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Fans protestieren gegen KNVB-Präsidentschaftskandidaten

"Supporterscollectief Nederland" schlägt selbst einen Kandidaten vor

"Vereine haben keine Wahl": Fans protestieren gegen KNVB-Präsidentschaftskandidaten

Die Fans von Willem II protestierten am vergangenen Freitag mit einem Spruchband gegen Frank Paauw.

Die Fans von Willem II protestierten am vergangenen Freitag mit einem Spruchband gegen Frank Paauw. IMAGO/Pro Shots

Die Bilder der vergangenen Wochen aus den niederländischen Stadien erinnern an Aufnahmen aus Bundesliga-Arenen vor gut vier Monaten. Fast in jedem Stadion protestieren Fans mit Sprechchören und Spruchbändern, die sich an den niederländischen Verband (KNVB) richten.

Anders als in Deutschland geht es aber nicht um einen möglichen Einstieg eines Investors, sondern um den - zumindest aus Verbandssicht - designierten neuen Vorsitzenden des KNVB. "Der nationale Vorstand des KNVB ernennt Frank Paauw zum neuen nationalen Vorsitzenden des Fußballverbandes", teilte der KNVB am 29. Februar mit.

Paauw wurde von einem extra eingerichteten Auswahlausschuss (Vertreter der Eredivisie CV - ECV, der Keuken Kampioen Divisie - CED, des Kommissionsrats des Profifußballs KNVB, des Mitgliederrats des Amateurfußballs KNVB und des Aufsichtsrats des Amateurfußballs KNVB) als einziger Nachfolgekandidat des aus gesundheitlichen Gründen scheidenden Just Spees nominiert und sollte am 28. März offiziell gewählt werden.

Paauw ist Befürworter des Bonus-Malus-Systems

Dies sorgte für Aufruhr bei den Fans, weil sich der 65-Jährige in seiner aktuellen Position als Amsterdamer Polizeichef für restriktive Maßnahmen einsetzt. "Er spricht sich dafür aus, dass selbst bei kleinen Verstößen Gästefans ausgeschlossen werden oder bestimmte Vereine grundsätzlich keine Gästefans empfangen", so Tim Thiemeyer, Host vom Podcast DWIDSwoch.

So ist er unter anderem ein Verfechter des Bonus-Malus-Systems. "Das bedeutet, dass man an den Stellschrauben drehen kann. Wenn sich die Auswärtsfans benehmen, kann die Regelung gelockert werden", erklärte Paauw vor rund einem Jahr im Interview mit De Telegraaf. Damals hatten sich die Ausschreitungen in den Niederlanden gehäuft. Unter anderem war Sevillas Torwart Marko Dmitrovic auf dem Spielfeld von einem PSV-Anhänger attackiert worden.

Ich wehre mich gegen das Image, dass ich ein Schreiberling bin, der nur Dinge verbieten will.

Frank Paauw

Aufgrund des großen Widerstands bezog Paauw im Algemeen Dagblad selbst Stellung. "Ich wehre mich gegen das Image, dass ich ein Schreiberling bin, der nur Dinge verbieten will", erläuterte Paauw, der die Kritik aber nachvollziehen könne. Seine Aufgabe bestehe nun darin, seinen Standpunkt deutlich zu machen.

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Dafür hat er nun länger Zeit als ursprünglich gedacht. Denn auf Bitte des Bürgermeisters von Zeist, Austragungsort der Verbandsversammlung, verlegte der Verband alle Tagesordnungspunkte der außerordentlichen Versammlung vom 28. März auf die reguläre Sitzung am 27. Mai. Der Grund für die Bitte: Die Gemeinde benötigt für die Veranstaltung "die Passion", die am Donnerstagabend stattfindet, "ihre ganze Aufmerksamkeit".

"Supporterscollectief Nederland" bringt Gegenkandidat ins Spiel

Zur Unzeit kommt die Verlegung der Abstimmung aus Sicht der Profiklubs sicher nicht - im Gegenteil. Einem Medienbericht vom Algemeen Dagblad zufolge hatten mehrere Vereine nach der Protestwelle bereits ein sorgfältigeres Nachfolgeverfahren gefordert.

In jenem Verfahren könnte nun auch Hans Nijland eine Rolle einnehmen - zumindest wenn es nach den Fans geht. "Das 'Supporterscollectief Nederland' möchte, dass mehr Kandidaten für das Amt des nationalen Vorsitzenden in Frage kommen. Ein möglicher Gegenkandidat ist Hans Nijland", schrieb das "Supporterscollectief Nederland" in einem Statement am vergangenen Sonntag und fuhr fort: "Wir hoffen, dass wir mit der Kandidatur von Nijland bei der Abstimmung eine Auswahlmöglichkeit haben werden. Das Problem ist, dass die Vereine derzeit keine Wahl haben; es heißt Paauw oder nichts."

Ich möchte Paauw nichts wegnehmen.

Hans Nijland

Nijland, der 23 Jahre beim FC Groningen als Geschäftsführer im Amt war, zeigte sich offen für Gespräche mit dem Verband. "Ich möchte Paauw nichts wegnehmen. Er ist ein guter Kandidat, er ist in der Pole Position, aber sollte das nichts werden, stehe ich zur Verfügung", so der 63-Jährige bei Nos.

Sollte Nijland zehn von möglichen 60 Stimmen, die die Vereine im Vorfeld abgeben können, erhalten, könnte er als Gegenkandidat von Paauw antreten. Zum Gewinn der Abstimmung am 27. Mai benötigt der zukünftige Verbandschef die einfache Mehrheit der 60 Wahlberechtigten (30 Ratsmitgliedern aus dem Amateurfußball und 30 Vereinsvertreter aus dem Profifußball).

Wird Paauw dann tatsächlich gewählt, dürfte der Gegenwind noch größer werden. Als Beispiel dienen sicherlich die Proteste in Deutschland, die nach dem Votum für den Einstieg eines Investors die nächste Eskalationsstufe erreichten. "Wenn der Mann gewählt wird, sage ich, dass wir Tennisbälle sehen", erklärte Thiemeyer.

Der Podcast DWIDSwoch ist Teil des "Football was my first love"-Portfolios vom kicker und auf allen gängigen Plattformen verfügbar. Wie zum Beispiel: 

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