Bundesliga

Trapp: Sechs Gründe für eine Überraschung gegen Bayern

Frankfurt wartet seit zwei Jahrzehnten auf einen Sieg in München

Trapp: Sechs Gründe für eine Überraschung gegen Bayern

Hat keine Angst vor Gegentoren: Kevin Trapp.

Hat keine Angst vor Gegentoren: Kevin Trapp. imago images

Zwar seien die Bayern "Europas beste Mannschaft, wenn nicht sogar die beste Mannschaft der Welt". Zuletzt war allerdings auch der Rekordmeister nicht unverwundbar, wie insbesondere die Niederlage in Hoffenheim offenbarte. Trapp nennt mehrere Gründe, die Hoffnung stiften, dass es erstmals seit 2000 mit einer Überraschung in Form eines Dreiers in München klappen könnte.

Der Saisonstart: Angesichts von acht Punkten aus vier Partien und Platz vier ist die Brust breit. Trapp spricht von einem "sehr guten Start" und untermauert: "Wir dürfen und müssen sehr viel Selbstvertrauen haben. In jedem Spiel haben wir uns gesteigert. Man sieht auch, dass die Qualität im Training unheimlich hoch ist. Ich sehe nicht einen einzigen Grund, warum wir kein Selbstvertrauen haben sollten."

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"Ich habe keine Angst, die Hütte vollzukriegen"

Bayerns Anfälligkeit: In Hoffenheim (1:4) und gegen Hertha BSC (4:3) musste Bayern-Keeper Manuel Neuer siebenmal (!) hinter sich greifen, was eine gewisse Anfälligkeit dokumentiert. "Wir wissen, dass wir über 90 Minuten extrem gut und konzentriert verteidigen müssen, aber im Spiel nach vorne können wir auch unsere Chancen suchen. Hoffenheim konnte gegen die Bayern vier Tore schießen, Berlin drei. Es ist definitiv machbar. Hinzufahren und nur zu verteidigen, entspräche nicht unserer Idee. Es würde uns auch nicht so viel Spaß machen, 90 Minuten hinten drin zu stehen", erläutert Trapp. Er betont: "Ich habe keine Angst, die Hütte vollzukriegen. Das ist wahrscheinlich ein Spiel, in dem man ein bisschen mehr zu tun hat. Aber es wäre fatal, das Spiel gedanklich schon abzuschenken. Wir dürfen uns darauf freuen, uns mit den Besten zu messen. Das ist immer etwas Schönes."

Die Duelle 2019/20: Vergangene Saison trafen Eintracht Frankfurt und der FC Bayern nicht nur in der Liga, sondern auch im Pokal-Halbfinale aufeinander. Am Ende stand ein erstaunliches Torverhältnis: 8:8. In der Hinrunde jodelte Frankfurt die Bayern mit 5:1 aus dem Stadion, in der Rückrunde setzte es ein 2:5, wobei die Hessen zwischenzeitlich von einem 0:3 auf ein 2:3 verkürzen konnten. Die Partie im Pokal ging denkbar knapp 1:2 verloren. An diese Begegnung denkt auch Trapp zurück. "Wenn wir gegen Bayern München spielen, erwartet eigentlich jeder, dass Bayern gewinnt", meint der Torhüter, bekräftigt aber: "Trotzdem haben wir vergangene Saison im Pokal gesehen, dass wir die Bayern ärgern können. Da haben wir ein sehr ordentliches Spiel gemacht."

"Wir sind ausgeruht und können frech nach München fahren"

Die Frische: Durch das Wegfallen der internationalen Spiele in dieser Saison kann Trainer Adi Hütter seine Mannschaft in der Regel sehr viel intensiver auf den nächsten Gegner vorbereiten. Auch über das Thema Frische muss er sich weniger Gedanken machen, wenn er seine erste Elf zusammenstellt. "Wir sind ausgeruht und können frech nach München fahren", kündigt Trapp an. Der FCB könnte am Samstag noch das Champions-League-Spiel gegen Atletico in den Knochen haben, allerdings weist der Keeper zu Recht darauf hin: "Die Bayern haben auch die Mannschaft, um so ein Pensum zu fahren."

Trapps Form: Mit seinen Leistungen in der vergangenen Spielzeit war der Torhüter nicht rundum zufrieden: "Alle wissen, dass ich einen hohen Anspruch an mich selbst habe. Bis zur Corona-Pause war es gut, danach war es war es okay, aber nicht unbedingt das, was ich von mir selbst erwarte." Nun sieht er sich wieder in einer deutlich besseren Verfassung. Mit seinem früheren Torhüter-Kollegen Jan Zimmermann, der seit Januar als Torwarttrainer fungiert, hat er sich viel ausgetauscht. Mittlerweile trägt die Zusammenarbeit die erhofften Früchte. "Ich fühle mich seit der Vorbereitung extrem gut. Wir arbeiten sehr gut im athletischen Bereich. Ich fühle mich nicht nur fit, sondern topfit, was mir auch vom Kopf her hilft: Ich weiß, dass ich 90 Minuten konzentriert sein kann", führt Trapp aus. Das Training sei sehr praxisnah auf verschiedenste Spielsituationen ausgelegt, sodass er sich gut vorbereitet fühlt. "Dazu kommt die Erfahrung", sagt Trapp und schmunzelt: "Ich weiß nicht, ob es etwas damit zu tun hat, dass eine drei davorsteht ..." Seit dem 8. Juli ist er 30 Jahre alt.

"Es wird wahrscheinlich nicht so sein, dass man alles wegverteidigen kann"

Die Abteilung Attacke: Ohne Entlastung im Spiel nach vorne ist in München nichts zu holen. Der Fokus liegt natürlich dennoch erst mal auf der Defensive. Trapp fordert Konzentration und Aggressivität über die komplette Spielzeit, weiß allerdings auch: "Es wird wahrscheinlich nicht so sein, dass man alles wegverteidigen kann. Trotzdem müssen wir bereit sein, 90 Minute zu verteidigen, dann aber auch unsere Chance nach vorne suchen." Da kommen Bas Dost und Co. ins Spiel. "André Silva ist top drauf, auch Bas ist richtig gut drauf, vor allem physisch. Er läuft viel und kämpft für die Mannschaft. Das ist jetzt ein ganz anderer Bas, der uns sehr viel Spaß bereitet. Es macht auch ihm persönlich viel mehr Spaß. Die zwei sind immer in der Lage, ein Tor zu schießen", glaubt Trapp. Dost und Silva seien "zwei nominelle Top-Stürmer, die viel für die Mannschaft arbeiten". Auch dahinter sei mit Daichi Kamada, Amin Younes und Ajdin Hrustic "viel Qualität" vorhanden. Trapp schlussfolgert: "Wir sind im Spiel nach vorne wahrscheinlich ein bisschen variabler geworden."

Ob all das reicht, um den Bayern ein Bein zu stellen? Nüchtern betrachtet ist das trotz Trapps vorbildlicher Zuversicht nicht sehr wahrscheinlich. Allerdings: Auch am 18. November 2000 hätte vor dem Anpfiff wohl kaum jemand auch nur einen Pfifferling auf die Eintracht gesetzt. Alexander Schur und Jan Age Fjörtoft störte das nicht. Sie bogen einen Rückstand (Tor: Paulo Sergio) um und traten mit einem 2:1-Sieg im Gepäck die Heimreise an.

Julian Franzke

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