2. Bundesliga

Hamburger SV: Trotz des Scheiterns spricht viel für Kontinuität

HSV-Boss Boldt plant nächsten Angriff: "Wir wollen raus aus dieser Liga"

Trotz des Scheiterns spricht viel für Kontinuität

Enttäuschte Hamburger nach dem verlorenen Relegations-Rückspiel.

Enttäuschte Hamburger nach dem verlorenen Relegations-Rückspiel. IMAGO/Ulrich Hufnagel

Ab dem Dienstag soll in der Hansestadt die Analyse beginnen. Und das fünfte Zweitligajahr geplant werden. Das klingt nicht nur nach den großen Hoffnungen auf den zurückliegenden Montagabend schrecklich für Hamburg, sondern das ist es auch. Weil es bedeutet, dass die Kluft selbst zum Souterrain der Bundesliga immer größer wird. Und im Relegations-Rückspiel kam Walters Elf eigentlich zu keiner Phase ernsthaft auch nur in die Nähe davon, diese Kluft verringern zu können.

"Wir haben es nicht geschafft, Chancen herauszuspielen", sagt Sebastian Schonlau, "also das zu machen, was uns eigentlich das ganze Jahr ausgemacht hat." Doch der Kapitän und seine Kollegen traten vom Anpfiff weg nicht auf wie eine Mannschaft, die sechs Spiele in Folge gewonnen hat, sondern wie ein Zweitligist, der dem Bundesligisten nicht das Wasser reichen konnte.

"Wir haben es geschafft, über die Saison etwas entstehen zu lassen"

Die enttäuschenden 90 Minuten vom Montag gehören natürlich in die Analyse miteinbezogen, sie sollten indes auch nicht überlagern, dass der HSV erstmals seit dem Abstieg 2018 über weite Strecken wieder für etwas stand: ein erkennbares Spielsystem, einen Jugendstil, und, was in Hamburg besonderer Betonung bedarf, er stand für eine Mentalität, niemals aufzugeben. "Wir haben es geschafft, über die Saison etwas entstehen zu lassen", sagt Walter, "und wir sind noch nicht am Ende. Es ist unglaublich vorangegangen, aber wir sind noch nicht fertig."

Das bedeutet zweierlei: Er macht mit Nachdruck deutlich, dass er weitermachen will, die Analyse impliziert aber auch, was gegen Berlin sichtbar wurde: es fehlt eben auch noch was. Zum Beispiel auf den defensiven Außenbahnen, wo Miro Muheim und Moritz Heyer nur Durchschnitt verkörpern. Und in Sachen Kreativkraft: Sonny Kittel, der wohl talentierteste Fußballer in Walters Kader, tauchte in einem entscheidenden Spiel wieder einmal völlig ab. Dies zu benennen, bedeutet nicht, nach Schuldigen zu suchen, sondern Knackpunkte zu analysieren.

Boldt will "raus aus dieser Liga"

Dass ein neuer Anlauf in unveränderter Konstellation unternommen werden soll, verdeutlicht auch der Sportvorstand. "Wir wollen raus aus dieser Liga", sagt Jonas Boldt, "das ist die Herausforderung, die wir mit Riesenelan angehen. Wir können stolz darauf sein, was hier zuletzt passiert ist, aber wir müssen auch analysieren, wo wir noch was draufpacken können."

Das erneute Scheitern ist anders als in den Vorjahren kein Versagen. Das macht die Gefahr, mehr und mehr in die sportliche Bedeutungslosigkeit abzurutschen, nicht geringer. Die Art und Weise aber, wie Trainer und Mannschaft das Umfeld in Hamburg wieder emotionalisiert haben, ist ein klares Argument für Kontinuität und gegen einen erneuten Totalumbau.

Sebastian Wolff

Bilder zur Partie Hamburger SV - Hertha BSC