Bundesliga

Varela: "Ich habe Lust hierzubleiben"

Kann sich Frankfurt den Mann von ManUnited leisten?

Varela: "Ich habe Lust hierzubleiben"

Guillermo Varela

Möchte gerne in Frankfurt bleiben: Guillermo Varela. imago

Varela gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über Frankfurt und die Eintracht spricht. "Manchester ist eine Industriestadt, Frankfurt ist eine Stadt voller Leben", erzählt der 24-Jährige. In der Mainmetropole lebt er zusammen mit seiner ein Jahr älteren Schwester, deren Ehemann und ihrem Sohn. Sein Schwager lerne bereits fleißig Deutsch, um hier eine Arbeit finden zu können. Dass ein Teil der Familie um ihn herum ist, hat ihm das Einleben ebenso erleichtert wie die große spanischsprachige Community in der Mannschaft (Abraham, Fabian, Vallejo, Mascarell). "Wir helfen uns gegenseitig und geben uns Tipps, wohin man ausgehen kann", berichtet der Verteidiger aus Uruguay. "Ich fühle mich in der Stadt richtig wohl und heimisch."

Hinzu kommt, dass ihm der kampfbetonte Spielstil der Eintracht zuspricht. Wer jemals ein Spiel von Uruguays Nationalelf gesehen hat, wird sich darüber kaum wundern. "Wir haben eine schlagkräftige Truppe, die bissig und gallig spielt. Das mag ich. Der Trainer fordert immer Vollgas von uns", sagt der Verteidiger.

Spielersteckbrief Varela
Varela

Varela Guillermo

In Europa Fußballprofi zu werden, das sei schon immer sein großes Ziel gewesen. Bereits mit 20 Jahren erfüllte er sich diesen Traum – von Penarol Montevideo wechselte er zu Manchester United. Vom Durchbruch in der Premier League war er zunächst weit entfernt. "Es wäre utopisch gewesen zu denken, dass man gesetzt ist, wenn man mit 20 Jahren dorthin kommt. Ich wusste, dass das Schwierige noch kommt, schließlich besaß ich nur wenig internationale Erfahrung. Das erste Jahr war keine leichte Zeit", erinnert sich Varela. 2013/14 lief er lediglich in der U 23 auf, 2014/15 spielte er auf Leihbasis für Real Madrid B. Erst in der vergangenen Spielzeit kam er zu einigen Einsätzen bei den Profis von Manchester United, war aber weit davon entfernt, Stammspieler zu sein.

"Ich habe immer die Ruhe bewahrt"

Gelernt habe er in dieser Zeit trotzdem eine Menge, zum Beispiel Geduld. "Ich habe immer die Ruhe bewahrt." Auch mit Blick auf seine Persönlichkeit sei er gestärkt aus der komplizierten Zeit hervorgegangen. Schwer beeindruckt hat ihm zudem die Zusammenarbeit mit José Mourinho: "Das Spieler-Trainer-Verhältnis war sehr bereichernd. Er gab meinen Mitspielern und mir ein überragendes Gefühl. Das Zwischenmenschliche war top – auch wenn ich wenig bis gar nicht gespielt habe."

Nun will er die wenigen Wochen bis zum Saisonende nutzen, um sich für eine Weiterbeschäftigung zu empfehlen. "Nach der Verletzungspause will ich die letzten vier Spiele umso mehr genießen und alles in die Waagschale werfen", kündigt Varela an. Wie groß seine Spielanteile ausfallen werden, hängt maßgeblich davon ab, wo Trainer Niko Kovac Stamm-Rechtsverteidiger Timothy Chandler einplant. Gegen Hoffenheim agierte Chandler auf ungewohnter Position als Sechser, was Varela hinten rechts die Tür zur Startelf öffnete. Da Mijat Gacinovic seine Oberschenkelzerrung auskuriert hat und gegen Wolfsburg ins Mittelfeld zurückkehren dürfte, könnte Chandler allerdings wieder seine angestammte Position hinten rechts einnehmen. Allerdings könnte Kovac auch in Erwägung ziehen, Chandler in die Innenverteidigung zu beordern, wo mit David Abraham, Jesus Vallejo und Makoto Hasebe alle drei Stammkräfte aus der Dreierkette ausfallen.

Varela würde gerne bleiben

Mit einigen guten Leistungen könnte Varela seine Chancen, auch nächste Saison das Adler-Dress zu tragen, gewiss erhöhen. "Ich habe Lust hierzubleiben. Wenn der Verein es so will, ist das eine Option", betont Varela. Sportvorstand Fredi Bobic spricht bei dieser Personalie von einer "offenen Geschichte". Da Varelas Vertrag in Manchester nur bis zum 30. Juni 2018 datiert ist, könnte ihn die Eintracht kein weiteres Jahr ausleihen. Bobic und Kovac werden schlussendlich die Frage beantworten müssen, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen ist. Ablöse und Gehalt für einen Spieler aus der Premier League könnten ein zu großes Hindernis darstellen, Bobic spricht von einem "beachtlichen Paket".

Julian Franzke