2. Bundesliga

Veljkovic: Nationalelf, Werder-Binde - und doch ein Manko

Die Statistik passt nicht ins Bild

Veljkovic: Nationalelf-Einsätze, Werder-Binde - und doch ein Manko

Trug zuletzt sogar die Werder-Binde: Milos Veljkovic (li.).

Trug zuletzt sogar die Werder-Binde: Milos Veljkovic (li.). imago images/Joachim Sielski

Wenn Milos Veljkovic am Mittwoch nach Bremen zurückkehrt, dürfte es ihm entgegenkommen, dass Trainer Markus Anfang den Werder-Profis einen freien Tag verordnet hat. Noch am Dienstagabend stand der Verteidiger für die Nationalmannschaft Serbiens in der Partie gegen Aserbaidschan (3:1) weitere 90 Minuten auf dem Platz. Er ist aktuell der einzige berufene Bremer A-Nationalspieler.

Bereits am Samstag war er über die volle Spielzeit und zudem als Vorbereiter des Treffers zum 1:0-Sieg gegen Luxemburg in Erscheinung getreten. Dass Veljkovic nun wieder eine Konstante für die serbische Auswahl darstellt, war zumindest lange Zeit nicht der Fall: Im November 2018 spielte er letztmals zwei Länderspiele in Folge durch.

Veljkovics Aufstieg in der Hierarchie

Beim SV Werder, für den er seit seinem Wechsel aus der U 23 von Tottenham Hotspur mittlerweile schon fast sechs Jahre aktiv ist, ist er in der Hierarchie inzwischen auch aufgestiegen. Im Bremer Mannschaftsrat hat er den zuletzt vakanten Platz von Maximilian Eggestein eingenommen, gegen den Hamburger SV übernahm der Innenverteidiger nach dem Platzverweis von Christian Groß gar die Kapitänsbinde. Zuletzt gegen Heidenheim trug er diese auch erstmals von Beginn an.

Mit Ömer Toprak, Groß, Leonardo Bittencourt und Niclas Füllkrug standen da sämtliche anderen Mitglieder des Mannschaftsrates verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Dadurch habe der Mannschaft "natürlich etwas Erfahrung" gefehlt, erklärt Clemens Fritz, Bremens Leiter Profifußball. Also übernahm Veljkovic das Kommando - dabei gilt der Serbe eigentlich nicht unbedingt als Lautsprecher. "Das muss er auch nicht sein", findet Fritz und sagt über den 26-Jährigen: "Er ist ein solch erfahrener Spieler, obwohl er ja noch relativ jung ist."

Fritz: "Wir hoffen, dass er weiter in diese Position reinwächst"

Veljkovic spiele bereits "jahrelang auf einem gewissen Niveau" und wolle die Rolle als Führungsspieler annehmen, so Fritz: "Wir hoffen, dass er weiter in diese Position reinwächst." Das funktioniert natürlich in erster Linie über Leistung. Nachdem er die ersten beiden Saisonspiele aufgrund einer COVID-19-Infektion verpasst hatte, absolvierte der gebürtige Baseler zuletzt sechs Partien in Folge über die volle Distanz - viermal spielte Werder zu Null.

Fritz: "So viel sollte man auf solch Statistiken nicht geben"

Zwei individuelle Werte passen jedoch so gar nicht in dieses Bild: Mit einer Quote von 46,3 Prozent ist Veljkovic bislang der schlechteste Zweikämpfer der Liga (in der Bundesliga-Vorsaison: 55,6). Zudem weist kein anderer Spieler auf seiner Position einen geringeren Top-Speed als 30,11 km/h auf. "Er hatte auch einige Probleme mit Verletzungen, in der Vorbereitung war er nicht richtig fit. Aber ich habe den Eindruck, dass er auf einem guten Weg ist", entgegnet Fritz, "und so viel sollte man auf solch Statistiken nicht geben."

Auch Trainer Anfang kennt diese Werte, verweist jedoch darauf, dass ein Zweikampf auch dann als verloren gilt, wenn der Ball etwa ins Aus gegrätscht wird - aber der Gegner nicht am Verteidiger vorbeikommt. Grundsätzlich sei er zufrieden mit dem Innenverteidiger, nicht zuletzt im Aufbauspiel - wobei es immer Dinge zu verbessern gebe.

Toprak steht weiterhin nicht zur Verfügung

Laut Fritz verleiht Veljkovic der Mannschaft "eine gewisse Stabilität". Sonst ist ja vor allem Ömer Toprak dafür verantwortlich. Doch der Kapitän und Abwehrchef steht aufgrund von Wadenproblemen schon seit drei Spielen und weiterhin nicht zur Verfügung. Er setzt seine Reha bereits seit einigen Tagen in Leverkusen fort. "Gerade wenn man länger ausfällt, ist es auch ganz gut, mal rauszukommen", erläutert Fritz, "man hat mehr Ruhe, kann sich nur auf sich selbst konzentrieren." In der Zwischenzeit wird Veljkovic also weitere Gelegenheiten bekommen, um seine persönliche Statistik aufzubessern.

Tim Lüddecke

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