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"Kann auch nicht sein, dass ich nur in Österreich spiele"

Ex-LASK-Kapitän auf Anhieb Stammspieler

Trauner: "Kann auch nicht sein, dass ich nur in Österreich spiele"

Gernot Trauner ist in der Defensive von Feyenoord gesetzt

Gernot Trauner ist in der Defensive von Feyenoord gesetzt imago images/Bildbyran

Eigentlich hatte sich Gernot Trauner in Linz bereits sesshaft gemacht, ein Haus gekauft, war Kapitän beim LASK und seit Jahren Stammspieler in der österreichischen Bundesliga. Doch dann folgte im Sommer der Ruf aus den Niederlanden. Mit Feyenoord Rotterdam meldete sich einer der drei größten holländischen Klubs, die mit Arne Slot einen neuen Trainer verpflichtet hatten, der den 29-Jährigen Abwehrspieler aus Europacupduellen mit dem LASK noch kannte und schätzte. Wenig später ging der Transfer über die Bühne, nach 173 Pflichtspielen für die Linzer entschied sich Trauner zum Abschied aus der Stahlstadt und heuerte in den Niederlanden an.

6. Spieltag

Seitdem stand der Defensivprofi in allen Pflichtspielen in der Startelf und kam dabei jedes Mal über die gesamte Spielzeit zum Einsatz. Mit sieben zu Null-Spielen in den ersten neun Partien verlief sein Einstieg beim neuen Team höchst positiv und auch in der neuen Umgebung hat sich der Familienvater schon gut eingelebt. Im Interview mit dem kicker spricht der fünffache Nationalspieler Österreichs über das Leben in den Niederlanden, seinen ordentlichen Start und was ihn letztlich vom Abschied aus Linz überzeugt hat.

kicker: Seit knapp eineinhalb Monaten bist du nun in Rotterdam - hast du dich mittlerweile gut eingelebt?

Gernot Trauner: Ich habe mich sehr gut eingelebt und fühle mich hier wirklich wohl. Das einzige, was noch fehlt, ist meine Familie, die kommt dann in den nächsten Tagen nach. Innerhalb der Mannschaft und innerhalb des Vereins passt aber alles sehr gut und auch die Stadt selbst hat es mir angetan. Die Stadt und der Verein haben einiges zu bieten und von dem her war es definitiv die richtige Entscheidung, dieses Abenteuer ins Ausland zu wagen. Jetzt freue ich mich wenn meine Familie da ist, dann können wir das Leben hier so richtig starten.

Was waren die größten Umstellung im Vergleich zu deiner Zeit in Österreich? Sportlich und persönlich?

Sportlich ist die holländische Liga eine sehr spielstarke Liga. Jede Mannschaft versucht wirklich Fußball zu spielen, selbst wenn man als Team das Pressing ausübt, kommt nicht immer sofort der lange Ball vom Gegner, sondern auch die anderen Mannschaften haben die Qualität, sich da befreien zu können. Allgemein im Training ist es so, dass man 80 bis 90 Prozent mit dem Ball trainiert und hier viel Wert auf Ballbesitz gelegt wird. Ich glaub’ beim LASK war es fast umgekehrt. Das sind ein paar große Umstellungen. Privat kann man super leben in Holland, es ist ähnlich wie bei uns Zuhause, nur dass die ganzen Berge fehlen. (lacht) Es ist wirklich extrem flach, es gibt viel Wasser im ganzen Land und es ist einfach wirklich schön. Die Leute sind sehr offen und nett, sie scheuen sich auch nicht davor Deutsch mit einem zu sprechen, Englisch können sie zudem auch sehr gut, also man kann sich ohne Probleme verständigen und mittlerweile bin ich sehr gut angekommen.

Auf die Verständigung wollte ich gerade kommen. Hast du schon zum niederländisch lernen begonnen?

Ich hab’ mit dem Lernen schon angefangen, aber die Zeit dafür ist nicht immer da. Es war doch sehr viel zu organisieren mit Umzug, Unterkunft suchen, Anmelden, Ummelden und von dem her hängt das noch ein wenig nach. Wir sind ja mit der Mannschaft schon viel unterwegs gewesen, da hat man immer wieder ein paar Minuten, wo man sich durch die Vokabeln klickt. Man merkt schon, dass man ein wenig ein Gespür für die Sprache bekommt, es is ja nicht so weit weg von unserem Deutsch, aber diese dann zu sprechen ist natürlich sehr gewöhnungsbedürftig. Da halte ich mich noch etwas zurück und muss mich vorher noch intensiver mit der Sprache beschäftigen. 

