Bundesliga

Torwartwechsel in Köln: Die Historie spricht für Baumgarts Entscheidung

Schwäbe bleibt im Kasten, Horn muss mit der Bank vorliebnehmen

Torwartwechsel in Köln: Die Historie spricht für Baumgarts Entscheidung

Baumgart hat sich festgelegt: Marvin Schwäbe (re.) bleibt im Tor, Timo Horn muss mit der Bank vorliebnehmen.

Baumgart hat sich festgelegt: Marvin Schwäbe (re.) bleibt im Tor, Timo Horn muss mit der Bank vorliebnehmen. imago images/Herbert Bucco

Horn im Kölner Tor: Wie die Sonne am Morgen

Bei Baumgarts Entscheidung  geht es weniger um die Leistungsfähigkeit des Neuzugangs - die wird allgemein als hoch bewertet - als vielmehr darum, dass Timo Horn nicht einfach ein normaler Spieler des FC ist, sondern einer, für den die Branche gern ganz oben ins Regal greift, was die Ehrentitel angeht: Von "Ikone" über "Legende" bis zum "Denkmal" ist alles dabei, seit 20 Jahren gehört er dem Klub an, seit über zehn Jahren tauchte er so zuverlässig im Kasten auf wie die Sonne, die morgens über dem Horizont aufgeht.

Baumgart wollte einfach kein Hin und Her - Horn gegen Schalke gebucht

Nun eben nicht mehr. Horns Umfeld findet das nicht wirklich gerecht. Das Spiel gegen Hamburg - der Pokal "gehört" bei Baumgart dem jeweiligen Ersatzkeeper - nahm ihm eine Erkrankung. Diese verpasste Chance hätte man ihm später einräumen können. Baumgart entschied anders, der Trainer will kein Hin und Her auf dieser so wichtigen wie sensiblen Position.

Baumgarts Erklärung: "Ich habe Timo nicht rausgenommen, weil er schlechte Leistungen gebracht hat oder weil er schwach war oder irgendetwas falsch gemacht hat. Er war verletzt und dann ist es schwer, jemanden rauszunehmen, der gute Leistungen gebracht und seine Chance genutzt hat. Das muss man auch mal akzeptieren, ohne, dass man den Kontrahenten gleich schlechtmacht." Für den Test am Donnerstag gegen den FC Schalke (13 Uhr, Franz-Kremer-Stadion) ist Horn fest gebucht, gesundheitlich ist er nach Knieverletzung und Infektion wieder hergestellt.

Er war verletzt und dann ist es schwer, jemanden rauszunehmen, der gute Leistungen gebracht und seine Chance genutzt hat. Das muss man auch mal akzeptieren, ohne, dass man den Kontrahenten gleich schlechtmacht.

Steffen Baumgart

Wechselspiele im Tor sind selten und das sind sie deshalb, weil man so gut wie nie gute Erfahrungen damit gemacht hat, die Torhüter kurzfristig zu wechseln und Spieltag für Spieltag in ein Duell zu schicken. Ein Blick allein in die Geschichte des FC reicht, um dies zu belegen. Mit Milutin Soskic hatten die Kölner einen absoluten Weltklasse-Torhüter unter Vertrag, der 1966 mit Partizan Belgrad im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister Real Madrid nur knapp unterlegen war.

Nach dem finalen 1:2 wechselte er nach Köln, avancierte zum sicheren Rückhalt, ehe er sich in der Vorbereitung zur Saison 1968 einen doppelten Schienbeinbruch zuzog. Da der FC keinen Spieler nachverpflichten durfte, ging man mit dem unerfahrenen Duo Rolf Birkhölzer und Paul Heyeres in eine Saison, an deren Ende man sich nur knapp vor dem Abstieg rettete. Dies auch, weil Trainer Hans Merkle sich nicht für eine klare Nummer eins entscheiden konnte, beide Keeper sich zu häufig Unsicherheiten erlaubten und keine Konstanz auf dieser wichtigen Position herrschte.

Drama um Heyeres - Nach groben Patzer verliert sich die Spur im Nirgendwo

Wie stark der FC tatsächlich war, bewiesen Overath, Flohe und Co. im Europapokal der Pokalsieger, wo der Klub erst im Halbfinale am FC Barcelona scheiterte, 2:2 und 1:4 hieß es nach den zwei Spielen. Im Hinspiel sorgte Heyeres für ein regelrechtes Drama, als er zunächst einen harmlosen Fernschuss über die Hände ins Tor rutschen ließ und sich anschließend den zweiten Treffer selbst reinhaute. Nach dieser Aktion in der 77. Minute musste er entnervt ausgewechselt werden, er sollte nie mehr auf der Fußballbühne auftreten, seine Spur verliert sich tatsächlich nach dieser einen Saison. Und Merkle stand vor dem Scherbenhaufen seines Wechselspiels.

Die Angst, nach dem nächsten Fehler wieder aus dem Tor zu fliegen, fraß uns beiden die Seele auf.

Toni Schumacher

Weisweilers knallharte Ansage an Schumacher

Dies allerdings passierte schon Größeren. Hennes Weisweiler zum Beispiel, der 1977 ein ähnliches Spiel mit Slobodan Topalovic und Toni Schumacher spielte. Mit dem Ergebnis, dass beide nur selten an ihre Leistungsgrenze gehen konnten. "Die Angst, nach dem nächsten Fehler wieder aus dem Tor zu fliegen, fraß uns beiden die Seele auf", erinnert sich Schumacher. Eine schwere Verletzung von Topalovic - zugezogen am 30. Spieltag - machte den Weg frei für den späteren Weltklasse-Torwart, dem Weisweiler damals dies mit auf den Weg gab: "Ich lasse dich jetzt spielen, damit du dich anderen Klubs zeigen kannst. Hier hast du keine Zukunft."

Vom Keeper "ohne Zukunft" zum Rekordspieler des FC 

Es kam anders. Schumacher glänzte im Saisonendspurt und den Endspielen um den DFB-Pokal (1:1 und 1:0 gegen Hertha BSC), mauserte sich später zum Rekordspieler des 1. FC Köln. Und sein Beispiel zeigt - wie das seiner Vorgänger - , dass es auf der Position Nummer eins im Team Konstanz geben muss. Alles andere lässt das Gebilde wackeln.

Deshalb ist es für jetzt vernünftig, Schwäbe im Tor zu belassen. Es wird Horns Karriere nicht zerstören und niemand weiß, wie der Kampf um die Eins aussehen wird, wenn der Routinier über den Sommer hinaus in Köln bleibt.

Frank Lußem

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