Bundesliga

Union-Boss zum Auftakt-Derby: "Hätte es mir später gewünscht

Präsident kritisiert Spielplanansetzung

Union-Präsident Zingler zum Auftakt-Derby: "Hätte es mir später gewünscht"

Union Präsident Dirk Zingler im Trainingslager. 

Union Präsident Dirk Zingler im Trainingslager.  IMAGO/Matthias Koch

Aus Unions Trainingslager in Neukirchen am Großvenediger berichtet Andreas Hunzinger

Am Sonntagvormittag ist Dirk Zingler mit seinen Präsidiumskollegen wieder gen Heimat aufgebrochen. Der Präsident des 1. FC Union Berlin hat die Tage in Österreich auch dazu genutzt, um mit seinen Mitstreitern in einer Sitzung die Strategie für die nähere Zukunft zu besprechen. Und zwar auf dem Wildkogel, dem 2224 Meter hohen Berg, an dessen Fuß die Eisernen ihr Camp bezogen haben.

1. FC Union Berlin - Vereinsdaten
1. FC Union Berlin

Gründungsdatum

20.01.1966

Vereinsfarben

Rot-Weiß

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Die Erkenntnisse und Perspektiven, die Zingler und seine Kollegen in der Höhenlage erörtert haben, nehmen sich nach den Worten des Klubchefs ausnehmend positiv aus. "Erstmal freuen wir uns, dass die Dinge aufgehen", sagte Zingler im Rahmen einer Medienrunde am Sonntagmorgen im Teamhotel. Die Strategie, offensiv in den Sport zu investieren, um wettbewerbsfähig zu sein und zu werden, erachtet Zingler als notwendig. "Ausschließlich sportlicher Erfolg bringt wirtschaftliche Stabilität", sagt der 57-Jährige, "wir nehmen Fremdmittel auf und erhöhen die Verbindlichkeiten, um in den Sport zu investieren, weil wir überzeugt davon sind, dass dieser Weg richtig ist. Jetzt sind wir in der Lage, unsere Verbindlichkeiten zu senken und weiter in den Sport zu investieren. Gesund sparen kann man sich als Unternehmen nicht."

Zingler sieht Trainer Fischer und Geschäftsführer Ruhnert als "Topleute"

Und wenn sich dann eine Investition wie die 6,5 Millionen Euro Rekordablöse, die Union im Sommer 2021 für Taiwo Awoniyi an den FC Liverpool zahlte, der Gestalt auszahlt, dass Awoniyi sportlich reüssierte und schließlich für 20,5 Millionen Euro an Nottingham Forest transferiert wurde, dann sehen Zingler und Co. das mit großem Wohlwollen. Hinzu kommt als Baustein des Erfolgsmodells Union laut des Präsidenten "die gute Arbeit" von Urs Fischer und von Oliver Ruhnert. Er bezeichnet sowohl den Trainer als auch den Geschäftsführer Profifußball als "Topleute", die bei Union darüber hinaus in einer "Top-Umgebung" arbeiteten, so Zingler. „Wenn das alles zusammenkommt, und es kommt seit Jahren zusammen, kommt das raus“, sagt er mit Blick auf die jüngsten Platzierungen.

Mit ihrer Handlungsweise haben die Eisernen in den drei Jahren ihrer Bundesliga-Zugehörigkeit zumindest den Anschluss an die Konkurrenz geschafft. Zu den reichen Klubs gehört Union deshalb aber beileibe noch nicht. Im Gegenteil. "Wenn ich unsere Ausgangssituation betrachte, unsere Mittel, die wir zur Verfügung haben, was wir ausgeben pro Punkt", so Zingler, dann sei Platz fünf wie in der vergangenen Saison im Vergleich zur solventeren Konkurrenz wie eine Meisterschaft zu bewerten.

Das primäre Ziel unseres Handelns ist, dass wir Menschen glücklich machen.

Dirk Zingler

Bei Union wird allerdings nicht der Tabellenplatz als Bemessungs-Grundlage für Erfolg und Entwicklung des Vereins gesehen. "Das primäre Ziel unseres Handelns ist, dass wir Menschen glücklich machen - und das gelingt uns", betont Zingler, und das könne auch bei weniger Erfolg passieren. Nun ist es in Berlin-Köpenick nicht so, dass sie mit dem sensationellen Einzug in die Gruppenphase der Europa League als Resultat der dritten Bundesliga-Saison unglücklich wären. Natürlich wolle man oben bleiben, wenn man oben sei, so Zingler, aber: "Es geht nicht immer nach oben. Wenn es zehn Jahre aufwärts geht, wird es irgendwann einen Schritt zurückgehen." Dass Union in den vergangenen beiden Jahren wirtschaftlich potentere Klubs hinter sich gelassen hat, hat viele erstaunt. "Das löst Ungläubigkeit aus, weil es rational nicht immer erklärbar ist. Weil wir eben am wenigsten ausgeben für einen Punkt, weil wir im kleinsten Stadion der Liga spielen", betont Zingler, "wenn ich höre, wie man sich anderswo in der Liga über das eigene Abschneiden ärgert, dann sind wir mit dran schuld. Weil wir die Konstruktion zum Einstürzen bringen, weil in Berlin etwas gelingt, was bisher nicht gelungen ist."

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Die jüngsten Erfolge sorgen bei Zingler und den anderen Verantwortlichen indes nicht dafür, dass sie den Blick für die sportlichen Realitäten verlieren. Entsprechend proklamiert der Präsident - wie zuvor auch schon Ruhnert - zuvorderst den Klassenerhalt als Ziel für die neue Saison. In der Liga gebe es "sechs Topvereine", so Zingler mit Blick auf Bayern, Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Hoffenheim und auch Wolfsburg, und der Rest spiele zunächst immer um die Bestandssicherung. "Zwölf Vereine können absteigen, sechs nicht. Und wir gehören zu den zwölf, die jedes Jahr absteigen oder um Europa spielen können", sagt Zingler.

Die Vorbereitung war gut, der erste Spieltag schlecht geplant

Unabhängig davon blickt der Union-Präsident der neuen Saison mit Zuversicht entgegen. "Wir sind mit sehr einem guten Gefühl aus der vergangenen Saison rausgegangen, wir machen bisher eine gute Vorbereitung und haben uns vom sportlichen Niveau her nochmal verstärkt", sagt Zingler, "der Klub ist intakt, die Bedingungen stimmen und die Leute haben Spaß an dem, was sie tun. Zu welchem Fazit soll ich also kommen? Ich freue mich auf die neue Saison, weil ich glaube, dass sie erfolgreich sein wird."

Allerdings findet der Boss der Eisernen die Spielplanansetzung der Saison 2022/23 mit dem Derby als Einstieg suboptimal. "Ich hätte es mir später gewünscht", stellt Zingler klar, "zum einen freut man sich darauf, dass die Saison losgeht, und dann freut man sich nochmal aufs Derby. Und jetzt ist das im Grunde genommen in einen Vorgang gepackt worden. Ich hätte es mir irgendwo in der Mitte gewünscht, aber nicht auf den 1. Spieltag. Derbys haben immer einen Alleinstellungs-Charakter, und jetzt hat man es auf den 1. Spieltag gelegt. Das ist schlecht von der Liga."

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