U 21

Unangenehme Fragen nach Englands "demütigendem" Aus

U 21 setzt Ergebnistief im Nachwuchs fort

Unangenehme Fragen nach Englands "demütigendem" Aus

Rückfall in Cesena: Hier versteckt sich Schalke-Neuzugang Jonjoe Kenny.

Rückfall in Cesena: Hier versteckt sich Schalke-Neuzugang Jonjoe Kenny. Getty Images

Ein Elfmeter war dabei, ein Torwartfehler auch, und am Ende ließen hochtalentierte Engländer gegen einen vermeintlichen Underdog die Köpfe hängen: Was sich am Freitag bei der U-21-EM in Cesena abspielte, sah einerseits furchtbar vertraut aus. Andererseits wollte es nicht zu dem passen, was im englischen Verband in den letzten Jahren passiert war: Hatte der Nachwuchs von der Insel nicht gerade noch Europa und die Welt dominiert?

2017 war England gleichzeitig U-19-Europameister, U-17- und U-20-Weltmeister, stand im U-21-EM-Halbfinale und im U-17-EM-Endspiel. Zwei Jahre später scheitert die U 17 in der Gruppenphase, für die sich die U 19 (EM) und U 20 (WM) nicht einmal qualifizieren, und die U 21 verliert bei der EM in Italien und San Marino nicht nur gegen Frankreich (1:2), sondern auch gegen Rumänien (2:4). "Eine Saison zum Vergessen", seufzte der "Telegraph" am Freitagabend.

Erst wild, dann vogelwild: In drei Tagen verwelkten alle Vorschusslorbeeren

Dabei hatten Beobachter vor allem dem aktuellen U-21-Jahrgang eine Menge zugetraut. Manchester United etwa scheint bereit zu sein, für Rechtsverteidiger Aaron Wan-Bissaka (Crystal Palace) 70 Millionen Euro auszugeben, James Maddison hat eine prächtige Debütsaison in Leicester hinter sich, und der erst 19-jährige Phil Foden verdiente sich in Manchester Citys Milliarden-Ensemble 26 Pflichtspieleinsätze und noch mehr Lobeshymnen von Pep Guardiola.

Doch dann verwelkten binnen drei Tagen sämtliche Vorschusslorbeeren. Dem wilden 1:2 gegen Topfavorit Frankreich (der zwei Elfmeter verschoss und das Spiel in der 86. und 94. Minute doch noch umbog) folgte das vogelwilde 2:4 gegen Rumänien, bei dem alle Treffer nach der 75. Minute fielen. Manchester Uniteds Torwart Dean Henderson, der am Dienstag noch prächtig pariert hatte, ließ zwei Minuten vor Schluss einen harmlosen Fernschuss zum 2:3 ins Netz flutschen, was nicht nur die "Daily Mail" "demütigend" fand.

Warum nur verzichtete Trainer Boothroyd freiwillig auf seinen Besten?

Die unangenehmeren Fragen jedoch richteten sich nach dem Aus an Hendersons Trainer: Aidy Boothroyd, einst mit nur 34 Jahren Chefcoach in Watford geworden und seit 2014 für verschiedene U-Nationalteams tätig, beklagte trotz der verdienten Niederlage hinterher nicht nur fehlendes Glück ("Wir haben Latte und Pfosten getroffen, ich dachte, es läuft wirklich gut"); er musste vor allem erklären, was er sich bei seiner Aufstellung gedacht hatte.

Obwohl fürs Halbfinale ein Sieg Pflicht war, hatte er, übrigens vor den Augen von Vorgänger und A-Nationaltrainer Gareth Southgate, im Vergleich zum Frankreich-Spiel gleich fünf Spieler aus der Startelf genommen, darunter neben Wan-Bissaka auch seinen unbestritten besten: Foden, der gegen Frankreich ein Traumtor erzielt hatte und gegen Rumänien sofort für reichlich Gefahr sorgte, als er - wegen der Verletzung des zur Pause eingewechselten Ryan Sessegnon - in der 57. Minute endlich mitmischen durfte.

Meiner Meinung nach, und das ist auch die Meinung vieler anderer Leute, sind wir auf dem richtigen Weg.

U-21-Nationaltrainer Aidy Boothroyd

Es sei darum gegangen, Fodens "Minuten zu verwalten", erklärte Boothroyd, also dessen Kräfte richtig einzuteilen, vielleicht auch angesichts der Hitze in Cesena. Nur war weder Foden bei ManCity übermäßig belastet worden, noch hatte Rumäniens Trainer Matei Radoi seinerseits einen Grund für ähnliche Maßnahmen gesehen. Und der personell unveränderte Außenseiter, der vornehmlich aus Kräften aus der heimischen Liga besteht und zum Auftakt schon Kroatien überrascht hatte (4:1), wirkte alles andere als schlaff, vielmehr wacher und zupackender, ja reifer als "langsame, ausrechenbare und sorglose" ("Guardian") Engländer, zu denen auch der Neu-Schalker Jonjoe Kenny zählte.

Rücktritt trotz Verlängerung? Boothroyd will "nirgendwo hingehen"

Wer vorne seine Möglichkeiten auslasse und hinten nicht diszipliniert genug verteidige, "der wird bestraft", bilanzierte Boothroyd, forderte aber, "das Positive mitzunehmen". Nämlich: "Meiner Meinung nach, und das ist auch die Meinung vieler anderer Leute, die etwas von diesem Spiel verstehen, sind wir auf dem richtigen Weg, was unsere Spielweise betrifft. Nun geht es nur noch darum, diese Undiszipliniertheiten auszubügeln und sicherzustellen, dass wir unsere Chancen nutzen. Ganz einfach."

Ob es wirklich so einfach ist, erscheint nach diesen beiden EM-Auftritten ebenso fraglich wie Boothroyds Zukunft, auch wenn der Trainer erst im Mai bis 2021 verlängert hatte. Er gehe "nirgendwo hin", stellte der 48-Jährige selbst klar. "Da müssen sie mich schon raustragen."

jpe

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