Rotterdam verfügt mit Feyenoord, Excelsior und Sparta gleich über drei große Vereine. Spürt man die Fußballverrücktheit in der Stadt?

Auf jeden Fall. Die ersten Tage waren sehr ungewöhnlich, da hat man mich schon erkannt, obwohl ich noch nicht mal unterschrieben hatte. Da gab es nur die Gerüchte, dass ich eventuell komme, aber hier haben mich schon die Leute angesprochen und willkommen geheißen und ich war eigentlich noch nicht einmal da (lacht). Das war schon gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr schön und nett, erkannt zu werden. Die Holländer sind einfach sehr fußballverrückt, das ist hier der Nationalsport Nummer eins und jeder ist sehr positiv, egal welchen Verein sie unterstützen. Auch bei den kleinen Vereinen, wo wir gespielt haben, herrschte immer eine super Stimmung und es gab sehr fanatische Fans. Es ist auf jeden Fall ein bisschen was anderes als in Österreich, für die Leute hat der Fußball einen ganz anderen Stellenwert, mit dem wachsen die Kinder auf. In unserem Stadion herrscht bei den Heimspielen immer eine explosive Stimmung und am Spieltag siehst du in der Stadt überall Leute mit Feyenoord Trikot herumlaufen. Da merkt man wie viel Vereinsliebe dahinter steckt.

In der Liga habt ihr im eigenen Stadion noch nicht gegen die ganz großen Klubs gespielt. Beim Heimspiel gegen die Go Ahead Eagles hast du aber gleich mal eine Heimkulisse vor über 30.000 Zusehern erleben dürfen. Spornt das zusätzlich an, wenn man weiß, dass man das nun regelmäßig haben wird?

Definitiv. Das ist das besondere hier, dass die Leute auch ins Stadion gehen, wenn es mal nicht so läuft oder wenn man gegen einen unattraktiveren Gegner spielt. Bis jetzt war das Stadion fast immer ausverkauft, aufgrund der Covid-Bestimmungen dürfen ja nicht mehr wie 30.000 rein, deshalb war die Hütte eigentlich immer voll. Das ist schon sehr cool und nochmal eine ganz andere Erfahrung, wenn man jede Woche vor 30.000 Zuschauern spielt als vor 5000 oder 10.000.

Dein Start bei Feyenoord verlief mit sieben zu Null-Spielen in den ersten neun Partien sehr verheißungsvoll. Zuletzt gab es einen klaren 4:0-Auswärtssieg gegen die PSV Eindhoven. Wie erklärst du dir deinen starken Einstieg beim neuen Verein?

Natürlich hab ich mir gewünscht, dass es gleich läuft, aber dass es dann so kommt, ist umso schöner. Wir hatten ja noch ein, zwei Testspiele, während die Conference League-Qualifikationsspiele begonnen haben und da hatte ich Zeit mich einzufinden. Zudem hatten wir zu Beginn auch noch nicht die riesigen Aufgaben und das hat sicher dazu beigetragen, dass ich mich schneller hab’ einfinden können. Mittlerweile weiß die Mannschaft was ich kann, was meine Fähigkeiten sind und daher fühle ich mich richtig wohl, angekommen und wertgeschätzt innerhalb der Mannschaft und im Verein.

Du bist bisher in allen Pflichtspielen für deinen neuen Klub in der Startelf gestanden und hast jeweils die gesamte Spielzeit absolviert. Hast du deinen Platz als "Leader" in der Mannschaft bereits gefunden?

Ich würde sagen teilweise. Natürlich ist die Sprachbarriere vorhanden und man kann nicht alles so rüberbringen, wie man es sich wünschen würde. Gerade im Spiel, wo alles schnell gehen muss, ist das sehr wichtig. Ich denke aber, dass ich meinen Platz im Team schon gefunden habe und versuche im Match durch Coaching meinen Teil dazu beizutragen, die Defensive zu organisieren. Wir haben sehr viele junge Spieler, die ein Riesentalent besitzen und fußballerisch sicher besser sind als ich, aber ich denke, es spielen mehrere Qualitäten mit. Der Verein wollte eben diese Führungsqualität am Platz haben und abseits vom Platz wir das mit der Zeit noch kommen.

