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Trainer im eFootball: Ein Schritt in Richtung Professionalität

Funktionen und Widrigkeiten

Trainer im eFootball: Ein Schritt in Richtung Professionalität

eFootball-Trainer wie Stefan Gajduk (r.) sind inzwischen ein gewohntes Bild bei FIFA-Turnieren.

eFootball-Trainer wie Stefan Gajduk (r.) sind inzwischen ein gewohntes Bild bei FIFA-Turnieren. VfL Bochum

Als Mohammed 'MoAuba' Harkous 2019 den Weltmeistertitel nach Deutschland holte, geriet nicht nur er als Spieler ins Rampenlicht. Auch sein Trainer, Matthias 'STYLO' Hietsch, der bereits während des Turniers durch seine unermüdlich antreibende Art aufgefallen war, erhielt viel Lob - am meisten wohl von Harkous selbst. Diese Erfolgsgeschichte zeigt, wie wichtig Trainer sein können und ist ein Grund dafür, warum Coaches seit einigen Jahren zur Entourage vieler Spieler gehören.

Im eFootball haben Trainer diverse Aufgaben: Einerseits bieten sie während einer Partie eine zweite Perspektive, können taktische Hinweise geben und ihre Schützlinge mental unterstützen. Gerade letzterer Aspekt ist enorm wichtig, da viele eSportler jung sind und unter dem Stress der großen Bühne leiden. Zudem unterscheiden sich die spielerischen Künste der Akteure in der Weltspitze nur marginal. Auf allerhöchstem Niveau entscheidet häufig der Kopf über Sieg oder Niederlage. Die Arbeit eines Trainers beginnt aber schon vor einem Turnier. Trainingspläne zu schreiben, Gegner zu scouten und Begegnungen zu analysieren, sind alltägliche Aufgaben. Dadurch werden die Spieler entlastet, die ebenjene Aufgaben sonst selbst übernehmen oder sogar wegfallen lassen müssten.

Ein Begriff, viele Interpretationsweisen

Problematisch in der FIFA-Szene ist, dass Trainer nicht gleich Trainer sind. Manchmal handelt es sich bei der als Coach bezeichneten Person nur um einen Begleiter vom Verein, der neben der mentalen Unterstützung wenig leistet. Ebenso häufig sind es temporär aushelfende andere eFootballer. Sie können spielerisch zwar qualifizierte Hinweise geben, sind aber keine vollwertigen Trainer. Darüber hinaus ist die Position noch neu in FIFA. Entsprechend hat sich noch nicht final herauskristallisiert, was einen guten Trainer wirklich ausmacht und wer tatsächlich einer ist.

Ich finde es mittlerweile sehr wichtig, denn Turniere sind auf hohem Niveau sehr schwierig. Da brauchst du einen Coach, der dich mit seinem Wissen und mentaler Stärke unterstützt.

Cihan 'Cihan' Yasarlar über die Betreuung durch seinen Trainer

Im deutschsprachigen Raum gibt es diverse dedizierte Trainer, ob Stefan Gajduk, Thomas Temperli oder Teoman Arslan. Gajduk coachte bereits beim VfL Bochum und wechselte zur neuen Saison zu Borussia Dortmund. Temperli ist international viel unterwegs in Brasilien, der Niederlande oder seinem Heimatland der Schweiz. Zu Arslans Schützlingen zählt unter anderem Cihan 'Cihan' Yasarlar, der seinen Trainer außerordentlich schätzt: "Ich finde es mittlerweile sehr wichtig, denn Turniere sind auf hohem Niveau sehr schwierig. Da brauchst du einen Coach, der dich mit seinem Wissen und mentaler Stärke unterstützt. Das nimmt auch den Druck ein bisschen raus."

Arslan selbst will mit seinen Methoden neben dem Zeitmanagement der oftmals jungen Spieler auch die Psyche auf die Anstrengungen vorbereiten. "Mit meinen Analysen, die ich digital für die Spieler vorbereite, versuche ich, die kognitiven Fähigkeiten zu trainieren. Die Spieler sollen in 1vs1-Situationen mehr Konzentration erlangen und ein breiteres Spektrum an Fokus aufbauen", meint der 44-Jährige, der in erster Linie eine Resistenz bezüglich des Stressfaktors erzeugen möchte.

FIFA noch am Anfang

Eine Sache ist klar: Mit mehr Trainern im eFootball wird die Szene immer professioneller. Andere eSport-Titel haben aber bereits gezeigt, dass an diesem Punkt noch lange nicht Schluss ist. Eine engere Definition der Rolle, das Aussieben von Alibi-Trainer und die Neuschaffung von Positionen wie Analysten sollten in den kommenden Jahren auch auf die FIFA-Szene warten.

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Christian Mittweg