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UEFA: Ein Votum mit doppelter Brisanz

Blockabstimmung über Ceferins Amtszeit und Frauen-Quote?

UEFA: Ein Votum mit doppelter Brisanz

Darf Aleksander Ceferin erneut als UEFA-Präsident kandidieren?

Darf Aleksander Ceferin erneut als UEFA-Präsident kandidieren? picture alliance / empics

Wenn am 8. Februar die Delegierten der 55 Nationalverbände in Paris zusammenkommen, wird es zunächst um die Frage gehen, ob über die eingereichten Statutenänderungsvorschläge "en bloc" abgestimmt wird. Ist das Gremium dafür, wird der Antrag, der Ceferin auch 2027 eine Kandidatur ermöglichen und den unter anderem der DFB begrüßen würde, verknüpft mit den anderen potenziellen Neuerungen. Das kann dem 56-Jährigen durchaus zugutekommen.

Denn auf der Liste steht beispielsweise auch ein Vorschlag, der Frauen einen zweiten, verpflichtenden Sitz im Exekutivkomitee sichern soll, aktuell gibt es lediglich einen "Quoten-Platz". Ein kosmetischer Schritt in Sachen Gleichstellung, der mit Blick auf das extrem männerdominierte Gremium notwendig ist, wie die Vergangenheit untermauert. 2023 etwa kandidierte die norwegische Verbandspräsidenten Lise Klaveness bewusst nicht gegen Laura McAllister um den bislang einzigen, quotierten "Frauen-Sitz" im Exko, sondern gegen die männliche Konkurrenz.

McAllister ist derzeit die einzige Frau

Klaveness, die zuvor mit markigen Reden beispielsweise zum Umgang mit Gastarbeitern im WM-Ausrichteremirat Katar auf sich aufmerksam gemacht hatte, scheiterte krachend. Überraschend kam das nicht, galt sie doch als Gegnerin des Establishments. Allerdings kam schnell Kritik an ihrem Aus - nicht zuletzt, weil die Europäische Union und die UEFA im Juni 2022 eine Kooperationsvereinbarung für Gleichstellung, Vielfalt und Integration verabschiedet hatten. McAllister, 2023 ohne Gegenkandidatin gewählt, ist derzeit die einzige Frau im Exko, in dem für den DFB Hans-Joachim Watzke sitzt.

Nachvollziehbar also, dass die UEFA nun mit einem zweiten, verpflichtenden "Frauen-Sitz" nachziehen will. Alles andere als ein Mehrheitsvotum dafür dürfte erneut Kritik nach sich ziehen. Ein Votum mit doppelter Brisanz also, denn eine mögliche Blockabstimmung würde die Wahrscheinlichkeit massiv erhöhen, dass auch die Satzungsänderung in Sachen Amtszeitausweitung durchgeht. Entscheidet der Kongress gegen "en bloc", wird einzeln oder nach Themenblöcken gesammelt votiert, wobei laut UEFA das Thema zweiter "Frauen-Sitz" und Amtszeit dann definitiv getrennt stehen werden.

Ceferin hatte im laufenden Betrieb übernommen

2017 hatte die UEFA in ihrer damals auch vom DFB forcierten Governance-Reform die Amtszeiten auf deren drei festgelegt. Ceferin hatte in einer laufenden Wahlperiode 2016 von Michel Platini übernommen, sein erster Zyklus umfasste also nicht die vollen vier Jahre. Damit argumentieren nun die Anhänger des Slowenen, an dem sich nicht nur wegen der möglichen Satzungsänderung Kritik entzündet hat.

Benni Hofmann