FIFA WM

WM 2022: Saudi-Arabien feiert "komplett verrückten" Coup

Historischer Sieg gegen Argentinien

Tränen schon vor dem Anpfiff: Saudi-Arabien feiert "komplett verrückten" Coup

Saudi-Arabien steht Kopf nach dem Coup gegen Argentinien.

Saudi-Arabien steht Kopf nach dem Coup gegen Argentinien. IMAGO/Laci Perenyi

Aus Katar berichtet Jörg Wolfrum

Nach dem Sieg, der sich in die Liste historischer WM-Sensationen wie der Erfolg Algeriens 1982 über Deutschland einreiht, gab es Freudentränen, klar. Aber Tränen habe es auch schon vor Spielbeginn gegeben bei Saudi-Arabien, erklärte Trainer Hervé Renard nach dem sensationellen 2:1 des Außenseiters über den Titelkandidaten Argentinien. Tränen der Anspannung. Weil seine Mannschaft genau gewusst habe, was sie wollte beim Auftritt im Nachbarland Katar. Und sie wusste, dass "Millionen Menschen in der Heimat auf etwas Besonderes" warteten.

Nach dem Wechsel wendete sich das Blatt

Der Coup gelang tatsächlich und vor allem gar nicht mal unverdient. Nach einer ersten Halbzeit, in der Argentinien früh durch einen Elfmeter 1:0 geführt und durch teils knappe, aber richtige Abseitsentscheidungen eine höhere Führung verpasst hatte, wendete sich das Blatt. Saleh Al-Shehri und Salem Al-Dausari trafen kurz nach dem Wechsel zur Überraschung.

"Heute waren alle Sterne auf unserer Seite"

WM 2022

Coach Renard sagte es blumig und dankte zudem dem "Prinz in der Heimat", der im Vorfeld der Endrunde nicht zusätzlich Druck aufgebaut habe. Die Folge: "Heute waren alle Sterne auf unserer Seite." Doch weil es ja um Fußball ging, schob der Franzose schnell nach: "Und natürlich unsere großartige Mannschaft."

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"Komplett verrückt" sei das Passierte dennoch. "Argentinien hat 36 Spiele in Folge nicht verloren, sie haben vor einem Jahr in Brasilien die Copa America gewonnen", konstatierte der 54-Jährige, aber "Fußball ist eben nicht planbar". Manches könne man auch in einer sechswöchigen Vorbereitung, auf die Keeper Mohammed Al-Owais, der dem Gegner außer Lionel Messis Elfmeter keinen Treffer mehr gestattete, zuvor mit Stolz verwiesen hatte.

Mitunter sei es eben einfach so: "Manchmal ist der Gegner nicht auf der Höhe", so Renard. Vielleicht habe sich ganz im Inneren einer wie Messi nicht voll motivieren können. Das sei nur menschlich, meinte Renard, und "normal. Es ist etwas anderes von der Anspannung, wenn es gegen Saudi-Arabien geht statt gegen Brasilien".

Ich kenne meine Spieler, sie werden jetzt gen Himmel fliegen wollen.

Hervé Renard

Doch weil die WM ja gerade erst begonnen hat, forderte der Franzose, der 2012 mit Sambia und 2015 mit der Elfenbeinküste die Afrikameisterschaft gewann, seine Mannschaft auf, auf dem Teppich zu bleiben: "Ich kenne meine Spieler, sie werden jetzt gen Himmel fliegen wollen. Aber sie werden mich auf den Schultern haben, um nicht abzuheben. Wir müssen demütig bleiben."

Zwei Spiele stehen noch aus, mindestens. Gegen Mexiko und, zunächst, Polen, "das einen Stürmer hat, den ich gar nicht erwähnen muss", wie Renard mit Blick auf Robert Lewandowski erklärte. Doch egal, wie es nun weitergehe für den Außenseiter: "Dies bleibt für immer." Auch in der Liste der WM-Sensationen.

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