Trainer Arne Slot war ja einer der größten Fürsprecher für deinen Transfer. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit ihm? Was zeichnet ihn aus?

Der Arne ist generell ein Trainer, der selbst sehr viel Initiative übernimmt und sehr viel auf die Mannschaft einwirkt. Er hat eine klare Idee vom Fußball, den er spielen lassen will und kommuniziert viel mit den Spielern. Wir haben uns natürlich schon über die eine oder andere Spielsituation ausgetauscht, wie wir das beim LASK gelöst haben und so nimmt jeder überall etwas mit. Er hat mich ja damals von den Partien im Europacup schon gekannt, hat gewusst, dass das passen könnte und bisher hat sich das bewahrheitet.

Wie würdest du den Zusammenhalt in der Mannschaft generell beschreiben?

Ich komme sehr gut mit allen zurecht, alle habe mich offen willkommen geheißen. Ein großer Teil der Mannschaft ist auch gemeinsam durch die Jugend gegangen bei Feyenoord und von dem her ist das wirklich eine eingeschworene Truppe. Wir haben natürlich auch viele ausländische Spieler, wo ich auch dazugehöre, aber man findet schnell seinen Platz. Es wird auch viel Englisch gesprochen in der Kabine und die holländischen Jungs nehmen viel Rücksicht. Wenn man am Tisch sitzt, schauen sie, dass dann auch Englisch gesprochen wird. So fällt es um einiges leichter, Teil des Teams zu werden.

Du bist zu einem sehr prestigeträchtigen Verein gewechselt. Feyenoord ist einer der drei Großen Klubs in den Niederlanden, ist 15-facher Meister, und 13-facher Pokalsieger. Verspürst du da mehr Druck als während deiner Zeit beim LASK?

In gewisser Weise ist der Druck da, wenn viele Leute dahinter stehen. Die wollen natürlich etwas geliefert bzw. präsentiert bekommen, aber der Druck ist im Profifußball immer da. Wir ordnen das auch realistisch ein, wird werden wahrscheinlich nicht von Haus aus um den Meistertitel mitspielen, aber in den Top 5 der Liga sollten wir uns schon etablieren, das sollte unser Ziel sein. Gerade jetzt wo der Verein mit Arne Slot einen neuen Weg eingeschlagen hat, der den Fußball eigentlich ganz interpretiert wie sein Vorgänger, wird das ein wenig dauern. Daher sollten wir uns nicht an Ergebnissen messen, sondern an der Leistung zu dem jeweiligen Zeitpunkt in der Saison.

Die kicker-Elf des 8. Spieltags

Wie schwer ist dir als Familienmensch der Abschied aus Linz gefallen? Du hast ja doch ein Haus gekauft, wolltest sesshaft werden. Was hat dich letztendlich vom Transfer überzeugt?

Der größte ausschlaggebende Punkt war das Interesse vom Verein und vom Trainer, das ich sofort gespürt habe. Ich habe gewusst, wenn ich das mache, dann ist das keine auf-Teufel komm-raus-Aktion, ich will unbedingt ins Ausland, sondern das hat Hand und Fuß gehabt. Spätestens wie ich nach Rotterdam geflogen bin und mir die ersten Eindrücke verschafft habe, ist mir erst bewusst geworden, wie groß der Verein ist und wie professionell hier gearbeitet wird. Was das Umfeld mitbringt mit Trainingscenter, Stadion etc. Das ist alles eine Hausnummer größer und das hat es sehr Interessent für mich gemacht. Natürlich war auch der Rückhalt meiner Frau und der Familie sehr wichtig, die bereit sind das auf sich zu nehmen. Wir waren ja am sesshaft werden, sind in unser Haus eingezogen, waren zwei Monate drinnen und ziehen jetzt wieder aus. Das war schon etwas verrückt, aber ich bin hundertprozentig überzeugt, dass das die richtige Wahl war.

War es für dich auch persönlich wichtig nach so vielen Jahren in Österreich in deiner Karriere noch etwas anderes zu erleben?

