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VBL Grand Final: DFL schüttet 100.000 Euro aus

Preisgeld mehr als verdoppelt

VBL Grand Final: DFL schüttet 100.000 Euro aus

Die deutsche FIFA-Einzelmeisterschaft lohnt sich finanziell in dieser Saison mehr denn je.

Die deutsche FIFA-Einzelmeisterschaft lohnt sich finanziell in dieser Saison mehr denn je. DFL

Das Grand Final schließt die VBL-Saison traditionell ab und ermittelt denjenigen Spieler, der sich fortan ein Jahr lang deutscher FIFA-Einzelmeister nennen darf. Amtierender Titelträger ist Yannic 'Yannic0109' Bederke vom FC Augsburg, der sich entsprechend im vergangenen Sommer auch den Löwenanteil am Preisgeld in Höhe von 45.000 Euro gesichert hatte. Der kommende Grand-Final-Sieger, der vom 4. bis zum 6. Juni ermittelt wird, erhält jedoch eine deutliche höhere Vergütung für seinen Meistertitel: Die DFL stockt das Preisgeld nach Informationen unserer Redaktion auf 100.000 Euro auf, allein der Gewinner der Endrunde erhält schon stattliche 40.000 Euro.

Es darf als Zeichen der fortschreitenden Professionalisierung der deutschen eFootball-Szene verstanden werden, dass die DFL bemüht ist, die finanziellen Anreize zu vergrößern. Doch nicht nur der neue deutsche FIFA-Einzelmeister wird massiv vom angehobenen Preisgeld profitieren, der Pool erstreckt sich bis zum 16. Platz. 20.000 Euro werden dem Vizemeister ausbezahlt, jeweils 7.500 Euro gehen an die unterlegenen Halbfinalisten. Selbst die Viertelfinalisten sowie die Ränge 9 bis 16 dürfen sich noch über je 3.250 respektive 1.500 Euro freuen. Es ist eine positive Entwicklung für alle FIFA-eSportler des Landes, der Einzelwettbewerb stand bei der VBL aber aus monetärer Sicht noch nie im Mittelpunkt der Kritik.

Auch in der Club Championship wird gezahlt

Seit der Einführung der VBL Club Championship zur Spielzeit 2018/19 als offizielle deutsche FIFA-Vereinsmeisterschaft wurde gerade vonseiten der beteiligten Spieler immer wieder deren fehlendes Preisgeld angeprangert. Die anhaltende Corona-Krise hat die Brieftaschen der Vereine nicht eben gefüllt, sondern Engpässe an vielen Ecken und Enden verursacht. Der VfB Stuttgart und der DSC Arminia Bielefeld hatten ihr eSport-Engagement vor der Saison eingestellt, bei der SpVgg Greuther Fürth stand die Weiterführung lange auf der Kippe. Auch der FC Schalke 04 überprüft derzeit die Möglichkeit, den eSport als Einsparmaßnahme zu kürzen. Abhilfe für die vielen klammen Klubs leistet hinsichtlich ihrer Partizipation an der VBL Club Championship seit der Saison 2020/21 die Ausschüttung eines festen Antrittsgelds. An alle 26 teilnehmenden Vereine wurden 100.000 Euro ausgezahlt - insgesamt also beachtliche 2,6 Millionen -, um die Kaderzusammenstellung sowie eine adäquate Vergütung der Spieler zu gewährleisten.

"Es ist ein Schritt in die richtige Richtung"

Waren nämlich bis zur laufenden Saison einige Akteure sogar unentgeltlich in der VBL Club Championship angetreten, ging mit der Auszahlung des Antrittsgelds auch die Verpflichtung der Vereine einher, die Spieler vertraglich zu binden und in einem Mindestmaß zu bezahlen. "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, die Vereine profitieren von der Ausschüttung der DFL", meint Benedikt 'BeneCR7x' Bauer vom VfL Wolfsburg. Der gebürtige Niederbayer kennt den Weg in den Profi-eSport genauestens, er startete seine Karriere auf kleinstmöglicher Ebene. "50 Euro mit einem FIFA 17-Turnier zu verdienen, war damals schon ein riesiges Ereignis für mich", erklärt der 21-Jährige.

Um den eSport zum Beruf zu machen, muss allerdings mehr eingenommen werden. Über die entsprechenden Auswahlturniere landete 'BeneCR7x' 2018 in der E-Academy der "Wölfe", inzwischen ist er mit einem Profivertrag ausgestattet und festes Mitglied des VBL-Kaders. "Wir in Wolfsburg hatten es ja noch gut, wir sind alle Vertragsspieler. Aber es gab auch andere Konstellationen", stellt Bauer heraus. "Wenn du jedem Antrittsgeld auszahlst und alle Klubs zum Streamen verpflichtest, verschaffst du den Spielern und Klubs auch einen Reichweiten-Push." Gerade letzterer Punkt wird für die Vereine zunehmend wichtiger - etwa bei der Akquise neuer Sponsoren.

Zweigleisige Karriereplanung trotz Beeinträchtigung

Der Schritt in den professionellen eSport ist immer noch risikobehaftet - nicht nur aufgrund der zeitlichen Beschränktheit der Ausübung. 'BeneCR7x' studiert neben seiner FIFA-Tätigkeit daher Sportmanagement, die Organisation des eFootballer-Daseins und des Studiums ist allerdings ein Balanceakt. Nach einer starken Serie mit acht ungeschlagenen Partien in Folge waren die Leistungen des VfL-Spielers in der zurückliegenden Club Championship-Rückrunde eingebrochen. "Da kam bei mir die Prüfungsphase an der Uni, es war eine sehr stressige Zeit", sagt Bauer. Wegen einer Corona-Infektion seines Teamkollegen Benedikt 'SaLz0r' Saltzer musste er plötzlich auch alle Doppel spielen. "In Kombination mit den Prüfungen bin ich kaum mehr zum Trainieren gekommen", begründet 'BeneCR7x' seine Formdelle.

Ein Wettbewerb wie die Virtual Bundesliga, die mit ihren verschiedenen Formaten jedes Jahr aufs Neue über Monate hinweg ausgetragen wird, beansprucht vor allem Zeit - und damit Geld. Mit der Ausschüttung von 100.000 Euro an jeden teilnehmenden Verein sowie der Aufstockung des Grand-Final-Preisgelds hat die DFL ein Gespür für die Bedürfnisse der Protagonisten ihrer eigenen Geschichten bewiesen. Und die Ambition, den eFootball in Deutschland weiter zu professionalisieren, unterstrichen. Dass diese Ansätze noch nicht das Ende der Fahnenstange sein können, dürfte allen Beteiligten bewusst sein. Ein wichtiger Schritt bezüglich der Zukunftsfähigkeit des eSports in Deutschland ist aber getan.

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Niklas Aßfalg, Christian Bellinger