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Ullrich-Helfer teilt aus: Hipster-Koch, fucking Facebook, scheiß Musik

Verweichlichte Fahrergeneration bei der Tour?

Ullrich-Helfer teilt aus: Hipster-Koch, fucking Facebook, scheiß Musik

Harte Jungs: Brian Holm (nach Paris-Roubaix 1994) und Co.

Harte Jungs: Brian Holm (nach Paris-Roubaix 1994) und Co. picture alliance

Vor zwei Tagen berichtete der dänische Meister Kasper Asgreen (Deceuninck - Quick Step) auf Instagram von einer "sehr harten Etappe". Das brachte seinen Landsmann Holm so richtig auf die Palme, denn der ehemalige Fahrer vom Team Telekom ist der Meinung, dass früher alles härter gewesen und die heutigen Verhältnisse für die Fahrer sehr viel komfortabler seien.

"Lieber Kasper Asgreen, wenn du nach drei Tagen in Südfrankreich glaubst, müde zu sein, dann möchte ich dir mal von der Tour de France 1996 erzählen", meldet sich Holm ebenfalls via Instagram zu Wort. "Jens Heppner, Udo Bölts, Rolf Aldag und Christian Henn haben das Peloton drei Wochen durch Hitzewellen, Gewitterstürme, Pyrenäen, Alpen, Vogesen, Holland und Belgien geführt. Wir hatten keinen schicken Bus oder einen Hipster-Koch mit Seemann-Tattoos und einem lustigen Hut."

Außerdem habe man früher auch keine Pressesprecher gehabt, "wir haben mit dem Herzen gesprochen. Und wenn uns jemand geschlagen hat, haben wir nicht auf fucking Facebook gratuliert."

Auch abseits der Straßen muss das Leben wirklich hart gewesen sein. MP3-Player gab es noch nicht, Musik im Hotel aber sehr wohl - sehr zum Leidwesen des Dänen. "Ich habe mein Zimmer mit Riis geteilt und musste mir drei Wochen seinen beschissenen Musikgeschmack anhören (meine Ohren bluten immer noch)."

Riis, Zabel und Ullrich waren auch keine Stand-up-Comedians - glaubt mir.

Brian Holm über seine damaligen Teamkollegen

Zudem träume er immer noch von der 16. Etappe, die bei 44 Grad durchs Zentralmassiv ging. Riis gewann die Etappe nach Lourdes-Hautacam.

Insgesamt war die Stimmung wohl sehr übersichtlich, zumindest wenn man Holm Glauben schenkt. "Wir haben unseren Teamchef Walter Godefroot nie lachen sehen", berichtet er und fügt an. "Riis, Zabel und Ullrich waren auch keine Stand-up-Comedians - glaubt mir."

Nachdem wir die Tour und die Hälfte aller Etappen gewonnen hatten, haben wir Sauerkraut gegessen, weil es das Lieblingsessen der ganzen scheiß Fritzes war.

Brian Holm über die "Party" in Paris

Aber zumindest die Party in Paris muss doch toll gewesen sein oder nicht? "Nachdem wir die Tour und die Hälfte aller Etappen gewonnen hatten, haben wir Sauerkraut gegessen, weil es das Lieblingsessen der ganzen scheiß Fritzes war", beklagt sich Holm über kulinarischen Vorlieben seiner deutschen Teamkollegen.

Letztlich wendet er sich wieder seinem derzeit bei der Tour so geplagtem Landsmann Asgreen zu. "So lieber Kasper, wenn du dich müde und unwohl fühlst, dann ruf mich an und ich erzähle dir vom wahren Leben. Noch eine gute Fahrt im vollklimatisierten High-Tech-Bus, genieße deinen Protein-Erdbeer-Milchshake. Denk' dran, dass Radsport deine Religion ist und grüße die Jungs."

Nicht unerwähnt bleiben sollte in diese Zusammenhang allerdings, dass Holm einräumte, dass er 1996 zwei Mal EPO eingenommen hat. Wer im Glashaus sitzt...

tru

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