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Tour-Renndirektor weist Kritik nach Stürzen zurück - Politt: "Kriminell"

Jury lehnte Vorschlag der Fahrer ab

Tour-Renndirektor weist Kritik nach Stürzen zurück - Politt: "Kriminell"

Negativ-Schlagzeilen: Stürze gab es auch auf der dritten Tour-Etappe.

Negativ-Schlagzeilen: Stürze gab es auch auf der dritten Tour-Etappe. Getty Images

"Es ist immer einfach zu sagen, dass es gefährlich ist, aber man muss erkennen, dass es immer schwieriger wird, Zielorte zu finden", sagte Gouvenou der Sportzeitung "L'Equipe" mit Blick auf die schlimmen Stürze auf der dritten Etappe am Montag.

"Für diese Etappe mussten wir Lorient, Lanester, Hennebont und Plouay von der Liste streichen, was uns zu gefährlich erschien. Wir haben keine mittelgroße Stadt mehr ohne Verkehrsinsel, Kreisverkehr oder Verengung", so Gouvenou. Vor zehn Jahren habe es bei der Tour de France 1100 gefährliche Punkte gegeben. "In diesem Jahr sind wir bei 2300."

Man sieht das Ergebnis. Das ist einfach kriminell.

Nils Politt

Am Montag hatte es am Ende der Etappe mehrere Stürze gegeben. Dabei erwischte es auch den slowenischen Vorjahreszweiten Primoz Roglic, der mit Schmerzen am Steißbein und einem Rückstand von über einer Minute das Ziel erreichte. Der australische Topsprinter Caleb Ewan ging im Schlusssprint zu Boden und erlitt einen Schlüsselbeinbruch. Zuvor hatte sich der britische Ex-Sieger Geraint Thomas die Schulter ausgekugelt.

Fahrer-Vorschlag von Jury abgelehnt

Wie der Kölner Radrennfahrer Nils Politt erklärte, waren die Fahrer vor der Etappe bei der Rennleitung vorstellig und baten darum die Drei-Kilometer-Regel bereits acht Kilometer vor dem Ziel anzuwenden. Diese besagt, dass innerhalb dieses Bereichs alle Fahrer mit der gleichen Zeit gewertet, auch wenn sie durch einen Sturz aufgehalten werden. Dies wurde von der Jury abgelehnt. "Man sieht das Ergebnis. Das ist einfach kriminell. Es ist schade, so viele Fahrer am Boden liegen zu sehen", sagte Politt dem ZDF.

Stürze auch auf der 3. Etappe: Tour ist für Ewan beendet

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Voigt: "Die Tour de France stiehlt sich die Show"

Auch Ex-Profi Jens Voigt übte deutliche Kritik: "Man hätte ganz sicher den einen oder anderen Sturz vermeiden können, wenn man die Strecke anders gewählt hätte: keine Abfahrt auf den letzten fünf Kilometern in den Zielort hinein und breitere Straßen", sagte der Experte des TV-Sender Eurosport. Der 49-Jährige kritisierte die Organisatoren: "Das hätte intelligenter und harmonischer gelöst werden können."

So hätte das Finale bei der ersten Sprintetappe "möglichst langweilig und lange geradeaus gestaltet werden" müssen, sagte Voigt, der 17 Mal an der Frankreich-Rundfahrt teilgenommen hat. "Die Tour de France stiehlt sich irgendwo auch selbst die Show damit", lautete sein Fazit.

dpa/kon

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