 selbst das VfL-Trikot trug - und im Februar 2018 schon einmal eingesprungen war (und 2:1 gegen Darmstadt gewann). "Zugleich arbeiten wir daran, die Nachfolge auf der Cheftrainerposition zu regeln", so Fabian.

Reis "hat uns aus der Scheiße gezogen"

Dass die Bochumer mit Reis eine, wenn nicht die Erfolgsfigur der letzten Jahre verlieren, ist unstrittig. Nachdem er am 6. September 2019 seinen ersten Cheftrainerposten im Profibereich angetreten hatte, war war es dem früheren VfL-Profi gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren und 2021 überraschend in die 1. Liga und dort souverän zum Klassenerhalt zu führen.

Zehn Frischlinge, Leipzigs fulminante Rückkehr mit Top-Note: Die Elf des 6. Spieltags

"Dieser Trainer kam vor drei Jahren und hat uns aus der Scheiße gezogen", hatte Zoller am Samstag betont. "Wir haben drei Jahre eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Und der VfL Bochum spielt Bundesliga. Da gehört der Trainer am meisten mit dazu." Nun ist stattdessen die zweite Trainerentlassung der jungen Bundesliga-Saison perfekt. Vergangene Woche hatte bereits Marco Rose bei RB Leipzig Domenico Tedesco beerbt.

"So schön diese Ereignisse auch waren, sind sie mittlerweile von der Realität eingeholt worden", schreibt der VfL am Montag über Reis' Amtszeit. "Das Team hat sich immer noch nicht gefunden." Deshalb habe eine "gründliche und tiefgehende Analyse stattgefunden, für die sich die Vereinsführung bewusst sehr viel Zeit genommen hat, um der Tragweite der Entscheidung gerecht zu werden". 

jpe

Das sind die Trainer der Bundesligisten 2022/23