WM

Tränen statt Jubel: Südkorea rechnete mit Achtelfinal-Einzug

Nach Sieg gegen Deutschland

Tränen statt Jubel: Südkorea rechnete mit Achtelfinal-Einzug

Südkoreas Trainer Shin (li.): Bei seinem Team wurde aus purer Freude plötzlich große Enttäuschung.

Südkoreas Trainer Shin (li.): Bei seinem Team wurde aus purer Freude plötzlich große Enttäuschung. imago

Die Bilder auf den Straßen Seouls glichen ein bisschen den Szenen von vor 16 Jahren. Wilder Jubel und unzählige Menschen mit roten Trikots vor großen Public-Viewing-Leinwänden erinnerten an jene Euphorie, die 2002 geherrscht hatte, als die Taeguk Warriors bei ihrer Heim-WM bis ins Halbfinale vorgestoßen waren. Damals beendete Deutschland den Jubellauf der Asiaten, denen am Mittwoch nun die späte Revanche glückte. Durch den 2:0-Sieg kegelten die Mannen von Trainer Tae-Yong Shin den Titelverteidiger aus dem Wettbewerb und überholten diesen sogar noch in der Abschlusstabelle der Gruppe F.

"Wir wussten nichts vom Ausgang des anderen Spiels"

Doch auch wenn die Mannschaft in der fernen Heimat für den Sieg gegen den Weltmeister gefeiert wurde - in den Katakomben der Kasaner WM-Arena war den Südkoreanern kurz nach Abpfiff so gar nicht zum Feiern zumute. Stattdessen standen einigen Spielern die Tränen in den Augen, andere schlichen mit hängenden Köpfen in die Kabine. In der festen Annahme, dass das zuvor zweimal siegreiche Mexiko auch Schweden schlagen würde, waren Hyun-Woo Cho und seine Mannschaftskollegen vom unverhofften Einzug in das WM-Achtelfinale ausgegangen. "Wir wussten nichts vom Ausgang des anderen Spiels", sagte der Torhüter nach der Partie. Aus grenzenloser Freude wurde schlagartig bittere Enttäuschung: "Als wir nach dem Spiel von Schwedens Sieg erfahren haben, sind einige von uns in Tränen ausgebrochen."

Spielersteckbrief H.-W. Cho
H.-W. Cho

Cho Hyun-Woo

Trainersteckbrief Shin
Shin

Shin Tae-Yong

Südkorea - Vereinsdaten
Südkorea

Gründungsdatum

01.01.1933

Weltmeisterschaft - Vorrunde, 3. Spieltag
Weltmeisterschaft - Tabelle - Gruppe F
Pl. Verein Punkte
1
Schweden Schweden
6
2
Mexiko Mexiko
6
3
Südkorea Südkorea
3

Shin gab seinem Team eine minimale Siegchance

Auch Trainer Shin verspürte eine "gewisse Ambivalenz". "Ich fühle mich großartig, aber auch ein bisschen leer", sagte Südkoreas Trainer, der vor dem Turnier mit seltsamen Tricks und Verwirrspielen für Aufsehen gesorgt hatte . "Am Dienstag haben wir gesagt, dass wir nur eine Chance von einem Prozent haben, gegen Deutschland zu gewinnen", so der 49-Jährige. "Wir haben darüber nachgedacht, welche Fehler Deutschland machen kann, weil es sich vielleicht zu sicher fühlt. Ich dachte, wir können diese Fehler ausnutzen, indem wir unsere Chancen, die wir bekommen werden, verwerten." Das war seiner Mannschaft gelungen - umso größer fiel jedoch die Ernüchterung aus, nachdem der große Coup unbelohnt blieb.

Kein direkter Vorwurf an Mexiko

Der mexikanischen Nationalelf, die 0:3 gegen Schweden unterlag, wollte Shin zumindest direkt keinen Vorwurf machen. "Ich glaube, dass Mexiko ziemlich stark ist. Juan Carlos Osorio ist ein guter Trainer. Als wir sie im Vorfeld beobachtet haben, konnten wir feststellen, dass sie ihre Strategie und Taktik vor jedem Spiel an den Gegner anpassen." Aber: "Dann habe ich erfahren, dass sie 0:3 verloren haben - ich weiß nicht, wie sie gespielt haben. Aber ich denke, das wird einen Einfluss auf ihr nächstes Spiel haben", so Shin vielsagend. Mexiko rutschte durch die Niederlage auf Platz zwei der Gruppe ab und bekommt es nun mit Brasilien im Achtelfinale zu tun.

"Wir haben für die koreanischen Menschen gespielt"

Wenn sich die Mittel- und Südamerikaner am kommenden Montag (16 Uhr, LIVE! bei kicker.de) um den Einzug ins Viertelfinale duellieren, ist das südkoreanische Team längst wieder in die Heimat zurückgekehrt. "Wir haben nicht die Ergebnisse erzielt, die wir wollten. Aber wir behalten einen guten Eindruck von Russland", so Shin. Torhüter Cho hielt abschließend fest: "Wir haben für die koreanischen Menschen gespielt."

pau