Bundesliga

Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel über BVB-Youngster Emre Mor: "Er muss lernen, was es bedeutet Profi zu sein" - Senkrechtstarter Ousmane Dembélé hatte einen Vorteil

Dortmund: "Außergewöhnliches Talent" braucht noch Zeit

Tuchel: "Mor muss lernen, was es bedeutet Profi zu sein"

Entwicklung mit Höhen und Tiefen: Emre Mor braucht beim BVB weiterhin Geduld.

Entwicklung mit Höhen und Tiefen: Emre Mor braucht beim BVB weiterhin Geduld. imago

Mors Start in Dortmund verlief zu Saisonbeginn vielversprechend. Tuchel hatte den türkischen Nationalspieler, auch aufgrund der überaus angespannten Personalsituation, direkt ins kalte Wasser geworfen. Beim 6:0 gegen Darmstadt am dritten Spieltag gelang dem Neuzugang vom dänischen Erstligisten Nordsjaelland sein erstes Bundesligator, ab dem fünften Spieltag stand er dreimal in Folge in der Startelf des BVB. So auch beim 1:1 gegen Hertha BSC, als sich der Mittelfeldspieler wegen eines Schubsers gegen Sebastian Langkampf die Rote Karte einhandelte.

Wenn die Dortmunder am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) zum Rückspiel in Berlin antreten, ist Mor von einem Startelf-Einsatz ein gutes Stück entfernt. Nur gut eine Bundesliga-Stunde steht für ihn in der Rückrunde zu Buche, beim 1:2 in Darmstadt durfte Mor bis zur 62. Minute mitmachen und bereitete gleich einen Treffer vor (kicker-Note 3,5). Beim 4:0-Erfolg gegen Benfica im Champions-League-Achtelfinale stand er zuletzt nicht im BVB-Kader.

Spielersteckbrief Dembelé
Dembelé

Dembelé Ousmane

Spielersteckbrief Mor
Mor

Mor Emre

Anpassungsprozess noch nicht abgeschlossen

Wie sieht Tuchel die derzeitige Situation des 19-Jährigen? "Emre ist ein außergewöhnliches Talent, von dieser Meinung gehen wir auch nicht weg", sagte der BVB-Coach am Freitag: "Er hat einfach Dinge, die die einfach offensichtlich sind: Sein Tempo, seine Beschleunigung, seine außergewöhnliche Technik und natürlich sein offensives Eins-gegen-eins."

Trotzdem, erklärte Tuchel, sei der Schritt nach Dortmund "nach einem halben Jahr Profi sein in Dänemark" groß gewesen, die Anpassung noch nicht abgeschlossen. Leistungsschwankungen, ein Auf und Ab in der Entwicklung - für Dortmunds Trainer ganz normal.

Zumal ein weiterer Faktor hinzukäme: "Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir ihn aus seinem Heimatland rausgeholt haben. Er muss eine neue Sprache lernen, er muss eine neue Kultur kennenlernen", meinte Tuchel. Und mehr noch: "Er muss nicht nur einfach kommen und Fußball spielen, er muss den ganzen Beruf auch lernen - auf dem allerhöchsten Niveau. Er muss lernen, was es bedeutet, Profi zu sein. Dass es weit darüber hinausgeht, nur Talent zu haben."

Tuchel: "Er gibt sich Mühe ohne Ende" - Dembelé hatte einen Vorteil

Er wolle das überhaupt nicht als Vorwurf an Mor verstanden wissen, betonte der BVB-Coach: "Er gibt sich Mühe ohne Ende. Und wir werden nicht aufhören, ihn zu unterstützen und zu fördern. Er muss geduldig bleiben, auch wenn ich weiß, dass ihm das schwerfällt."

Ousmane Dembelé und Emre Mor

Zwei Youngster, von denen einer den Durchbruch schon geschafft hat: Ousmane Dembelé (l.) und Emre Mor. imago

Vielleicht ist Dembelés kometenhafter Aufstieg ja ein zusätzlicher Ansporn für Mor. Schließlich kam der Franzose vergangenen Sommer unter ähnlichen Voraussetzungen von Stade Rennes zum BVB. Dass Dembelé so schnell zu einem wichtigen Bestandteil des Teams werden würde, war so "nicht zu erwarten", meinte Tuchel, der jedoch einen wichtigen Unterschied im Vergleich zu Mor ausmacht: "Er hatte natürlich den Vorteil, dass mit Auba (Pierre-Emerick Aubameyang, d.Red.) sofort eine Bezugsperson da war und mit Rapha Guerreiro noch jemand, der fließend seine Sprache spricht. Sie haben es ihm auch leichter gemacht haben, schnell Fuß zu fassen."

ski