Bundesliga

Armin Veh zu Alex Meiers Karriereende: "Sein Torriecher war unglaublich"

Frankfurter Ex-Coach erinnert sich an den Aufstieg des "Fußballgotts"

Veh: "Meiers Torriecher war unglaublich"

Ein Stück Erinnerung: Armin Veh und Alex Meier in ihrer gemeinsamen Zeit bei der Eintracht.

Ein Stück Erinnerung: Armin Veh und Alex Meier in ihrer gemeinsamen Zeit bei der Eintracht. imago images

Von Armin Veh

"Als ich die Eintracht in der 2. Liga übernahm, kannte ich Alex nur oberflächlich, wie man eben einen Bundesligaspieler kennt. Zu dieser Zeit war er noch nicht der 'Fußballgott'. Ihm und Benjamin Köhler wurde der Abstieg am meisten vorgeworfen. Fortan verfolgte ich seinen Weg hautnah, wie er in Frankfurt zum sogenannten Fußballgott wurde.

Im Sommer 2011 hatten wir nach dem Abstieg als Eintracht Frankfurt zwar einen Namen, aber anfangs keine richtige Mannschaft beieinander. Alex war ganz wichtig für die Integration der Neuzugänge und auch enorm wichtig für den direkten Wiederaufstieg. Er war eine Konstante und besaß einfach die Klasse, wie auch seine 17 Tore in dieser Saison belegen. Vor allem seine Schusstechnik war außergewöhnlich. Ich habe schon einige Spieler trainiert, aber noch nie jemanden mit einem solchen Innenspannstoß gesehen.

Viele üben eher die Dinge, die sie nicht so gut können, doch Alex arbeitete lieber an seinen Stärken.

Wie er die Bälle platzieren konnte, war einmalig. Viele üben eher die Dinge, die sie nicht so gut können, doch Alex arbeitete lieber an seinen Stärken. Deshalb ist er beim Torabschluss unheimlich sicher geworden. Auch nach dem Mannschaftstraining übte er ständig; wie er die Bälle aus der Luft nahm, war sensationell. Alex war ein überragender Volleyspieler. Man warf ihm ab und an mal vor, dass er ein Phlegma sei, dabei arbeitete er immer daran, seine Stärken zu verbessern.

Ab und zu musste ich bei ihm zwar auch mal ein Auge zudrücken, aber das ist bei kreativen Spielern so. Charakterlich ist Alex ein ganz sauberer Kerl, der sehr mannschaftsdienlich spielte. Als wir mal in der Winterpause nicht gut dastanden, lag ihm ein Riesenangebot aus China vor. Ich erklärte ihm, dass wir ihn nicht gehen lassen könnten, weil wir auf jeden Fall die Klasse halten müssten und er für uns ein zu wichtiger Spieler sei. Da zuckte er nicht mal mit dem Auge, sondern sagte: 'Wenn das so ist, bleibe ich in Frankfurt. Es ist alles okay.' Es gibt sehr viele Beispiele von Profis, die in einer solchen Situation ganz andere Dinge machen würden ... Alex verhielt sich jedoch immer korrekt.

Lediglich für die Außenbahn fehlte ihm die Schnelligkeit.

Trotz seiner Größe war er beweglich, auch wenn er manchmal ein bisschen steif ausschaute. Vor allem aber stand er immer da, wo er stehen musste. Sein Torriecher war unglaublich. Bei mir spielte Alex meistens auf der Zehn, allerdings konnte er in der Offensive überall eingesetzt werden: hinter der Spitze, in der Spitze, als zweite Spitze, aber auch als Achter im 4-3-3. Lediglich für die Außenbahn fehlte ihm die Schnelligkeit. Ihm wurde nachgesagt, dass er nicht nach hinten arbeiten würde, aber das stimmt nicht.

Alex besaß ein unheimlich gutes Timing beim Kopfball, weshalb er auch für die Defensive wichtig war.

Da wir relativ offensiv ausgerichtet waren, musste er auch defensiv mitarbeiten, und das machte er gut. Er schaute nicht nur, dass er seine Tore erzielte und selbst gut aussah, sondern auch, was er für die Mannschaft machen musste. Ein weiterer Vorwurf lautete, dass er sich nicht so viel bewegte. Wenn man sich aber seine Werte anschaute, gehörte er immer zu den Spielern, die am meisten liefen, häufig um die 11,5 Kilometer. Hinzu kam: Alex besaß ein unheimlich gutes Timing beim Kopfball, weshalb er auch für die Defensive wichtig war. Aus dem Fünfmeterraum köpfte er fast alles weg.

Wenn die Eintracht die Möglichkeit hat, ihn einzubinden und er das auch gerne macht, wäre das eine Win-win-Situation.

Auch später, nach unserer gemeinsamen Zeit, hielten wir noch Kontakt und telefonierten gelegentlich, er besuchte mich auch mal zu Hause in Augsburg. Erst in den letzten zwei, drei Jahren flachte das ab, als ich in Köln arbeitete und er bei St. Pauli und später in Sydney spielte. Alex war ein außergewöhnlicher Profi, der so lange wie möglich spielen wollte. Jetzt muss er erst mal abschließen und sich Gedanken machen, in welchem Bereich er seinen Wert für den Verein einbringen kann und was ihm Spaß macht. Wenn die Eintracht die Möglichkeit hat, ihn einzubinden und er das auch gerne macht, wäre das eine Win-win-Situation. Das wünsche ich ihm."

Alex Meier - Sein Weg zum Fußballgott