WM

WM 2022: Van Gaals Zorn auf die Kritiker in den Niederlanden

Bondscoach ist angriffslustiger als sein Team und sieht sich im Plan

Van Gaals Zorn auf die Kritiker

Fand klar Worte gegenüber seinen Kritikern: Bondscoach Louis van Gaal.

Fand klar Worte gegenüber seinen Kritikern: Bondscoach Louis van Gaal. IMAGO/NurPhoto

Aus Katar berichtet Sebastian Wolff

Sieben Punkte und Platz 1 sind das erwartbare Resultat und das Sprichwort "Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss" wirkt während dieser Vorrunde wie gemacht für "Oranje". Aber, wie gut ist das Pferd tatsächlich? Geht es nach Louis van Gaal, wird es zum einen besser, und verbieten sich zum anderen die Fragen danach.

Dass dem 71-Jährigen nach der erfolgreichen Qualifikation für das Achtelfinale auf der Pressekonferenz von den niederländischen Journalisten teilweise empfindlich auf den Zahn gefühlt wurde, bügelte er auf die ihm eigene Art ab. "Ihr könnt Eure Meinung haben, aber Ihr habt auch eine andere Perspektive auf Fußball als ich. Und das ist nicht die Richtige."

Van Gaal wertet das zwar souveräne aber doch schwer verdauliche 2:0 gegen harmlose Gastgeber als Fortschritt gegenüber den vorangegangenen Auftritten und sagt: "Unser Positionsspiel und Ballbesitz war besser, wir haben sicherer und klarer verteidigt, wir haben gar nichts zugelassen." Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der ihm Mut für die Zukunft macht: die sich entspannende Personalsituation.

Pünktlich zur K.-o.-Phase sind alle Spieler fit

Erstmals in dieser Endrunde hat er am Dienstagabend im Al-Bayt-Stadion Memphis Depay von Anfang an gebracht. Der Stürmerstar des FC Barcelona hatte im September eine Muskelverletzung am Oberschenkel erlitten, war vom Trainer und der medizinischen Abteilung behutsam aufgebaut worden.

"Es ging darum, bei Memphis und auch bei anderen angeschlagenen Spielern kein Risiko einzugehen", sagt van Gaal, "ich bin sehr froh, dass er jetzt spielen kann, weil er uns viel geben wird."  Der Bondscoach macht deutlich, dass die Gruppenphase für ihn eine Balanceakt war: Es galt durchzukommen ohne die Rekonvaleszenten zu früh ins Feuer schicken.

Dass dieser Plan aufging, ist ein Grund, weshalb dem früheren Bayern-Trainer die Kritik im eigenen Land so auf den Magen schlägt. "Wir sind Gruppenerster geworden, das war das erklärte Ziel für eine bessere Ausgangsposition im Achtelfinale. Das Turnier geht jetzt in die entscheidende Phase und wir haben keine verletzten Spieler, es sind alle fit. Das gibt uns ein gutes Gefühl für das, was nun kommt und ich denke, die Leute können stolz auf uns sein."

Für Euphorie indes springt den Niederländern das Pferd noch nicht hoch genug. Es wird sich zeigen, ob sich das nach dem Achtelfinale gegen die USA ändern wird.