Es hat natürlich auch mitgespielt, dass ich zehn Jahre im österreichischen Profifußball unterwegs war und eigentlich nur in einer Liga gespielt habe. Da habe ich mir schon gedacht, dass kann es auch nicht sein. Jeder hat zu mir gesagt, warum warst du bisher nur in Österreich. Der James Holland zum Beispiel hat gemeint, es kann nicht sein, dass ich nur in Österreich mein Leben lang spiele. Das war nicht ausschlaggebend dafür, dass ich das mache, aber ich habe mir dann auch gedacht, dass ich noch etwas anderes sehen wollte und jetzt war der richtige Zeitpunkt dafür.

Inwiefern spielte auch das Nationalteam bei dieser Entscheidung eine Rolle. Du warst zuletzt im März bei den WM-Qualifikationsspielen im Kader. Hier hast du bestimmt noch wesentlich größere Chancen einberufen zu werden.

In erster Linie ist es mir darum gegangen, dass ich mich persönlich wohl fühle und ich sportlich eine gute Rolle spielen kann. Aber natürlich ist es ein schöner Nebeneffekt, dass die holländische Liga sehr interessant ist. Wenn man da seine Leistung bringt und vielleicht vorne dabei ist, kann das natürlich dazu führen, dass man den Weg ins Nationalteam wiederfindet. Beim letzten Lehrgang hat es leider nicht geklappt, aber das kann schnell wieder anders aussehen. Daher werde ich dranbleiben und vor Ort meine Leistung bringen.

Warst du damals sehr enttäuscht, als es nicht mit der EM-Teilnahme geklappt hat? Oder hattest du da schon eine gewisse Vorahnung?

Ich hab’ schon geahnt, dass es eng werden würde. So realistisch habe ich mich einschätzen können, weil wir doch viele gute Spieler mit viel Qualität im Nationalteam haben und auch viele jüngere, die eher gefördert werden. Natürlich ist man ein wenig enttäuscht, wenn man sich Chancen ausrechnet, dabei sein zu können und dann klappt es nicht. Ich hab’ das so akzeptieren müssen und dann hat es eh alles so sein sollen. So bin ich dann hier gelandet, habe eine ordentliche Vorbereitung durchziehen können und bin topfit in Rotterdam aufgeschlagen.

Bei deinem Ex-Klub sieht es aktuell ja nicht so rosig aus - woran ist diese Schwächephase aktuell auszumachen? Fehlt ein echt Leader wie du es warst in der Mannschaft?

Ich denke, dass es schon mitspielt, dass sehr viel routinierte Spieler, deren Meinung in der Kabine viel Gewicht hatte, jetzt nicht mehr da sind. In Summe glaube ich aber, dass das nicht der Hauptfaktor ist, wie es am Platz aussieht. Ich habe mir einige Spiele angesehen und es waren auch viele gute Spiele dabei, wo es am Ende mit dem Punktgewinn knapp nicht geklappt hat. So sind sie aktuell in einem Negativlauf drinnen, der natürlich nicht angenehm ist, aber man sollte das auch nicht überbewerten. Wenn man sich die Tabelle ansieht, bist du mit drei Punkten mehr schon schon wieder vorne dabei. Es ist sehr ausgeglichen bis auf Salzburg, die vorne wegmarschieren. Da kann es in ein paar Wochen schon wieder ganz anders aussehen.

Dominik Thalhammer musste seinen Posten nach etwas mehr als einem Jahr räumen. Bereits die letzte Meistergruppe verlief nicht mehr allzu erfolgreich - für dich eine nachvollziehbare Entscheidung?

Schwierig zu sagen, das vermag ich auch nicht zu beurteilen. Trainerpositionen zu besetzen ist immer die Entscheidung des Vereins. Der Dominik war jedenfalls sehr professionell mit uns, hat Tag und Nacht mit uns gearbeitet und getüftelt. Es hat dann nicht so geklappt und mit den Ergebnissen in den letzten Wochen war es absehbar, dass da was passieren wird. Da ist es dann meistens der Trainer, der getauscht wird. Ich wünsche dem Dominik und dem LASK alles Gute und ich hoffe auch, dass es bald ergebnistechnisch wieder in die richtige Richtung geht. Mich hat auch der internationale Erfolg gefreut, dass sie da voll dabei sind und mit einem guten Ergebnis gestartet sind. Das tut auf jeden Fall gut und kann die Wende herbeiführen.

Maximilian Augustin

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