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Über 50 bayerische Klubs fordern: Keine Absteiger nach Quotientenregel

Jurist sieht den Verband in einer guten Position

Über 50 bayerische Klubs fordern: Keine Absteiger nach Quotientenregel

Es regt sich Widerstand: Über 50 bayerische Amateurklubs wollen keine Absteiger nach Quotientenregel.

Es regt sich Widerstand: Über 50 bayerische Amateurklubs wollen keine Absteiger nach Quotientenregel. IMAGO / Pressefoto Baumann

Der bayerische Sonderweg, die Saison 2019/20 nicht abzubrechen, sondern zu einer Saison "19/21" zu verlängern, stößt nun auch an seinen Grenzen. Da noch immer nicht absehbar ist, wann wieder gespielt werden kann, ist ein Abbruch die wahrscheinlichste Lösung. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) gibt sich indes noch bis 3. Mai Zeit, sollte bis dahin kein flächendeckendes Mannschaftstraining möglich sein, werden die Vereine zu einem möglichen Abbruch befragt. Paragraf 93 der Spielordnung, der im August 2020 vom BFV-Vorstand beschlossen wurde, schafft dafür die Rahmenbedingungen.

Doch der Inhalt birgt Zündstoff, sieht jener Paragraf schließlich nicht nur Aufsteiger nach Anwendung der Quotientenregel vor, sondern explizit auch Absteiger. Über 50 Vereinen aus Bayern ist das ein Dorn im Auge. In einem offenen Brief schreiben die Klubs, von denen einige wie etwa die Bayernliga-Kellerkinder TSV Nördlingen und TSV Abtswind sowie die dritte und vierte Mannschaft des TSV 1860 München zu den Abstiegskandidaten in ihren Ligen gehören, im Bezug die Absteiger-Frage von "einer Regelung, die von keinem anderen Verband an nahezu gleicher Stelle der Saison letztes Jahr getroffen wurde. Überall gab es - ausgenommen auf ausdrücklichen Wunsch der Vereine im Saarland - nur Aufsteiger, aber keine Absteiger! Also eine Besserstellung, aber keine gravierende Sanktion der Vereine, die bei Wertung der Quotienten potenziell betroffen wären."

Außerdem monieren die Vereine Verfahrensfehler bei der Einführung des Paragrafen 93: "Diese komplexe Ergänzung der Spielordnung während der Saison lässt sich mit staatlichen Rechtsgrundsätzen rückwirkend für die laufende Saison ohne Anhörung der Vereine (z. B. im Zuge eines Umlaufverfahrens) nicht vereinbaren. Vor allem nicht, wenn nachträglich - zuletzt am 11.03.21 - heimlich inhaltliche Änderungen vorgenommen wurden." Diese Änderung aus dem März zielte vor allem darauf ab, dass Spielleiter in ihren jeweiligen Ligen mehr Spiele unter der Woche ansetzen können und dass man für Auf- und Abstieg relevante Spiele bevorzugt durchführen kann.

Die Forderung der Vereine ist somit klar: "In Summe fordern wir den Verband bei einem voraussichtlichen Abbruch also auf, Aufsteiger aber keine Absteiger zu definieren. Um weiteren Schaden vom bayerischen Amateurfußball abzuwenden, gilt es eine Lösung zu finden, die Planungssicherheit für alle Vereine und eben keine Klagewelle nach sich zieht."

Großer Ermessensspielraum

Für so eine Klagewelle wäre der BFV jedoch in einer guten Position, meint zumindest der Münchner Sportrechtsexperte Thomas Summerer. Der "Passauer Neuen Presse" sagte der 60-Jährige, dass Klagen vor dem Verbandssportgericht wenig Aussicht auf Erfolg hätten, da dessen Vorsitzender Oskar Riedmeyer auch im Verbandsvorstand sitzt und den Paragrafen 93 mitbeschlossen hat.

Bleiben Schiedsgerichte und ordentliche Gerichte. Hier sagt Summerer gegenüber der Zeitung: "Ein Verband darf nicht im Eigeninteresse handeln, er muss das Gesamtwohl im Blick haben. Ein Richtig oder Falsch gibt es allerdings nicht, daher räumen die Gerichte den Verbänden üblicherweise Ermessensspielraum ein." Gerichte würden, so der Anwalt, bei solchen Angelegenheiten "selten dazwischengrätschen". Abschließend führt Summerer aus: "Man müsste dem BFV vorwerfen, dass er willkürlich gehandelt hat. Das dürfte nicht leicht sein."

stw / PM

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