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Unprofessionell oder hilfreich? Kurts Kritik an EA

Feedback der FIFA-Profis

Unprofessionell oder hilfreich? Kurts Kritik an EA

Der Anstoß-Bug bringt Kurt 'Kurt' Fenech in Rage.

Der Anstoß-Bug bringt Kurt 'Kurt' Fenech in Rage. FIFA

Halbfinale beim FeCWC: Bröndby eSports tritt gegen das Team von Kurt 'Kurt' Fenech, die Mkers, an. Eine spannende Partie nimmt eine plötzliche Wendung, als Fatih 'Üstün' Üstün das Tor zum 4:3 schießt. Fenech reißt es aus seinem Sitz. Der FIFA-Profi läuft von der Bühne und lässt das Publikum überrascht zurück. Warum möchte er nicht weiterspielen?

Der Grund nennt sich Anstoß-Bug und ist ein Dauerproblem in FIFA 18 . Ein drittes frustrierendes Gegentor innerhalb eines Spiels, welches diesen Fehler zur Ursache hatte, brachte das Fass zum Überlaufen. Dass das Halbfinale eines so wichtigen Turniers durch Gameplay-Fehler entschieden wurde, konnte 'Kurt' nicht akzeptieren. Erst nach langem Zureden der Organisatoren und des Teammanagers ließ sich der FIFA-Profi beruhigen und kehrte an die Konsole zurück. Im Nachhinein erklärte 'Kurt', dass er durch seine Tat auf die Probleme in FIFA aufmerksam machen wollte.

"Wenn etwas falsch läuft, muss ich das sagen"

Es ist nicht das erste Mal, dass sich 'Kurt' negativ über FIFA oder die Szene äußert. Schon in der Vergangenheit scheute Fenech nie davor zurück, seine Meinung unverblümt kundzutun. "Ich habe schon immer geglaubt, dass Ehrlichkeit am längsten währt. Manchmal neigen die Profis dazu, alles Mögliche zu verheimlichen, um ein falsches Image oder falsches Team zu beschützen. Aber wenn aus meiner Sicht Sachen falsch laufen, muss ich das sagen", erzählte der Profi gegenüber kicker eSport.

Der Anstoß-Bug gehört zu den bekannten Problemen, mit denen EA und die Spieler schon seit Release von FIFA 18 kämpfen. Ein Title Update im Januar sollte das Problem beheben, half aber nur wenig. Für 'Kurt' ist das ein Unding: "Ich möchte gar nicht EA, FIFA oder irgendwen anderes schlechtmachen. Doch über manche Sachen, die ich dieses Jahr gesehen habe, bin ich alles andere als glücklich."

Es ist aber nicht alles schlecht in FIFA. Kurt ist sogar überaus zufrieden mit der Entwicklung der eSport-Szene: "Im Allgemeinen werden die Turniere jedes Mal besser - insbesondere die Organisation. Deswegen finde ich es schade, dass das Gameplay nicht mithält. Das stört mich am meisten."

Hashtag United-Gründer Spencer Owen ist kein Fan von Fenechs Vorgehensweise.

Hashtag United-Gründer Spencer Owen ist kein Fan von Fenechs Vorgehensweise. FIFA

Spencer Owen übt Kritik

Spencer Owen, der das Turnier in Paris als Moderator begleitete, kritisierte 'Kurt' über Twitter für sein Verhalten. "Manche Spieler sind unglaublich respektlos gegenüber den Personen, die viele Stunden arbeiten, um das hier zu ermöglichen oder Millionen ausgeben, um ihnen eine Job-Möglichkeit zu bieten. Wenn ich die Entscheidungsgewalt bei dem Turnier hätte, würde Kurts Handeln zu einer sofortigen Disqualifikation führen", schrieb der Gründer von Hashtag United.

Owen sieht Fenechs Aufschrei aus Sicht von Unternehmen und Sponsoren. Diese könnten sich leicht von einem Investment in den FIFA eSport abbringen lassen, wenn sie sehen, wie unprofessionell sich einige Spieler verhalten und wie viel Kritik EA abkriegt, so seine Sorge. Daher appellierte Owen an die FIFA-Profis und dass sie ihre Kritik auf angemessene Art und Weise äußern sollten. Ein laufendes Turnier zu unterbrechen, ist aus seiner Sicht inakzeptabel. Stattdessen sollten sich die Spieler im Privaten an ihre Kontakte von EA wenden.

Zuspruch von 'Dr. Erhano' und 'Gorilla'

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'Kurt' stand nicht alleine mit seinen Ansichten bezüglich der Fehler im Gameplay und seiner Art des Protests. Der amtierende Weltmeister Spencer 'Gorilla' Ealing versuchte gegenüber Spencer Owen zu vermitteln: "Theoretisch würde ich Dir zustimmen. Doch wir haben das Gefühl, dass es keinen anderen Weg gibt, um unserer Frustration Luft zu machen und Feedback zu geben, denn es fühlt sich so an, als würde uns niemand zuhören." Auch der deutsche Profi Erhan 'Dr. Erhano' Kayman sprang 'Kurt' zur Seite: "Ich kann seine Tat absolut nachvollziehen und bin ihm sogar dankbar, dass er es gemacht hat. Denn nur auf Fehler hinweisen bringt nicht viel. Wir haben in den letzten Jahren vermehrt auf Fehler hingewiesen, groß verändert hat sich aber nichts. Der Mensch muss in manchen Situationen hart bestraft werden, damit er davon lernt und somit auch was ändert."

Hoffnung auf Besserung

Ob und wie EA auf Fenechs Verhalten reagiert, ist noch nicht bekannt. Da der Protest von 'Kurt' jedoch keine großen Folgen für die Übertragung hatte und auch nicht während eines direkt von EA betreuten Events stattfand, wird es wohl keine Konsequenzen geben. Andererseits wird der Anstoß-Bug in FIFA 18 wahrscheinlich auch nicht mehr behoben werden. Es ist also fraglich, ob der Ausbruch von 'Kurt' überhaupt etwas bringt. "Ich hoffe, dass das in FIFA 19 besser wird, denn das Potenzial des FIFA eSports ist erstaunlich", bleibt der FIFA-Profi jedoch optimistisch, denn "wenn das Spiel verbessert wird, ist das besser für alle".

Christian Mittweg